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Motivation
08.01.2019

3 kleine Tricks: So wird die Ausbildung bei Ihnen zum Traumberuf

Ob Schauspieler, Astronaut oder Fußballprofi. Was als Traumberuf empfunden wird, ist so unterschiedlich wie unsere Azubis selbst. Doch machen wir uns nichts vor: Nicht immer empfindet Ihr Azubi seine Ausbildungsstelle wirklich als Startpunkt zu seiner Wunschkarriere, sondern eher als notwendige Zwischenstation – oder kleineres Übel. Doch mit ein paar kleinen Tipps und Kniffen heben Sie den Ausbildungsplatz auf der Rangliste Ihrer Azubis weit nach oben – und geben der Motivation frischen Schub.

Ob es das nicht zu finanzierende Studium ist, das eher durchschnittliche Schulabschlusszeugnis oder der Mangel an konkreten Ausbildungsplätzen: Viele junge Menschen starten ihre Ausbildung motiviert und voller Vorfreude, tragen jedoch bereits die erste Enttäuschung des Berufslebens mit sich – nämlich die, nicht ihre allererste Wahl verwirklicht zu haben. Neben der Wahl des zu erlernenden Berufs kann das auch die Wahl des Ausbildungsbetriebs sein. SAP und Porsche sind bei vielen jungen Leuten immer noch deutlich beliebtere Ausbildungsbetriebe als die ortsansässige Kfz-Werkstatt.

Was hinter jedem vermeintlichen Traumberuf steckt

Das allein ist aber nicht weiter schlimm. Im Gegenteil: Es gehört zum ganz normalen Entwicklungsprozess Ihres jungen Schützlings, Kompromisslösungen zu akzeptieren. Ihre Aufgabe als Fachausbilder ist es dabei, dafür zu sorgen, dass sich dieser kleine Stachel im Laufe der Ausbildungszeit nicht zu einem ernsthaften Problem auswächst und über eine andauernde Desillusionierung sogar zum Ausbildungsabbruch führen kann. Vermeintliche Traumberufe unterscheiden sich von den klassischen Berufen durch ganz konkrete Merkmale. Schaffen Sie es, dass die Ausbildung bei Ihnen – in den Augen Ihrer Azubis – näher an die vermeintlichen Vorteile der Traumberufe heranrückt, verbessert das die Motivation, das Engagement und auch die Kontinuität ihrer Leistungen.

1. Traumberufe zeichnen sich durch ein überdurchschnittliches Prestige und Ansehen aus

Den Wunsch, allein durch die Nennung des Ausbildungsberufs oder das ausbildenden Unternehmen Eindruck zu machen, haben nicht nur Azubis. Dieser Wunsch zieht sich durch alle Altersklassen, Einkommensschichten und Hierarchieebenen. Auf den ersten Blick erscheint es schwierig, das Image eines Ausbildungsberufs oder die Wertschätzung, die Ihrem Azubi außerhalb des Betriebs für seine Wahl entgegengebracht wird, zu ändern. Doch da können Sie einen kleinen Trick anwenden.

Als Ausbilder vermitteln Sie dem Azubi ja neben dem Fachwissen auch alles andere, was er über den Beruf weiß. Dazu gehört auch die Begeisterung für den Beruf und für Ihren Betrieb. Was hat Ihr Betrieb, was andere Betriebe nicht haben? Was ist das Alleinstellungsmerkmal Ihres Unternehmens? Ein besonders innovativer und umweltverträglicher Baustoff? Eine Produktionsanlage, die es in Deutschland kein 2. Mal gibt? Engagiert sich Ihr Unternehmen überbetrieblich, z. B. in sozialen Projekten?

Worauf sich der Stolz des Auszubildenden stützt, ist dabei nahezu irrelevant. Wichtig ist, dass er diese besonderen Merkmale automatisch mit seinem Ausbildungsbetrieb verknüpft – und nicht erst darüber nachdenken muss, was an dieser Firma, in der er die nächsten Jahre während seiner Ausbildung und vielleicht sogar noch darüber hinaus verbringt, so besonders ist.

Bringen Sie deshalb genau diese besonderen Merkmale im Rahmen Ihrer Ausbildung regelmäßig zur Sprache – bis Ihre Azubis sie verinnerlicht haben. Hier verschenken viele Betriebe wertvolles Potenzial, weil sie ihre Alleinstellungsmerkmale nicht vehement genug gegenüber ihren Nachwuchskräften kommunizieren.

