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Ausbildungsqualität
22.02.2020

Wenn der Azubi Sie verbal attackiert

Mancher Azubi hat eine „große Klappe“. Das muss nicht unbedingt negativ sein. Viele leisten damit wertvolle Beiträge und sorgen auch mal für Belustigung. Allerdings kommt es durchaus vor, dass ein Azubi Sie als Ausbilder verbal attakiert. Ein solcher verbaler Angriff ist meist schnell erfolgt.

Äußert ein Azubi beispielsweise in Ihre Richtung: „Wo Sie sind, da ist Chaos“ oder „Bei Ihnen haut wie immer gar nichts hin“, dann muss Ihrerseits eine Reaktion erfolgen. Wichtig ist, dass Sie diesen Azubi in keiner Weise dazu ermutigen, derartige − oder gar schlimmere − Dinge auch in Zukunft zu Ihnen zu sagen. Sich demütig zu entschuldigen und sich dem Azubi damit ein Stück weit unterzuordnen, ist daher genau die falsche Reaktion.

Aber welche Strategie ist zu empfehlen? Sie haben 3 Möglichkeiten:

Reagieren Sie nicht verbal − und damit nicht auf einer Ebene mit dem Azubi

Gerade dann, wenn ein Azubi schon mal durch unangemessene Kommentare und persönliche Angriffe aufgefallen ist, können Sie sich das Beantworten und Kommentieren seines Beitrags sparen. Zeigen Sie allerdings eine Reaktion, indem Sie ganz bewusst mit ihm Blickkontakt halten. Quittieren Sie den Angriff für einige Sekunden mit Schweigen. Fahren Sie dann wieder mit den Dingen fort, mit denen Sie vor dem Kommentar beschäftigt waren.

Sorgen Sie für eine Überraschung und stimmen Sie zu

Wenn Sie dem Azubi scheinbar zustimmen, statt in die Defensive zu gehen, ist das für den verbalen Angreifer eine Überraschung. Reagieren Sie etwa mit „Ja, wo gehobelt wird, da fallen Späne“ oder „Sie haben Recht, aber nur wer das Chaos beherrscht, ist wirklich König“. Anschließend wird Ihnen die Unsicherheit des Azubis auffallen, der nicht sicher ist, inwieweit er Ihre Reaktion als ernst oder als ironisch werten soll. Wenn Sie es für richtig halten, können Sie die Verunsicherung noch mit dem Satz „Auch Sie werden das noch lernen“ abrunden.

Stellen Sie offene und offensive Fragen

Offene Fragen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können. Handeln Sie in diesem Sinne ganz nach dem Motto „Wer fragt, der führt“. So holen Sie sich Ihren Führungsanspruch, den der vorlaute Azubi ein Stück weit infrage gestellt hat, zurück. Fragen Sie beispielsweise: „Was genau meinen Sie? Was genau hat nicht hingehauen?“ oder „Wenn Sie das als Chaos bewerten, dann schildern Sie doch mal, wie erfolgreich Ihr organisatorischer Beitrag zur Ausbildungsmesse letzte Woche war. Mir ist da so einiges zu Ohren gekommen.“ Um die Situation nicht ganz so scharf zu gestalten, können Sie das auch mit einem Augenzwinkern sagen.

Ein Beitrag von Martin Glania.

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