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Ausbildungsqualität
18.05.2019

Unangenehme Typen: Mit nervenden Azubis umgehen

Nicht jeder Auszubildende ist eine Bereicherung. Es gibt auch nervende oder sogar gefährliche junge Menschen. Darauf müssen Sie sich einstellen und – je nach Typ – entsprechend reagieren.

Den einen oder anderen der folgenden Charaktere haben Sie bestimmt schon unter Ihren Auszubildenden gehabt:

Besonders extrovertiert: der laute Azubi

Da wäre zum Beispiel der extrovertierte, aufgedrehte, scheinbar immer gut gelaunte Azubi, der die meisten Kollegen aber eher nervt. Er erzählt gern Geschichten, die er teils aus dem Privatleben und teils aus dem Ausbildungsgeschehen ableitet. Normalerweise ist ein solches Verhalten eher ein Zeichen von Schwäche als von Stärke. Das offensichtliche Selbstvertrauen ist meistens nur gespielt. Das Hauptproblem ist jedoch, dass so ein Auszubildender die Kollegen nervt und damit sich selbst und seinem Ansehen schadet.

So handeln Sie richtig

Machen Sie einem solchen Auszubildenden klar, dass es im Ausbildungsunternehmen nicht nur auf gute Kommunikation, sondern auch auf Konzentration und Ruhe ankommt. Das muss der Azubi noch lernen, und das sollten Sie ihm auch sagen.

In der Kommunikation mit Kollegen, bei der er Ihrer Ansicht nach zu viel von sich gibt, gibt es ebenfalls Verbesserungsbedarf. Möglicherweise ist Ihnen aufgefallen, dass er Kollegen ins Wort fällt? Dies ist ein guter Ansatzpunkt, um ihn daran zu erinnern, dass das „Ausredenlassen“ ein wichtiger Faktor im Umgang der Kollegen untereinander ist. Das wird er auf jeden Fall verstehen.

Besonders unzufrieden: der ewige Nörgler

Außerdem taucht von Zeit zu Zeit in Ausbildungsbetrieben der ewige Nörgler auf. Er ist nie zufrieden, und meistens sieht man ihm das auch an. Bei ihm besteht die Gefahr, dass er Kollegen mit seiner Haltung, die sich oft gegen die Ausbildung und den Ausbildungsbetrieb oder die Berufsschule richtet, ansteckt.

So handeln Sie richtig

Der Umgang mit dem ewigen Nörgler ist gar nicht so einfach. Er erfordert von Ihnen einen langen Atem. Wer unter den anderen Auszubildenden eine Stimmung nach dem Motto „Wir Azubis können doch sowieso nichts ändern“ oder dem Klassiker „Die da oben wissen doch gar nicht, was hier passiert“ verbreitet, der stellt ein Problem dar.

Notieren Sie sich vorab über einen längeren Zeitraum seine Bemerkungen und konfrontieren Sie ihn damit in einem Gespräch. Fragen Sie ihn, was genau er damit meint. Er wird sich dabei ertappen, nicht alles erklären zu können. Bitten Sie ihn auf der Basis der eigenen Erkenntnis, seine Worte in Zukunft besser abzuwägen. Und machen Sie ein Angebot: Wenn er sich unsicher ist, sind Sie gern bereit, ihm Dinge zu erläutern, bevor er wieder etwas Falsches verbreitet.

Besonders explosiv: der unberechenbare Azubi

Richtig gefährlich kann es mit dem unberechenbaren Azubi werden. Er hat schon des Öfteren explosiv reagiert, möglicherweise herumgeschrien und gegebenenfalls sogar Angst und Schrecken verbreitet. Das geht so natürlich nicht.

So handeln Sie richtig

Dieser Azubi hat ein Problem mit seinen Nerven und seiner Selbstbeherrschung. Er muss lernen, mit Stresssituationen umzugehen. Dafür gibt es Anti-Stress-Trainings, die Sie ihm empfehlen oder auch im Kreise Ihrer Azubis durchführen lassen.

Gleichwohl gilt: Wenn er mit seinen Ausbrüchen jemanden beleidigt, bedroht, verängstigt oder sogar angegriffen haben sollte, muss er unbedingt bestraft werden. Ist ein Abmahnungsgrund gegeben, dann sollten Sie auch eine Abmahnung aussprechen.

Besonders ungepflegt: der unangenehm Riechende

Eine Herausforderung der besonderen Art wartet auf Sie bei einem sehr ungepflegten Auszubildenden, dem man seine körperliche Nachlässigkeit ansieht, die man möglicherweise sogar riecht. Ein solcher Azubi wird zwangsläufig zum Außenseiter. Kollegen möchten nichts mit ihm zu tun haben, möchten aber auch nicht darüber sprechen. Damit befindet sich der Azubi in einem Teufelskreis.

So handeln Sie richtig 

Sie sind derjenige, der diesen Teufelskreis durchbrechen kann. Den Azubi auf sein Erscheinungsbild aufmerksam zu machen – gerade auch dann, wenn er mit Kunden umgeht –, ist der angenehmere und leichtere Part. Ihm zu sagen, dass er unangenehm riecht, fällt sehr schwer.

Flechten Sie das in ein Gespräch ein, in dem Sie ihn eigentlich loben. Bringen Sie innerhalb des Gesprächs eher beiläufig Ihr Thema an nach dem Motto „Und noch etwas, was ich Ihnen sagen wollte – hoffentlich ohne Ihnen zu nahe zu treten“. Ihren konkreten und vorsichtigen Hinweis („Mir ist aufgefallen …“) untermauern Sie am besten an einem (fiktiven) Fall, der sich (angeblich) mal bei Ihnen ereignet hat: „Bei dem Kollegen hat Folgendes geholfen: … (zum Beispiel jeden Tag ein neues Shirt, morgens statt abends duschen, folgendes Deo …).“

Danach gehen Sie wieder zu Ausbildungsthemen über. In den meisten Fällen wird der Azubi es dabei belassen und keine Fragen stellen. Oftmals gelingt es durch einen solchen Einwurf, die Körperpflege-Gewohnheiten zu beeinflussen.

Autor: Martin Glania

 

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