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Motivation
31.01.2019

Über- und Unterforderung in der Ausbildung: Erfolgreich gegensteuern

Manche Auszubildenden brauchen länger, um bestimmte Ausbildungsinhalte zu verinnerlichen, manche sind viel schneller als Ihre Azubi-Kollegen. Der Gesetzgeber sieht für solche Fälle eine Verlängerung oder Verkürzung der Ausbildungszeit vor. Beide Optionen sind an bestimmte Vorgaben geknüpft. Prüfen Sie, ob Ihr Azubi bzw. Sie diese Vorgaben erfüllen und wie Sie eine Ausbildungskrise, die durch Über- oder Unterforderung entsteht, verhindern können.

Geregelt ist die Verlängerung der Ausbildung in § 8 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Dort steht sinngemäß:

Die Ausbildungszeit kann in Ausnahmefällen auf Antrag des Auszubildenden verlängert werden, wenn nur dadurch das Ausbildungsziel erreicht werden kann.

Beispiel: Ein Auszubildender befindet sich ganz offensichtlich in einer Krise. Seine Leistungen deuten darauf hin, dass er das Ausbildungsziel nicht in der vereinbarten Zeit erreichen kann. Er wird bei der Abschlussprüfung wohl scheitern, obwohl er grundsätzlich über ausreichend Potenzial verfügt. Um einer tiefer gehenden Krise zu entgehen, kann er sich an seine Kammer, bei der sein Berufsausbildungsverhältnis registriert ist, wenden und einen Antrag auf Verlängerung seiner Ausbildung stellen.

 

Druck herausnehmen, Abschlussprüfung verschieben

Wenn ein Azubi, der Probleme hat, dem Ausbildungstempo zu folgen, ein halbes Jahr mehr Zeit bekommt, um sich bestimmte Inhalte zu erarbeiten, kann das eine Ausbildungskrise verhindern. Ziehen Sie also bei erheblichen Problemen in Erwägung, die Ausbildung um ein halbes Jahr zu verlängern. Bedenken Sie aber: Der Azubi muss nicht nur einverstanden sein. Er stellt den Antrag auch selbst.

Ausbildungsbetrieb wird gehört

Ihre Rolle als Ausbildungsbetrieb ist ebenfalls im BBiG geregelt. Dort steht ebenfalls in § 8 Abs. 2, dass Ausbildungsbetriebe angehört werden, bevor die Kammer über den Verlängerungsantrag entscheidet. Damit stellt sich die Frage, wie Sie auf eine Rückfrage der Kammer reagieren. Wenn Sie mit dem Auszubildenden übereinstimmen, dass eine Verlängerung der Ausbildung für das Erreichen des Ausbildungsziels sinnvoll ist, dann begrüßen Sie gegenüber der Kammer natürlich die Verlängerung.

Beachten Sie: Formulieren Sie das aber sehr konkret und mit Nachdruck, damit das Leistungsvermögen des Auszubildenden richtig dargestellt wird. Es reicht nämlich nicht aus, lediglich eine bloße Befürchtung zu formulieren, dass die Prüfung eventuell nicht bestanden werden könnte.

Autor: Martin Glania

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