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Helmut Niklas
Ausbildungsqualität
02.04.2019

Azubi-Wohnheime: Wie sie selbst davon profitieren

Von Auszubildenden wird räumliche Flexibilität gefordert, damit sie einen Ausbildungsplatz in einer anderen Region antreten können. Viele junge Menschen sind dazu auch bereit. Allerdings stoßen sie finanziell an ihre Grenzen, wenn sie für eine Ausbildung umziehen und Miete zahlen sollen. In dieser verzwickten Situation leisten Azubi-Wohnheime wertvolle Abhilfe.

Gibt es in Ihrer Umgebung ein Azubi-Wohnheim, in dem Auszubildende günstig wohnen können? Und bietet dieses Wohnheim ausreichend Wohnungen? Dann gehören Sie zur Minderheit. In den meisten Regionen Deutschlands ist der Wohnraum – auch für Azubis – begrenzt und teuer. Studierende haben zumindest die Möglichkeit, in ein Studentenwohnheim zu ziehen (auch wenn die Plätze knapp und die Wartelisten lang sind). Für die meisten Azubis gilt das nicht.

Zudem herrscht Fachkräftemangel in vielen Branchen und Ausbildungsberufen. Immer mehr Städte und Regionen stellen sich die Frage, ob sie Auszubildende finanziell und was ihre Wohnsituation angeht allein lassen können und sollten. Der Kampf um die besten Schulabgänger hat nämlich nicht nur zwischen den Unternehmen, sondern auch unter den Regionen längst begonnen.

Norderstedt: Ergebnisse einer Bedarfsanalyse sprechen für Azubi-Wohnheim

Beispielsweise hat man in Norderstedt bei Hamburg erkannt, dass dringend Wohnmöglichkeiten für Auszubildende geschaffen werden müssen. Das gilt etwa für geförderten Wohnraum in Form eines Azubi-Wohnheims. Hierzu zeigte eine Bedarfsanalyse: 71 % der Auszubildenden in Norderstedt, kommen nicht aus Norderstedt selbst. In vielen Fällen muss sich der angehende Auszubildende auf einem leer gefegten Wohnungsmarkt eine Unterkunft suchen. Das ist häufig mit Startschwierigkeiten verbunden. Manch ein Bewerber lässt aus solchen Gründen schon mal seine beruflichen Pläne sausen.

Im benachbarten Hamburg ist bereits ein Azubi-Wohnheim in Betrieb, das für insgesamt 156 Auszubildende Wohnraum bietet. Neben den Wohnungen für jeweils 2 bis 4 Bewohner gibt es dort einen Gemeinschaftsraum mit Bar und eine große Dachterrasse. Das Besondere an dem Wohnheim: Rund um die Uhr ist Personal vor Ort. Deshalb ist das Wohnheim auch für minderjährige Auszubildende geeignet.

Wohnheim-Initiative: ein langer Weg, der sich lohnt

Dass Wohnraum in den meisten Regionen knapp ist, dass Auszubildende auf Unterstützung angewiesen sind und dass es deshalb eigentlich nicht fair ist, räumliche Flexibilität von ihnen zu verlangen, leuchtet ein. Woran es allerdings fehlt: an der Bereitschaft, Initiative zu ergreifen und öffentliche Gelder in die Hand zu nehmen, um die Situation zu verbessern. Es ist dringend notwendig, das Thema auf die Tagesordnung von regionalen Parlamenten zu bringen. Das funktioniert allerdings nur, wenn ein entsprechender Druck ausgeübt wird.

Nutzen Sie daher regionale Ausbildungsveranstaltungen, Ihren Kontakt zur Kammer und Ihr überbetriebliches Engagement (in Gremien/Prüfungsausschüssen usw.), um die Initiative für ein Azubi-Wohnheim vorzustellen und weitere Befürworter zu finden. Nur wenn viele Ausbildungsbetriebe und andere Institutionen (zuständige Stellen/Kammern) Druck auf die Politik ausüben, lässt sich ein solches Projekt durchführen – ein Projekt, von dem in einigen Jahren alle profitieren werden, die Ausbildung durchführen, verantworten oder absolvieren.

Autor: Günter Stein

 

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