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Recruiting
15.01.2019

10 Tipps für eine zeitgemäße Ausbildung

Um den Fachkräftebedarf von morgen zu decken, muss heute modern und auf qualitativ hohem Niveau ausgebildet werden. Ansonsten ist der Fachkräftemangel vorprogrammiert. Aber welche Maßnahmen helfen, um zunächst die Bewerber und anschließend die Azubis von ihrem Ausbildungsbetrieb und späteren Arbeitgeber zu überzeugen?

Die folgenden 10 Tipps geben Ihnen Orientierung, um im Jahr 2019 modern und zeitgemäß auszubilden:

Tipp 1: Überprüfen Sie „Ihre“ Ausbildungsberufe

In welchen Berufen bilden Sie aus? Sind es seit Jahren oder gar Jahrzehnten dieselben? Wann wurden diese Ausbildungsberufe zum letzten Mal neu geordnet? Oder anders gefragt: Wie modern sind die Inhalte Ihrer Ausbildung?

Stichwort: Neuordnung von Ausbildungsberufen

Ausbildungsberufe werden von Zeit zu Zeit auf den neuesten Stand gebracht. Dieses Verfahren dauert zwar jeweils einige Jahre. Ist es aber erst einmal vollendet, dann stellt sich der jeweilige Ausbildungsberuf deutlich moderner dar als mit alter Ausbildungsordnung. Das gilt vor allem in technikorientierten Berufen.

Beispielsweise wurden die 4 IT-Berufe, die 1997 geschaffen wurden, aktuell neu geordnet. Der IT-Systemkaufmann, der Informatikkaufmann, der Fachinformatiker und der IT-Systemelektroniker haben in diesem Jahr zum Teil neue Inhalte erhalten. Die endgültige Neuordnung wird im Jahr 2020 abgeschlossen sein. Spätestens dann sollte auch Ihr Unternehmen die Ausbildung in diesen Berufen angepasst haben, um mit aktuellen Inhalten und auf der Basis einer modernen Ausbildungsordnung ausbilden zu können. Prüfen Sie, inwieweit einer dieser Berufe relevant für Sie ist.

Neu geordnet wurden in diesem Jahr auch die verschiedenen Ausrichtungen des Elektronikers, verschiedene Mechaniker-Berufe sowie der Mechatroniker. Bei der Ausbildung in diesen Berufen sind eine moderne Ausbildungsordnung und eine zeitgemäße Prüfungsordnung daher gesichert.

Mein Tipp: Im „Berufenet“ der Bundesagentur für Arbeit können Sie unter dem Link „Neuordnungen Berufe“ nachschauen, wann Ihre Ausbildungsberufe zuletzt neu geordnet wurden.

Tipp 2: Achten Sie darauf, dass Ihre Ausbilder „digital“ sind

Moderne Inhalte sind das eine, sie garantieren allerdings noch keine moderne Ausbildung. Von ebenso großer Wichtigkeit ist die Qualifikation Ihrer Ausbilder: Können Kollegen und Ausbilder mit dem Begriff Digitalisierung nichts anfangen und schon gar nicht auf diesem Gebiet Ausbildungsinhalte vermitteln, dann sind sie – auch wenn es hart klingt – fehl am Platz.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie Ihr Ausbildungspersonal austauschen müssen. Angesagt ist vielmehr eine angemessene Fortbildung der Personen, die Ihren Auszubildenden entsprechende Inhalte vermitteln sollen. Das hat gleich einen doppelt positiven Effekt:

  1. Die vermittelten Inhalte kommen der Modernität der Ausbildungsprozesse zugute und werden so an die nächste Generation weitergegeben.
  2. Der Ausbilder kann die durch Fortbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten auch in seinem Arbeitsalltag außerhalb der Ausbildung verwenden und einsetzen. Seine Beteiligung an der Wertschöpfung Ihres Unternehmens wird damit aufgewertet.

