0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
Peter Atkins - Fotolia
Motivation
26.03.2018

So geben Sie motivierendes Feedback

Motivierte Azubis ohne motivierende Gespräche – das ist nur in Ausnahmefällen denkbar. Vielmehr sind rückblickende – und perspektivische – Unterhaltungen mit Auszubildenden der Schlüssel zu einer guten Motivation. Dabei sind bestimmte Regeln zu beachten, um Demotivation zu vermeiden.

Gerade junge Menschen und Arbeitnehmer brauchen ein regelmäßiges Feedback. Sie sind unsicher, inwieweit ihre Verhaltensweisen aus Sicht des Ausbildungsbetriebs angemessen sind. Sie sind für jeden Hinweis dankbar, wenn sie erfahren, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden. Das gibt Selbstbewusstsein und motiviert.

Ohnehin ist festzustellen: Die heute jungen Generationen Y und Z sind darauf aus, qualifiziertes Feedback von ihren Chefs und Ausbildern zu erhalten. Ich kann mich an Azubi-Generationen erinnern, da war die Mehrheit dieser Frage gegenüber eher gleichgültig eingestellt. Diese Zeiten sind allerdings vorbei.

Hintergrund: Junge Menschen sind es heute gewohnt, über soziale Medien sofort eine Reaktion, also ein Feedback, zu erhalten. Durch die digitalen Möglichkeiten ist ein schneller Austausch mehr die Regel als die Ausnahme. Dadurch hat sich die Erwartungshaltung entwickelt, auch im Beruf sofort Rückmeldung zu erhalten.

3 Regeln für ein motivierendes Feedback

Regel 1: Das Feedback sollte unmittelbar erfolgen Das gilt vor allem dann, wenn sich der Azubi ein dickes Lob verdient hat. Warten Sie nicht erst ab oder zaudern Sie (weil es ja wieder bergab gehen könnte) nicht, sondern loben Sie unmittelbar. Geht es um ein kritisches, eher negatives Feedback, dann warten Sie allenfalls so lange, bis die Emotionen abgeflacht sind.

Beachten Sie: Allerdings sollten Sie darauf achten, das Feedback – wenn es denn nötig sein sollte – diskret zu geben. Möglicherweise geht das, was Sie sagen möchten, nicht jeden etwas an, der gerade im Raum ist. Ist das der Fall, dann sollten Sie abwarten, bis sich die Möglichkeit ergibt, das Feedback unter 4 Augen zu geben – oder sich eine entsprechende Möglichkeit schaffen.

Regel 2: Es sollte nie ausschließlich kritisiert werden Fast immer ist es möglich, in einem Feedbackgespräch auch positive Dinge zu erwähnen. Diese Möglichkeit sollten Sie stets nutzen – gerade dann, wenn ein gravierend negativer Aspekt, der eigentliche Anlass für das Gespräch, zur Sprache kommt.

In diesem Zusammenhang spricht man vom sogenannten Sandwichprinzip: Danach verhindern Sie Demotivation dadurch, dass Sie den negativen Aspekt – im Sandwichstil – zwischen 2 positiven, eher lobenden Aussagen verpacken.

 

Regel 3: Formulieren sie eindeutig, aber nicht persönlich Wenn Sie Kritik am Auszubildenden üben, dann muss dieser die Kritik verstehen. Der Schwachpunkt oder das schlechte Verhalten des Auszubildenden muss also deutlich zur Sprache gebracht werden. Spielraum für Missverständnisse darf nicht entstehen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie den Auszubildenden persönlich angreifen. Dies tun Sie beispielsweise dann, wenn Sie die Kritik pauschalisieren und werten. Die folgenden Beispiele veranschaulichen an konkreten Formulierungen, worauf es bei der sachlichen, aber nicht persönlichen Kritik ankommt:

 

Ausgangslage

Persönlich und wertend – so nicht

Sachlich und neutral – motivierende Formulierung

Sie haben beobachtet, wie sich ein Azubi gegenüber einem Kunden unmöglich verhalten hat. „Ihr Ton gegenüber unseren Kunden lässt zu wünschen übrig. Das habe ich eben live mitbekommen. Wenn Sie so weitermachen, werden wir Kunden verlieren. So geht das mit Ihnen nicht weiter.“ „Ich habe eben mitgehört, wie Sie mit unserem Kunden … gesprochen haben. Das hat mir nicht gefallen. Schließlich hat der Kunde nur seine Unzufriedenheit geäußert. Ich hoffe, Ihr Verhalten gerade war eine Ausnahme. Ich bitte Sie, Kunden in Zukunft immer zuvorkommend zu behandeln, auch wenn Sie meinen, Sie seien im Recht. Fragen dazu können Sie mir immer stellen.“
Sie ärgern sich darüber, dass der Auszubildende seinen Arbeitsplatz nie aufräumt und säubert. „Bei Ihnen im Büro sieht es grundsätzlich so aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Haben sie nicht gelernt, aufzuräumen und Ordnung zu halten?“ „Ich habe eben mal ein Blick in ihr Büro geworfen. Sieht es eigentlich immer so auf dem Schreibtisch aus? Ich bitte Sie, in Zukunft mehr auf Ordnung zu achten.“
Ihnen kommt ein Beleg/Arbeitsstück/eine Rechnung in die Hand, der/die deutlich macht, dass der Auszubildende schlampig gearbeitet hat und wenig Wert auf Qualität legt. „Können Sie mir mal erklären, was das soll? Ist dies das Ergebnis Ihrer Arbeit? Kennen Sie unsere Qualitätsstandards nicht? Sie müssen Ihre Sorgfalt deutlich steigern.“ „An diesem Beleg ist mir aufgefallen, dass Sie in diesem Fall nicht fehlerfrei gearbeitet haben. Ich mache mir Sorgen, dass das noch öfter vorkommt. Gibt es irgendwelche Defizite, von denen ich nichts weiß? Oder waren Sie in diesem Fall nicht ganz konzentriert? Mir ist wichtig, dass so etwas nicht mehr vorkommt.“
Autor: Martin Glania

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Alltagstaugliche Motivationsspritzen für Ihre Azubis

Frage: Ich tue mich schwer damit, meinen Azubis Respekt und Wertschätzung für die geleistete Arbeit zu zollen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Wie formuliere ich ein „Gut gemacht!“ noch motivierender? Antwort: Im Alltag Ihre... Weiterlesen

23.10.2017
„Auszubildende hängen ständig am Handy“

Frage: Wir beobachten in unserem Unternehmen seit Jahren, dass zwischenzeitlich fast jeder Azubi sein Smartphone dabei hat und auch fortlaufend damit beschäftigt ist. Nun sind bereits süffisante Äußerungen von Subunternehmern... Weiterlesen

23.10.2017
Social-Media-Verhalten: Behalten Sie Ihre Azubis im Auge!

Fast 3 Stunden verbringen 12- bis 17-Jährige hierzulande täglich mit sozialen Medien. Laut einer Umfrage der DAK sind 2,6 % der Jugendlichen sogar abhängig von WhatsApp, Instagram & Co. – also etwa 100.000. WhatsApp,... Weiterlesen