Mein Tipp: Unter Kollegen werden schon mal Scherze über die eigene Stellung im Betrieb, das Ansehen des Betriebs am Markt oder auch die Relevanz des Aufgabenbereichs gemacht. Vorsicht: Azubi hört mit! Und bei ihm kommen vermeintlich lustige Bemerkungen anders an als bei Ihren Kollegen. Verzichten Sie darauf!

2. In Traumberufen machen Azubis das, was sie zu tun lieben – und nicht lediglich das, was man ihnen aufträgt

Natürlich muss der Azubi das machen, was Sie ihm als Fachausbilder sagen. Die Kunst ist, ihm Arbeitsaufträge positiv zu verkaufen. Dahinter steckt der bekannte und nicht nur bei Azubis funktionierende Wirkmechanismus: Nur wenn wir die Frage des Warum klar beantworten können, erledigen wir Aufgaben motiviert und fokussiert. Und die beste Antwort auf das Warum ist immer noch, dass wir genau diese Aufgabe jetzt erledigen möchten! Geben Sie deshalb Ihrem Azubi bei jeder gestellten Aufgabe das Gefühl, dass

  • er das Wie der Aufgabenerfüllung zum Teil selbst bestimmt,
  • die Aufgabenerfüllung einen wichtigen Teil zum Betriebserfolg beiträgt – und
  • er sich die Antwort auf offene Fragen selbst erarbeitet hat.
Mein Tipp: Ein Kniff, der auch im Zusammenspiel mit Kollegen immer gut funktioniert: Sie werden Ihre Ziele am erfolgreichsten durchsetzen, wenn Ihr Gegenüber (ob Azubi oder Kollege) überzeugt ist, dass das eigentlich von Ihnen vorgegebene Ziel ursprünglich seine Idee war.

Beispiel: Die chaotische Ablage ist Ihnen schon lange ein Dorn im Auge. Doch Sie wissen: Bitten Sie Ihren Azubi direkt darum, diese mal von Grund auf neu zu überdenken, wird er das als Strafarbeit auffassen. Schaffen Sie es jedoch, dass er den Zustand selbst als untragbar empfindet und Ihnen vorschlägt, dort mal Ordnung hineinzubringen, wird er sich mit Freude an dieses „Projekt“ machen. Obwohl es sich weiterhin um dieselbe Aufgabe handelt.

3. Traumberufe bieten Vorteile über den reinen Verdienst hinaus

Eine überdurchschnittliche Ausbildungsvergütung ist natürlich für viele jugendliche Arbeitnehmer äußerst attraktiv und lässt den Beruf in einem besseren Licht dastehen. Aber: Die jüngsten Azubi-Jahrgänge zeichnen sich immer stärker dadurch aus, dass die Vergütung nicht mehr der ausschlaggebende Faktor ist. Vielmehr wurde vielen Azubis bereits seit der Kindheit beigebracht, sich einen Beruf zu suchen, der sie glücklich macht – und nicht den, der bis zur Rente sicher oder eben besonders lukrativ ist.

Exklusive Angebote, die Ihr Azubi (bzw. später als Arbeitnehmer) nur in Ihrem Unternehmen erhält, werden von jungen Arbeitnehmern subjektiv als deutlich wertvoller empfunden, als sie es – rein wertmäßig betrachtet – eigentlich sind.

Beispiel: Ihr Betrieb kooperiert mit dem ortsansässigen Fitness-Studio. Als Mitarbeiter darf Ihr Azubi hier kostenlos trainieren. Würde er sich dort privat anmelden, müsste er zwar auch nur 25 € pro Monat investieren, diese 25 € „Entgegenkommen“ werden von ihm aber als wertiger eingeschätzt.

Mein Tipp: Stellen Sie diese Zusatzleistungen deutlich als solche heraus, damit diese vom Auszubildenden nicht für selbstverständlich gehalten werden.

Was bei allen Punkten deutlich wird: Um Ihren Nachwuchskräften das Gefühl zu geben, dass sie ihren Traumberuf gefunden haben, müssen Sie die vorhandenen Vorteile und die gewährten Zusatzleistungen deutlich herausstellen. Dem Azubi muss klar werden, dass die Zusatzvorteile die Nachteile, die er durch die Ausbildung empfindet, deutlich überwiegen.

Autor: Günter Stein

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