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Recruiting
07.08.2018

Wann ein Weiterbildungsstipendium infrage kommt

Wenn einer Ihrer Azubis mit seinem Berufsabschluss nicht zufrieden ist, weil er sich unterfordert gefühlt hat, dann ist die Gefahr groß, ihn zu verlieren. Er könnte sich einem anderen Unternehmen zuwenden, das ihm Aufstiegsmöglichkeiten bietet. Oder er könnte nach der Ausbildung studieren.

Wenn Sie ihn trotzdem halten wollen – was bei Leistungsträgern in Zeiten des Fachkräftemangels immer Ihr Ziel sein sollte –, empfehle ich, die Möglichkeit eines Weiterbildungsstipendiums zu prüfen. Alternativ käme ein Aufstiegsstipendium infrage.

7.200 € für gezielte Weiterbildung

Ehemalige Auszubildende, die sich über dieses Stipendium weiterbilden, können über einen Zeitraum von 3 Jahren jährlich bis zu 2.400 € für berufliche Weiterbildung erhalten. Für den Maximalbetrag von 7.200 € ist lediglich ein Eigenanteil von 10 % selbst zu tragen.

Um in den Genuss eines solchen Stipendiums zu kommen, muss der Bewerber bestimmte Kriterien erfüllen: So muss er die Abschlussprüfung der Berufsausbildung mit mindestens 87 Punkten bzw. mit einer Durchschnittsnote von 1,9 oder besser bestanden haben. Alternativ könnte er bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb unter die ersten 3 Plätze gekommen sein. Ein begründeter Vorschlag seines Arbeitgebers kann ebenfalls zur Aufnahme als Stipendiat beitragen.

Folgende Leserfragen tauchen in der Redaktion von „Berufsausbildung konkret“ bezüglich des Weiterbildungsstipendiums immer wieder auf:

Müssen wir uns als Ausbildungsbetrieb bewerben? Oder macht das der Azubi selbst?

Das übernimmt der ehemalige Azubi selbst. Sie könnten ihn allerdings auf diese Gelegenheit hinweisen und ihn bei der Bewerbung unterstützen. Wenn Sie das schon während der Ausbildung tun, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er Ihnen erhalten bleibt.

Wohin muss der Azubi die Bewerbung schicken?

Die Bewerbung geht an die zuständige Stelle – also die Kammer, bei der der Ausbildungsvertrag eingetragen war. Ihr ehemaliger Azubi nimmt mit ihr Kontakt auf und lässt sich die erforderlichen Unterlagen zuschicken. Anschließend erfolgen die Bewerbung durch den Auszubildenden und die Entscheidung der Kammer, ob er als Stipendiat aufgenommen wird oder nicht.

 

Mit dem Aufstiegsstipendium zu Bachelor und Master

Entscheidet sich Ihr ehemaliger Auszubildender, der überdurchschnittlich leistungsstark war, für ein Studium, dann kommt das sogenannte Aufstiegsstipendium für ihn infrage. Die Voraussetzungen hierfür sind:

  • abgeschlossene Berufsausbildung
  • Berufserfahrung von mindestens 2 Jahren zum Zeitpunkt der Bewerbung
  • bisher noch kein Hochschulabschluss
  • Nachweis der besonderen Leistungsfähigkeit (Kriterien s. o.: Weiterbildungsstipendium)

So funktioniert die Bewerbung

Die Bewerbung des ehemaligen Auszubildenden erfolgt in 3 Schritten:

  1. Online-Bewerbung: Mithilfe eines Online-Fragebogens wird geprüft, ob der ehemalige Azubi die grundlegenden Voraussetzungen erfüllt. Zudem äußert er hierbei seinen Studienwunsch.
  2. Kompetenz-Check: Wurde der 1. Schritt erfolgreich bestanden, ist online ein Fragebogen zu bearbeiten. Dieser wird anschließend von einem Expertenteam ausgewertet.
  3. Auswahlgespräch: Zur Endauswahl werden die besten Bewerber zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Anschließend erfolgt die Entscheidung, wer in das Aufstiegsstipendium aufgenommen wird.

Wie hoch ist die Förderung?

Zurzeit liegt die Höhe der Förderung bei 735 € monatlich zuzüglich 80 € Büchergeld. Diese Förderung ist einkommensunabhängig und wird als Pauschale an den ehemaligen Auszubildenden ausbezahlt.

Kommt auch ein berufsbegleitendes Studium infrage?

Ja, auch das ist möglich. Dann fällt die Förderung allerdings erheblich niedriger aus, da der ehemalige Azubi und Studierende ja selbst Geld verdient. Er kann bei einem berufsbegleitenden Studiengang jährlich 2.400 € für Maßnahmen erhalten. Diese Variante hat den Charme, dass Sie den Azubi während des Studiums und auch danach beschäftigen können. So bleiben Ihnen Ihre ausgebildeten und damit sehr wertvollen und begehrten Arbeitskräfte erhalten.

 

Autor: Martin Glania

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