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Ausbildungsqualität
28.01.2020

Vergütung: So haben Sie die Probleme im Griff

Jungen Menschen ist es wieder wichtiger, genügend Geld zu verdienen. Obwohl Ausbildungsvergütung deutlich niedriger ist als „normales“ Gehalt, haben viele Azubis ihre Vergütung im Blick.

Diese Vergütung sollte Ihr Unternehmen auf jeden Fall zahlen

In den meisten Fällen zahlen Ausbildungsbetriebe die
Vergütung, die ihnen der Tarifvertrag vorschreibt. Tarifgebundene Unternehmen
können und dürfen hiervon nicht abweichen. Betriebe, die keinem Tarifvertrag
unterliegen, haben größere Freiheiten. Aber auch sie müssen mindestens 80 % der
üblichen Vergütung zahlen. Die übliche Vergütung orientiert sich beispielsweise
an der entsprechenden Tarifvergütung.

Wer weniger bezahlt, der zahlt keine angemessene Vergütung
mehr. Er verstößt damit gegen das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Vergütungen, die
unterhalb der oben skizzierten Grenzen liegen, sind nicht rechtens. Das gilt
auch für den Fall, dass der Azubi mit der niedrigen Vergütung einverstanden war
und dieses Einverständnis durch seine Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag
kundgetan hat.

Das schreibt Ihnen die neue Fassung des BBiG vor

Mit Inkrafttreten des neuen Berufsbildungsgesetzes wurde
eine Mindestausbildungsvergütung eingeführt. Diese gilt für Unternehmen, die
bislang weniger gezahlt haben. Eine Ausnahme ist nur dann möglich, wenn die
niedrigere Vergütung durch einen Tarifvertrag vereinbart worden ist. Die
Mindestausbildungsvergütung liegt pro Monat im 1. Ausbildungsjahr bei
Ausbildungsbeginn im Jahr 2020 bei 515 €, bei Beginn im Jahr 2021 bei 550 €, im
Jahr 2022 bei 585 € und im Jahr 2023 bei 620 €.

Die Vergütung für die Ausbildung ist jedes Jahr anzuheben

Sie als Ausbildungsbetrieb sind verpflichtet, die Azubivergütung mindestens einmal im Jahr anzuheben. Das geschieht normalerweise beim Übergang vom einen zum anderen Ausbildungsjahr, also meistens im August oder September. Auch hier geben Tarifverträge Orientierung.

Wer nur die Mindestvergütung für Azubis zahlt, der muss
seine Vergütung laut BBiG so steigern, dass sie

  • im 2. Jahr 18 %,
  • im 3. Jahr 35 % und
  • im 4. Jahr 40 % über der Vergütung des 1.
    Ausbildungsjahres liegt.

Mit dem regelmäßigen Anstieg der Ausbildungsvergütung trägt der Gesetzgeber zweierlei Aspekten Rechnung: 1.  Die Ansprüche und Lebenshaltungskosten steigen, was höhere Einnahmen von Auszubildenden nötig macht. 2.  Die Produktivität der Auszubildenden steigt ebenfalls, was eine Erhöhung der Gegenleistung rechtfertigt.

Das sollten Ihre Azubis wissen

In Sachen Vergütung ist Transparenz das wichtigste Gebot.
Der Azubi sollte wissen, warum er einen bestimmten Betrag brutto und warum er
einen bestimmten Betrag netto erhält. Schließlich kann es vorkommen, dass sich
die Vergütungen von Auszubildenden innerhalb einer Berufsschulklasse deutlich
unterscheiden. Ursache hierfür kann sein, dass der eine oder andere
Ausbildungsbetrieb freiwillig mehr bezahlt. Eine weitere Ursache kann jedoch
darin bestehen, dass die Auszubildenden im selben Beruf, aber in
unterschiedlichen Branchen tätig sind. Damit unterliegen sie unterschiedlichen
Tarifverträgen, und die Vergütung kann sich – teils erheblich – unterscheiden.
Das sollte der Azubi wissen, damit er

  • im Falle einer niedrigen Vergütung den Grund dafür kennt und
    sich nicht benachteiligt fühlt,
  • im Falle einer höheren
    Vergütung zu schätzen
    weiß, dass ihm seine Branche tariflich gute
    Rahmenbedingungen bietet.

Die Praxis zeigt, dass viele Auszubildende den Grund für
ihre Abzüge, über die sie zum Beginn der Ausbildung teils überrascht sind,
nicht erklären können. Warum differieren Brutto- und Nettovergütung um
mindestens 20 %?

Tipp: Gehen Sie mit Ihrem Auszubildenden zu Beginn der Ausbildung oder immer dann, wenn sich etwas ändert, die Vergütungsabrechnung durch. Er soll erfahren, warum das System der Sozialversicherungen existiert und wie ihn das absichert. Erklären Sie hierbei auch die Hintergründe der Besteuerung und machen Sie dem Azubi klar, dass sich sein Steueranteil im Laufe seines Berufslebens deutlich erhöhen wird.

Grundsätzlich gilt: Je mehr der Auszubildende über seine
Vergütung weiß, desto eher wird er Verständnis für deren Höhe und für diverse
Abzüge aufbringen. Vor allem sollte er verstehen, dass Sie ihm eine angemessene
Vergütung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes zahlen. Mit dieser Erkenntnis
vermeiden Sie Streitigkeiten rund um das Thema Bezahlung.

Ein Beitrag von Martin Glania.

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