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Recruiting
03.12.2018

Vermeiden Sie eine „große Kommunikationslücke“

Es gibt immer noch sehr viele Ausbildungsunternehmen, in denen „das große Schweigen“ zwischen Vertragsunterzeichnung und Ausbildungsbeginn gang und gäbe ist. Doch warum bleiben Unternehmen inaktiv? Und was sind die Folgen? Aber vor allem: Wie können diese vermieden werden?

Manche Unternehmen können ihre Ausbildungsplätze nahezu jedes Jahr mit Wunschkandidaten besetzen. Sie haben ein gutes Image, sind es gewohnt, anziehend auf Bewerber zu wirken, und profitieren von ihrer erfolgreichen Ausbildungsarbeit der letzten Jahre. Das verführt natürlich dazu, nach der Vertragsunterzeichnung die Hände in den Schoß zu legen. Schließlich wurde mit einem Top-Ausbildungsunternehmen – so sehen es die Unternehmensvertreter selbst – ein Vertrag abgeschlossen. Da kann der Bewerber doch froh sein.

Wie aber ist die Sichtweise eines potenziellen Auszubildenden? Dieser geht nach der Vertragsunterzeichnung noch monatelang in die Schule, stellt sich diversen Prüfungen und macht neue Erfahrungen. Das kann Konsequenzen nach sich ziehen. Schließlich können viele Faktoren dazu führen, dass er den Ausbildungsvertrag kündigt. Unterstützt würde seine Entscheidung zur Kündigung auch durch die Rechtslage:

Das Berufsbildungsgesetz befasst sich mit der Kündigung vor Ausbildungsbeginn nicht ausdrücklich. Allerdings sind in § 22 die Voraussetzungen festgelegt, unter denen im Rahmen einer Probezeit gekündigt werden kann. Das geht ohne Fristsetzung und ohne Vorliegen eines Grundes, und das gilt für beide Seiten. Das Bundesarbeitsgericht hat zum Thema Kündigung vor der Ausbildung klar entschieden: Diese kann zu den Bedingungen der Probezeit erfolgen. Wenn nämlich in der Probezeit unkompliziert gekündigt werden kann, muss das erst recht für die Zeit vor Ausbildungsbeginn gelten. Das bedeutet konkret: Es reicht, wenn der Azubi Ihnen einen Zweizeiler schickt, in dem steht, dass er den Ausbildungsvertrag kündigt.

 

Das sind Gründe für unternehmerisches Schweigen

Kann der Bewerber wirklich froh sein, den Ausbildungsplatz ergattert zu haben? Vor allem ältere Personal- und Ausbildungsverantwortliche machen häufig den Fehler, die Lage auf dem Bewerbermarkt zu unterschätzen, ebenso wie die Konkurrenz. Diese ist vielleicht jünger und noch nicht so bekannt, aber dafür aus Sicht von Bewerbern cooler, flexibler, lockerer und moderner. Gerade mit jungem Personal besetzte Start-ups bieten Rahmenbedingungen, die auf die heute jüngere Generation wirken wie ein Magnet.

Trotzdem ist es für manche Personalverantwortliche schwer zu glauben, dass das eigene Unternehmen, das seit 40 oder 50 Jahren ausbildet, heute in Sachen Ausbildung nur eine 1b-Lösung ist. Die Realität wird schlicht verzerrt betrachtet. Das führt dazu, dass nach der Vertragsunterzeichnung fahrlässigerweise auf Brückenkommunikation verzichtet wird.

Und es kommt ein weiterer Faktor hinzu: Der lateinische Satz „Pacta sunt servanda“ (Verträge sind einzuhalten) ist ziemlich aus der Mode gekommen. Man kann – so die Denkweise vieler junger Menschen – durchaus einen 2. Vertrag unterschreiben, der dem 1. widerspricht und diesen dafür kündigen. Und überhaupt: Wer sagt eigentlich, dass vertragskonformes Handeln immer mit Vorteilen behaftet ist? Vielleicht bringt ja gerade der Vertragsbruch einen Vorteil? Kurzum: Die heute junge Generation sieht die rechtliche Bindung durch Verträge lockerer. Und umgekehrt überschätzt so manche Personalabteilung die Bindungskraft eines Ausbildungsvertrags.

Das sind die Folgen des Schweigens

Diese Passivität hat natürlich Folgen. Je früher Sie (eigentlich vernünftigerweise) einen Ausbildungsvertrag mit dem Bewerber abschließen, desto länger ist der Zeitraum, der zu überbrücken ist. Und desto größer ist die Gefahr, dass Ihre Konkurrenz alternative Angebote macht, um den Bewerber zu überzeugen.

Je mehr Zeit vergangen ist, seitdem der Bewerber bei Ihnen vorstellig wurde, desto mehr verblassen auch seine Erinnerungen. Kommt es dann in einem anderen Ausbildungsunternehmen zu einem Vorstellungsgespräch, kann es schon mal passieren, dass der Bewerber das Gefühl bekommt, der neue Ausbildungsplatz habe für ihn mehr Vorteile.

Das bedeutet: Es ist unbedingt notwendig, dem erfolgreichen Bewerber die Vorteile seines künftigen Ausbildungsunternehmens immer wieder vorzuhalten und damit ins Gedächtnis zu rufen. So verblasst die positive Erinnerung nicht, und Sie können deutlich schwerer von einem Konkurrenzunternehmen ausgestochen werden.

So durchbrechen Sie Ihr Schweigen

Ihre Antwort auf die von vielen Unternehmen praktizierte Untätigkeit heißt Brückenkommunikation: Sie nehmen mit Ihren erfolgreichen Bewerbern immer wieder Kontakt auf. Beispielsweise indem Sie sich schriftlich oder telefonisch bei Ihrem künftigen Azubi melden.

Autor: Martin Glania

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