Sorgen Sie für Nachwuchs beim Ausbildungspersonal

Gleichwohl macht es Sinn, das Ausbildungspersonal zu verjüngen. Gerade wenn ältere Mitarbeiter, die eine Ausbildungsberechtigung hatten, das Unternehmen verlassen, gilt es, diese Lücke zu schließen. Wenn Sie junge Menschen einstellen, motivieren Sie diese – gegebenenfalls gleich im Vorstellungsgespräch –, sich zum Ausbilder weiterbilden zu lassen. Das hat später den Vorteil, dass Ihre Auszubildenden und Ihre jungen Ausbilder fast einer Generation angehören, eine gemeinsame Sprache sprechen und gemeinsam in der digitalen Welt aufgewachsen sind. Übrigens: Auch Ihren aktuellen Azubis könnten Sie in Aussicht stellen, nach der Ausbildung selbst Ausbilder zu werden. Schließlich wissen sie ganz genau, worauf es dabei ankommt.

Tipp 3: Richten Sie die Arbeitsplätze für Azubis zeitgemäß und liebevoll ein

Auszubildende sind keine Vorgesetzten, die einen außergewöhnlich gut ausgestatteten Arbeitsplatz brauchen. Sie sind aber trotzdem vollwertige Mitarbeiter des Unternehmens. Wenn sie das Gefühl bekommen, dass ausrangierte Technik auf ihrem Schreibtisch steht, bekommen sie natürlich nicht den Eindruck einer modernen Ausbildung. Dazu kommt, dass Auszubildenden, die so etwas vorfinden, ganz offensichtlich viel zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. Das sollte in Zeiten des Bewerbermangels unbedingt vermieden werden.

Die Folge: Es entsteht keine Bindung, und die Wahrscheinlichkeit eines Ausbildungsabbruchs oder eines Abgangs nach der Ausbildung erhöht sich gewaltig.

Wenn Sie die Arbeitsplätze Ihrer Auszubildenden einrichten, dann achten Sie daher auf 2 Dinge:

  1. Die technische Ausstattung, die Sie anbieten, ist der Ausbildung angemessen.
  2. Darüber hinaus kommt es darauf an, den Arbeitsplatz individuell und liebevoll zu gestalten. Gerade, wenn ein Azubi am ersten Tag in einem neuen Umfeld arbeitet, sollte er einen Arbeitsplatz vorfinden, der gut beleuchtet ist, der negative Einflussfaktoren durch extreme Temperatur, Lärm und Geruch minimiert und der angemessen ausgestattet ist.

Tipp 4: Setzen Sie schon jetzt auf Weiterbildung

Es gibt immer wieder Auszubildende, die mit den Inhalten der Ausbildung unterfordert sind. Gerade in der heutigen Zeit, in der Azubis häufig 12 oder 13 Jahre Schule hinter sich haben und einen höheren Schulabschluss nachweisen können, kann schnell eine Unterforderung eintreten.

In diesen Fällen bieten Sie etwas mehr an als die Ausbildungsordnung verlangt: In welchem Bereich möchte der Azubi später tätig werden? Können Sie seine Wünsche fördern? Ist es angemessen, ihn auf diesem Gebiet weiterzubilden? Möglich ist eine solche Weiterbildung im Rahmen einer Ausbildung allemal – sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn beide Seiten die Weiterbildung befürworten. Bilden Sie Ihre Auszubildenden also möglichst früh weiter.

Tipp 5: Sorgen Sie für einen Blick über den Tellerrand

Auch mittlere und große Ausbildungsunternehmen können niemals alle Facetten eines Berufsfeldes abdecken. Nahezu jeder Auszubildende macht in der Berufsschule die Erfahrung, dass es bei anderen Azubis im selben Berufsfeld völlig andere Herangehensweisen an bestimmte Themen gibt. Damit wird jedem Auszubildenden klar, dass die Qualifikation, die er erhält, bei aller Qualität auch begrenzt ist.

Daher sollten Sie Ihren Azubis immer mal wieder den Blick über den Tellerrand Ihres Ausbildungsunternehmens ermöglichen. Beispielsweise könnte im Rahmen eines Azubi-Ausflugs eine Betriebsbesichtigung in einem Unternehmen derselben (oder auch bewusst einer anderen) Branche durchgeführt werden. Oder Sie vereinbaren mit einem Partnerunternehmen einen mehrwöchigen Azubi-Austausch. Auch das ist möglich, sorgt für Abwechslung und vor allem für neue Erkenntnisse.

