0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
Robert Kneschke - Fotolia
Allgemein
05.02.2020

So machen Sie Ihren Führungsanspruch deutlich

Unabhängig davon, ob es in Ihrem Arbeitsvertrag steht: Als Ausbilder und Ausbildungsverantwortlicher sind Sie eine Führungskraft. Zumindest gegenüber Ihren Auszubildenden müssen Sie als solche auftreten. Schließlich tragen Sie Verantwortung für den Erfolg der Ausbildung. Schon deshalb sollten Sie einen Führungsanspruch haben, wenn es darum geht, Regeln festzulegen und Leitplanken zu setzen.

Es gibt aber auch Fälle, in denen der Führungsanspruch nicht gut genug untermauert wurde. Nicht jeder junge Mensch ist leicht zu führen, und im schlechtesten Fall nimmt er seinen Ausbilder nicht ernst. Dann wird es Zeit, diesem Führungsanspruch wieder Nachdruck zu verleihen. Folgende 5 Tipps helfen Ihnen dabei:

Demonstrieren Sie Ihren Führungsanpsruch, indem Sie zeigen, dass Sie den Überblick haben

Wirklich alles zu überblicken – das ist natürlich etwas
übertrieben ausgedrückt. Aber Sie sollten zumindest vieles überblicken und
zahlreiche Kontakte pflegen. Das gilt sowohl für interne als auch für externe
Ausbildungsangelegenheiten, für den Kontakt zur Kammer und den zur
Berufsschule.

Darüber hinaus sind Sie mit allen möglichen Personen im
Unternehmen vernetzt, die für Auszubildende wichtig sind. Einen besonderen
Draht pflegen Sie zu Personalverantwortlichen, die irgendwann ein Wort
mitreden, wenn ein Azubi nach der Ausbildung übernommen wird. Zeigen Sie, dass
Sie in solchen Kreisen präsent sind, über Detailwissen verfügen und den
Überblick über Ausbildungsangelegenheiten haben.

Zum Führungsanspruch gehört, dass Sie sich in Konfliktsituationen für Ihre Azubis einsetzen

Meinungsverschiedenheiten und Konflikte gibt es immer
wieder. Es stellen sich Fragen wie: Ist dieses Azubi-Projekt zu teuer, oder
soll es doch realisiert werden? Gerade wenn Dinge im Vordergrund stehen, deren
Auswirkungen Auszubildende direkt spüren, sollten Sie als Ausbilder oder
Ausbildungsverantwortlicher in der 1. Reihe sitzen.

Ihnen wurde Verantwortung für Ihre Auszubildenden
übertragen. Dieser Verantwortung werden Sie dann gerecht, wenn Sie die Position
Ihrer Auszubildenden in angemessenem Maße vertreten. Azubis müssen das Gefühl
bekommen, dass Sie auf ihrer Seite stehen und nicht jedem (Kosten-)Druck von
oben nachgeben.

Demonstrieren Sie hin und wieder Ihre Kompetenz

Angeberei ist in der Ausbildungsarbeit eigentlich überhaupt
nicht angesagt. Trotzdem sollten Sie hin und wieder etwas for

scher sein und damit auch Kompetenz zeigen. Gerade wenn Sie
das Gefühl haben, dass ein Azubi schon mal überheblich antwortet oder zum
Ausdruck bringt, den Ausbilder nicht ernst zu nehmen, sollten Sie auf Ihre
Kompetenz hinweisen. Wenn also Auszubildende Ihnen gegenüber zu forsch und zu
laut auftreten, senden Sie deutliche Signale.

Das gilt gerade auch für fachliche Angelegenheiten. Wenn ein
Azubi mit Halbwissen protzt (was nach meiner Erfahrung ziemlich häufig
vorkommt), entlarven Sie dieses auch als solches. Damit heben Sie nämlich auch
hervor: Sie agieren mit Fakten, echtem Fachwissen und keineswegs mit
Spekulationen und Halbwissen. Das unterstreicht Ihre Kompetenz.

Verwenden Sie ganz gezielt und aus gutem Grund die Ich-Form

Es hat psychologisch eine sehr gute Wirkung, wenn Sie Ihre
Auszubildenden in der Ich-Form ansprechen. Sprechen Sie nämlich in der 1.
Person, impliziert das einen Zusammenhalt zwischen Ihnen und Ihren Auszubildenden.
Zudem zeigen Sie dadurch Ihre empathischen Fähigkeiten.

Unterscheiden Sie auch zwischen Einzahl und Mehrzahl.
Sprechen Sie stets in der 1. Person Einzahl, also nicht in der Wir-, sondern
tatsächlich in der Ich-Form. Führungskompetenz zeigen Sie nämlich viel
deutlicher, wenn Sie formulieren: „Ich möchte, dass das Arbeitsergebnis bis zum
… vorliegt.“ Das bezieht Sie viel mehr als Führungskraft in die Angelegenheit
mit ein, als wenn Sie mit „wir“ oder in der 3. Person („das Ausbilder-Team“)
formulieren.

Setzen Sie bei eindeutigen Übergriffen klare Grenzen

Ich empfehle Ihnen zuletzt, bei übergriffig agierenden
Auszubildenden deutlich zu reagieren. Setzen Sie klare Grenzen und nutzen Sie
in hartnäckigen Fällen auch die Möglichkeit, Abmahnungen zu schreiben.

Denn wenn abmahnungswürdiges (und im Wiederholungsfall auch
kündigungswürdiges) Verhalten vorliegt, dann untergräbt es Ihren
Führungsanspruch, wenn Sie nicht deutlich und nachvollziehbar reagieren. Auch
einem Satz wie „Beim nächsten Mal muss ich Sie bei solchen Vergehen abmahnen“
sollten Sie unbedingt Taten folgen lassen. Nur dann bleiben Sie glaubwürdig und
werden auch beim nächsten Konflikt wieder ernst 
genommen.

Ein Beitrag von Martin Glania.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
So sind Sie als selbstreflektierter Ausbilder erfolgreicher

Selbstreflexion – gerade für Ausbilder ist das ein oftmals unterschätztes Erfolgsinstrument. Dabei ist es nachgewiesenermaßen sinnvoll, seine eigene berufliche Leistung immer wieder zu hinterfragen. Das gilt gerade für den... Weiterlesen

23.10.2017
Produktschulung: So werden Ihre Azubis zu Produktspezialisten

Wie gut wissen Ihre Mitarbeiter eigentlich über Ihre Produktpalette Bescheid? Wie gut sind Ihre künftigen Mitarbeiter, also Ihre Azubis, darüber aufgeklärt? In mittleren und vor allem in großen Unternehmen stellt sich häufig... Weiterlesen

23.10.2017
Bore-out – auch eine Gefahr für Ihre Azubis?

Unterforderung ist genauso gefährlich wie Überforderung, wird aber noch seltener frühzeitig erkannt. Aus lauter Vorsicht, die eigenen Mitarbeiter und Auszubildenden nicht durch zu viele oder zu anspruchsvolle Aufgaben zu... Weiterlesen