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Ausbildungsqualität
23.04.2019

Überzeugende Schulungsbeispiele für Azubis

Jugendliche und junge Erwachsene haben relativ häufig ein noch nicht so gefestigtes Verantwortungsbewusstsein und Sicherheitsbedürfnis. Sie neigen dazu, Risiken leichtfertig und trotz Kenntnis möglicher Gefahren einzugehen. Der Spruch „No Risk, no Fun“ hat unter vielen jungen Leuten nach wie vor Gültigkeit. Dennoch haben auch Jugendliche in bestimmten Situationen und Zusammenhängen ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Sicherheit. Dies können Sie aufgreifen und anhand der folgenden konkreten Beispiele den Gedanken entwickeln, dass wir Sicherheit in vielerlei Situationen quasi als eine Art selbstverständliches Grundrecht voraussetzen. Solche Situationen/Zusammenhänge können z. B. sein:

Funsportarten

Egal, ob Bungee Jumping, Fallschirmspringen oder Paragliding: Wer sich darauf einlässt, erwartet einen besonderen Kick – frei nach dem Motto „No Risk, no Fun“. Doch niemand wünscht sich, dass das Risiko nicht mehr beherrschbar ist, z. B. durch ein gealtertes Gummiband, einen falsch zusammengelegten Fallschirm oder starken böigen Wind. Im Gegenteil: „Fun“ ist erst möglich, weil alle Risiken unter Kontrolle und damit absehbar bleiben.

Jugendgruppen/Gangs

Gerade Jugendliche wissen instinktiv, dass man in einer Gemeinschaft stärker ist. Viele schließen sich daher zu bandenartigen Freundeskreisen, sogar Gangs, zusammen. Die Neigung, ohne Not und entsprechende Rückendeckung solch eine Bande herauszufordern, ist gering. Hier geht jedem Einzelnen seine persönliche Sicherheit in der Regel vor.

Auto-Technik

ABS, ESP, Airbags sind längst Standardausrüstung bei Neuwagen. Dazu kommen Abstands- und Auffahr-Assistenten oder Einparkhilfen. Solche Sicherheits-Features erwarten wir ganz selbstverständlich. Ohne sie wäre ein Neuwagen hierzulande unverkäuflich. Und beim Gebrauchtwagenkauf gilt: Das Vorhandensein oder Fehlen dieser Features beeinflusst den Wert des Fahrzeugs ganz erheblich. Das wissen auch junge Käufer.

Luft- und Schifffahrt

Im Flugverkehr gelten besonders hohe Sicherheitsstandards und als Passagiere pochen wir alle darauf, dass diese auch eingehalten werden. Niemand würde wohl in ein Flugzeug steigen, an dessen Triebwerken Öl austritt oder dessen Pilot betrunken ist. Und auch im Schiffsverkehr auf hoher See würde es niemand akzeptieren, wenn der Platz auf den Rettungsbooten nicht für alle Passagiere reichen würde, wie es bei der Titanic der Fall war.

Mein Tipp: Machen Sie bei einer Schulung eine Umfrage, in welchen Situationen außerhalb des Arbeitsplatzes den Azubis Sicherheit besonders wichtig ist. Jeder nennt reihum ein Beispiel. Dadurch wird allen bewusst, dass wir Sicherheit in vielerlei Lebenssituationen erwarten.

 

Es gibt aber auch Beispiele aus dem betrieblichen Umfeld, bei denen schnell klar wird, wie wichtig das Einhalten der Vorschriften ist. Elektrounfälle, unsachgemäßer Umgang mit Gefahrstoffen und die Nutzung von Leitern und anderen Aufstiegshilfen sind oft verkannte Sicherheitsrisiken, die zu schweren, auch tödlichen Arbeitsunfällen führen können.

Elektroarbeiten: Sicherung raus!

Schnell mal eben die Beleuchtung oder ein elektrisches Gerät reparieren? Wer leichtsinnig ist, könnte auf die Idee kommen, dass es ausreicht, nur den (Licht-)Schalter auszuschalten – dann ist der Stromkreislauf ja unterbrochen. Doch was passiert, wenn jemand unerwartet den Raum betritt, sich über die Dunkelheit wundert, den Schalter betätigt und die Person, die mit der Reparatur der Beleuchtung beschäftigt ist, gerade die blanken Drähte in der Hand hält? Aus gutem Grund gilt daher für alle Elektroarbeiten:

  • Sicherung herausnehmen,
  • gegen Wiedereinschalten sichern,
  • Gerät/Leitungen auf Spannungsfreiheit prüfen,
  • erden und kurzschließen und
  • benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.

Keine Gefahrstoffe in Getränkeflaschen

Gefahrstoffe dürfen immer nur in den dafür vorgesehenen Behältern aufbewahrt werden. Wer z. B. Reinigungs- oder Lösungsmittel, Säuren, Laugen etc. in Getränkeflaschen abfüllt, gefährdet sich und andere. Denn wie schnell kann es passieren, dass Flaschen verwechselt werden oder jemand – auch unerlaubt – bedient und versucht, seinen Durst zu löschen?

Warnhütchen vor Leiter

Ein Sturz von einer Leiter kann erhebliche Folgen haben. Schon aus geringer Höhe sind die Folgen oft dramatisch, von Verstauchungen über Knochenbrüche bis hin zu lebensbedrohlichen Hirnblutungen.

Daher gilt: Wer eine Leiter betritt, hat großes Interesse daran, dass sie nicht kippt, und sollte daher von sich aus auf einen sicheren Stand achten. In Bereichen, wo Fußgänger, Passanten oder gar Flurförderfahrzeuge unterwegs sind, ist jedoch immer auch mit der Unachtsamkeit der anderen zu rechnen. Daher ist die Leiter mit Warnhütchen (Pylonen) zusätzlich zu sichern.

Autor: Günter Stein

 

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