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Ausbildungsqualität
18.09.2018

„Wie kann ich gefühlter Benachteiligung begegnen?“

Frage: Gestern hatte ich einen Jour fixe mit einem meiner 3 Auszubildenden. Ganz unvermittelt hat er mir dabei gesagt, dass er das Gefühl habe, ich würde ihn gegenüber anderen Azubis und Teammitgliedern benachteiligen. Aus meiner Sicht stimmt das nicht. Ich finde den Azubi sympathisch und arbeite gerne mit ihm. Das habe ich ihm auch gesagt. Im Nachhinein habe ich aber das Gefühl, diese Aussage von mir reicht nicht aus. Wie kann ich dem Auszubildenden dieses negative Gefühl nehmen?

Antwort: Manche Menschen, gerade jüngere, haben ein geringes Selbstwertgefühl, sind empfindlich und beziehen schon die leichteste Kritik auf ihre gesamte Person. Das ist für das Umfeld oft schwierig. Und Sie haben vollkommen recht: Es genügt nicht, dem Auszubildenden nur zu sagen, dass er sich täusche.

Suchen Sie das Gespräch unter 4 Augen und versuchen Sie zu ergründen, warum Ihr Azubi zu diesem Eindruck kommt, z. B. mit folgenden Fragen:

  • „Gibt es einen konkreten Anlass, warum Sie das glauben?“
  • „Können Sie mir ein oder mehrere Beispiele nennen, wann Sie das so empfinden?“
  • „In welchen Bereichen genau fühlen Sie sich ungerecht behandelt?“

Auf diese Weise schaffen Sie es vielleicht, Missverständnisse auszuräumen und dem Azubi mehr Sicherheit zu geben.

 

Wie Sie sich verhalten, wenn Ihnen ein Azubi wirklich unsympathisch ist

Auch das kommt natürlich hin und wieder vor: Es kommt ein neuer Azubi zu Ihnen in die Abteilung und er ist Ihnen ganz einfach unsympathisch. Er hat aber aus den vorherigen Ausbildungsstationen einen guten Ruf und macht seine Arbeit gut. Wie gehen Sie damit um?

Folgen Sie meinen Tipps:

  • Fragen Sie sich, was die Hauptgründe dafür sind, dass Sie einen Azubi als unsympathisch einstufen. Ist es sein Aussehen? Das Verhalten? Sind es Charakterzüge?
  • Gehen Sie aktiv in die Kommunikation mit dem Azubi. Arbeiten Sie gegen Ihre Antipathie und Ihren Impuls, den Auszubildenden zu meiden.
  • Betrachten Sie den Menschen als Ganzes. Suchen Sie nach den guten Seiten des Azubis. Kein Mensch hat nur negative Seiten.
  • Führen Sie informelle Gespräche mit dem Auszubildenden, etwa in der Mittagspause. Zeigen Sie sich offen und stellen Sie dem Azubi Fragen, die Ihr Interesse an ihm zeigen. So öffnet er sich auch und Sie können womöglich doch noch sympathische Züge an ihm entdecken.

Mit dieser Strategie beugen Sie vor und vermeiden es, dass ein guter Auszubildender sich zurückzieht, weil er spürt, dass Sie ihn nicht mögen.

Autor: Günter Stein

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