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Allgemein
06.11.2019

Wann Sie eine individuelle Regelung zur Vorlage der AU-Bescheinigung mit Ihrem Azubi treffen können

Krankmeldungen sind bei Auszubildenden und vielfach für Sie ein ganz besonderes „Vergnügen“. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Azubi erkrankt und arbeitsunfähig ist, muss er Ihnen dies unverzüglich mitteilen. Ist er über mehrere Tage arbeitsunfähig, kommt § 5 Abs. 1 Satz 2 Entgeltfortzahlungsgesetz ins Spiel. Das besagt: Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Kalendertage, muss die AU-Bescheinigung spätestens am folgenden Arbeitstag vorgelegt werden. Also an Tag 4 der Erkrankung.

Das Bundesarbeitsgericht hat aber bereits vor einiger Zeit entschieden: Sie können die Vorlage der AU-Bescheinigung auch schon am ersten Fehltag verlangen (Urteil vom 14.11.2012, Az. 5 AZR 886/11). Zum Beispiel bei einem Auszubildenden, der auffällig häufig immer freitags oder montags krank ist.

Individuelle abweichende Regelung möglich Im Ausbildungsvertrag haben Sie bereits eine kürzere Frist als die gesetzliche (Vorlage am 4. Tag der Erkrankung) vorgesehen. Zum Beispiel, dass die AU-Bescheinigung grundsätzlich am 3. Tag der Krankheit vorzulegen ist.

Eine individuelle Regelung zur Vorlage der AU-Bescheinigung kann sinnvoll sein

 Die spannende Frage: Haben Sie dann bei einzelnen Auszubildenden trotzdem noch die Möglichkeit, die Vorlage der AU-Bescheinigung am ersten Tag zu verlangen – oder haben Sie sich mit der 3-Tage-Regelung fest daran gebunden? Die Antwort liefert das Urteil des LAG München vom 13.12.2018 (Az. 4 Sa 514/18). Es entschied: Sie dürfen! Selbst wenn Sie im Ausbildungsvertrag von der Vorlage am 4. Tag der Krankheit abweichen, hindert Sie das nicht, in Einzelfällen die Vorlage von bestimmten Azubis – entgegen der im Ausbildungsvertrag fixierten Regelung – bereits am ersten Tag zu verlangen. Sie haben Ihr Recht, Blaumacher durch die Verpflichtung der Vorlage am ersten Tag zu disziplinieren, also nicht aus der Hand gegeben.

Ein Beitrag von Günter Stein.

 

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