Tipp 6: Setzen Sie auf Verantwortung und Selbstständigkeit

Kaum ein Arbeitsplatz, den eine qualifizierte Kraft ausfüllt, kann auf selbstständiges Arbeiten verzichten. Monotone und einfache Tätigkeiten, bei denen solche Faktoren keine Rolle spielen, gibt es immer weniger.

Ist die Ausbildung beendet, muss also jeder ehemalige Azubi mit dem Verantwortungsgefühl ausgestattet sein, das er braucht, um Entscheidungen zu treffen. Selbstständiges und verantwortliches Handeln muss daher bereits innerhalb der Ausbildung geschult, getestet und verbessert werden. Initiieren Sie hierzu kleinere Projekte, die die Azubis selbst durchführen und leiten dürfen. Wenn jeder Auszubildende, beispielsweise bei einem Sozialprojekt in einem Kindergarten, eine eigene Aufgabe verantwortet, treten Schwächen und Stärken schnell hervor.

Tipp 7: Fordern und fördern Sie

Auszubildende stellen zu Recht den Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Das ist für anspruchsvolle Ausbildungsunternehmen eine Selbstverständlichkeit, die sich schon aus der derzeitigen Struktur des Ausbildungsmarktes ergibt.

Wenn Sie Ihre Azubis überdurchschnittlich stark fördern, sie unterstützen, bestens ausstatten und ihnen eine Perspektive bieten, können Sie auch eine Gegenleistung verlangen. Zum Fördern gehört nämlich auch das Fordern. Fordern Sie also das ein, was Sie sich von Ihren Auszubildenden wünschen: pünktliches Erscheinen, angemessener Umgang mit Kunden, Diskretion, kollegiales Verhalten und all das, was Sie in Ihrem Ausbildungsunternehmen für besonders wichtig halten.

Tipp 8: Achten Sie auf Durchlässigkeit und Chancengleichheit

Manch ein Azubi hat vor der Ausbildung genau abgewogen, ob er nicht doch besser studieren sollte. Er wird seine Gründe gehabt haben, eine Ausbildung zu machen – und zwar bei Ihnen. Jetzt hat er möglicherweise das Gefühl, dass er gern eine Führungsposition erreichen möchte, und auch Sie trauen ihm das zu.

Aus diesem Grund ist es wichtig, zwischen Ausbildungs- und Hochschulabsolventen bis zu einem gewissen Grad Durchlässigkeit bei den Karrierewegen zu gewährleisten. Geben Sie so auch leistungsstarken Auszubildenden die Möglichkeit, sich auf Positionen zu bewerben, die für Hochschulabsolventen und ehemals dual Studierende vorgesehen waren. Eine solche Durchlässigkeit der Karrierewege ist ein wichtiger Baustein für die Entscheidung von jungen Menschen, sich auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben.

Tipp 9: Fördern Sie die Mobilität Ihrer Azubis

Manche Auszubildende nehmen viel auf sich, um ihre Ausbildung zu beginnen und durchzuhalten. Manch einer zieht wegen eines Ausbildungsplatzes um, manch einer nimmt täglich eine Anfahrt von 50 km und mehr auf sich. Zeigen Sie als Ausbildungsbetrieb Ihren Respekt: Unterstützen Sie solche Azubis mit Zuschüssen für einen Umzug oder für eine Netzkarte des regionalen Verkehrsverbundes.

Tipp 10: Sorgen Sie für eine ausgewogene Work-Life-Balance

Und denken Sie auch daran: Junge Menschen wollen nicht nur arbeiten, sie wollen auch Freizeit. Es ist daher außerordentlich wichtig, dass ein Auszubildender im Rahmen der Möglichkeiten, die ihm die Ausbildung bietet, seine Arbeitszeit flexibel gestalten kann. Das gilt insbesondere für Urlaubswünsche, die Sie, wenn nicht gerade ein Berufsschultag betroffen ist oder andere wichtige Gründe dagegensprechen, genehmigen sollten. Wer die Freizeit seiner derzeitigen Azubis verhindert, der verhindert so manche künftige Bewerbung.

Autor: Martin Glania

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