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Recht
09.04.2019

Zeiterfassung: Habe ich einen Fehler gemacht?

Frage: Ich muss Sie um Ihre Bewertung bitten. Ich habe im letzten Monat an einem Tag 2 Azubis bereits um 14:00 Uhr – und damit 2 Stunden früher als sonst – nach Hause geschickt. Es gab nichts mehr zu tun. Beide hatten ohnehin aus der Vorwoche ein paar Überstunden, die eigentlich damit abgegolten werden sollten. Grundsätzlich bin ich zu entsprechenden Verschiebungen der Arbeitszeit auch berechtigt, wenn ich sie mit den Azubis abspreche.

Uns stellt sich nun aber folgendes Problem: Die beiden Azubis haben nicht 14:00 Uhr, sondern 16:00 Uhr in die Arbeitszeiterfassung eingetragen. Angeblich dachten sie, das sei korrekt. Schließlich könnten sie nichts dafür, dass dem Unternehmen die Arbeit ausging. Daher könnte man ihrer Meinung nach die Überstunden auch nicht verrechnen. Ihre Arbeitszeiterfassung haben mir die Azubis vorgelegt, und ich habe sie abgezeichnet – routinemäßig, ohne jedes Detail zu erfassen.

Jetzt habe ich Ärger mit meinem Chef bekommen: Ich hätte die Zeiterfassung, die ja nicht korrekt ist, auf gar keinen Fall abzeichnen dürfen. Ich soll das jetzt mit den Azubis in Ordnung bringen, ansonsten könnte ich ernsthaften Ärger bekommen. Jetzt bin ich etwas ratlos und habe eine Frage an Sie: Wie bewerten Sie diese Angelegenheit?

Antwort: Die Angelegenheit bewerte ich durchaus kritisch. Sie haben mit den Auszubildenden eine Vereinbarung getroffen, bei der offenbar nicht klar war, ob diese zum Ausgleich der 2 Stunden an ihre Überstundenpolster gehen müssen oder nicht. Auf der anderen Seite waren Ihre Azubis wahrscheinlich bewusst dreist und haben die 2 Stunden, in denen sie nicht gearbeitet haben, als Arbeitszeit erfasst.

Mein Tipp: Nehmen Sie sich die beiden Azubis in einem persönlichen Gespräch (getrennt oder einzeln) vor. Denn eines ist klar: Eine Arbeitszeit anzugeben, die nie geleistet wurde, ist nicht rechtens. Das kann letztendlich sogar zu einer fristlosen Kündigung führen. Was aber an dieser Stelle noch wichtiger ist: Sie haben mit den Azubis eine Vereinbarung getroffen (Feierabend um 14:00 Uhr). Später haben Sie dennoch eine Arbeitszeiterfassung unterschrieben, die dieser Vereinbarung eindeutig widerspricht (Feierabend um 16:00 Uhr). Das war ein großer Fehler – was auch ein Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Rheinland-Pfalz belegt (10 Sa 6/13 vom 23.5.2013).

 

Hartes Gerichtsurteil für Ausbilder

Der Fall, der sich schon vor Längerem ereignete, ähnelt dem Ihrem: Aufgrund eines Stromausfalls schickte ein Vorgesetzter 2 Techniker 3 Stunden früher nach Hause, was der Zeiterfassung aber nicht zu entnehmen war. Dies zeichnete der Vorgesetzte später ab – wofür er eine Kündigung (!) erhielt. Gegen diese wehrte er sich vor Gericht. Die Richter des LAG kannten allerdings keine Gnade. Sie bewerteten das Verhalten des Vorgesetzten als schweren Vertrauensbruch. Der Vorgesetzte wurde also tatsächlich entlassen. Das Gerichtsurteil macht deutlich, wie schwerwiegend sich Fehler von Vorgesetzten und Ausbildern auswirken können. Aus diesem Grunde sollten Sie sich im Umgang mit Ihrem Chef defensiv verhalten, den Fehler, die Zeiterfassung unterschrieben zu haben, eingestehen und in Zukunft die Zeiterfassung Ihrer Auszubildenden gewissenhaft überprüfen.

Autor: Martin Glania

 

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