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Recruiting
16.10.2018

Wann ist eine Stellenanzeige diskriminierend?

Wenn Sie einen Ausbildungsplatz ausschreiben, müssen Sie genau auf die Formulierung achten. Sie dürfen niemanden beispielsweise wegen des Geschlechts, des Alters oder der Religion benachteiligen. So steht es im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Der Fall: Aufgrund einer ungünstig formulierten Stellenausschreibung hatte ein Autohaus eine gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Bewerber. Der Arbeitgeber überschrieb eine Stellenanzeige mit dem Satz „Frauen an die Macht!“. Daraufhin fühlte sich ein männlicher Bewerber benachteiligt und machte eine Entschädigung geltend. Das Autohaus rechtfertigte die Formulierung damit, dass es eine weibliche Verkäuferin suche, weil es im Autohaus bislang keine gäbe, vor allem die weiblichen Kunden aber ausdrücklich nach einer Verkäuferin fragten.

So entschied das Arbeitsgericht

Das Arbeitsgericht Köln wies die Klage des Bewerbers auf Entschädigung ab. Die Stellenanzeige bemängelte es dennoch. Diese richte sich ausschließlich an Bewerberinnen und enthalte damit einen Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot. Trotzdem wurde die Formulierung im speziellen Fall ausnahmsweise für rechtens erachtet. Schließlich wolle der Arbeitgeber seinen Kunden sowohl männliche als auch weibliche Verkaufsberater zur Verfügung stellen (9 Ca 4843/15 vom 10.2.2016).

Fazit: Eine unterschiedliche Behandlung von Bewerbern ist also möglich. Hierfür muss es allerdings einen sachlichen Grund geben. Dieser liegt nach Ansicht des Gerichts vor, wenn Kunden ausdrücklich mit einer Person eines bestimmten Geschlechts zu tun haben wollen, diese Person im Unternehmen bislang aber nicht existiert.

Das lernen Sie aus dem Gerichtsurteil

Ein solcher Ausnahmegrund ist theoretisch auch in Ausbildungsverhältnissen denkbar, aber eher unwahrscheinlich. Schließlich spielen Kundenwünsche bezüglich des Personals in der Ausbildung kaum eine Rolle. Diesbezügliche Wünsche der Belegschaft, die oft tatsächlich vorliegen, können hingegen nicht als sachlicher Grund gewertet werden.

Das folgern Sie daraus: Lassen Sie Ihre Wünsche nach männlichen oder weiblichen Auszubildenden bei der Ausschreibung Ihrer Ausbildungsplätze außen vor. Formulieren Sie stets neutral und entscheiden Sie im Auswahlverfahren nach objektiven Kriterien, die Sie zuvor festgelegt haben. So können Sie erfolgreiche Schadenersatzklagen von abgelehnten Bewerbern verhindern.

Autor: Martin Glania

 

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