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Ausbildungsqualität
26.11.2018

So gelingen Ihnen schwierige Gespräche mit Ihren Azubis

Schlechte Nachrichten zu überbringen ist immer eine unangenehme Aufgabe. Wer je eine wirklich schlechte Nachricht erhalten hat, weiß: Die Art und Weise, wie sie übermittelt wird, macht einen entscheidenden Unterschied darin, wie sie aufgenommen wird. Lassen Sie sich daher nicht von Ihren eigenen Befindlichkeiten leiten, sondern von der Frage: „Was kann ich für den Empfänger – meinen Azubi – tun?“

So bald wie möglich

Je länger Sie die unangenehme Botschaft aufschieben, desto enttäuschter wird der betroffene Auszubildende sein, dass er nicht direkt informiert wurde („Seit wann wissen Sie das eigentlich?“). Außerdem wächst die Gefahr, dass er aus anderen Quellen davon erfährt. Niemand möchte der Zeitung oder einem zufällig aufgeschnappten Gespräch entnehmen, dass sein Arbeitgeber z.B. den Standort dichtmachen will und eine Übernahme nach der Ausbildung damit gescheitert ist.

Stellen Sie sich einem persönlichen Gespräch

Sie fürchten sich vor der Reaktion des anderen? Widerstehen Sie der Versuchung, es schriftlich (per Mail, Brief) zu machen, um sicheren Abstand zu halten. Sorgen Sie dafür, dass Sie beim Gespräch nicht gestört werden: Leiten Sie Ihr Telefon um, schließen Sie die Tür und kommunizieren Sie gegenüber Ihrer Umgebung, dass niemand ins Gespräch platzen möge.

Mein Tipp: Setzen Sie sich für das Gespräch hin und bitten Sie auch Ihren Azubi darum.

 

Kommen Sie zur Sache

Verzichten Sie auf aufgesetzten Small Talk („Haben Sie heute schon xy erledigt?“), kryptische Andeutungen („Vielleicht können Sie sich schon denken, warum ich Sie zu dieser frühen Uhrzeit zu mir bitte“) und vage Formulierungen („Es sieht so aus, als ob wir Probleme bekommen“).

Sprechen Sie klar aus, was Sache ist: Sie werden die berufliche Zusammenarbeit zum Ausbildungsende beenden; der Zustand des Betriebs hat sich verschlechtert; Sie können die Zusage, dem Azubi den gewünschten Urlaub zu gewähren, nicht halten. Seien Sie auf Rückfragen vorbereitet, halten Sie Einzelheiten parat.

Mein Tipp: Leiten Sie Ihre Botschaft mit einem Satz wie „Leider habe ich eine schlechte Nachricht für Sie“ oder „Es fällt mir nicht leicht, Ihnen das zu sagen“ ein. Damit geben Sie Ihrem Gegenüber eine kurze Vorwarnung und drücken aus, dass Sie für seine Empfindungen Verständnis haben.

 

 

Halten Sie die Reaktion Ihres Gegenübers aus

Das fällt Ihnen leichter, wenn Sie sich schon vor dem Gespräch klarmachen: Alles ist möglich! Der Azubi mag schockiert schweigen, die Tatsachen leugnen oder Sie wütend anblaffen. Gehen Sie in Ihrer Antwort nicht auf Konfrontationskurs („Wenn Sie das nicht übersehen hätten …“) und werben Sie nicht um Verständnis für sich („Was meinen Sie, wie schwierig das für mich ist“).

Mein Tipp: Widerstehen Sie der Versuchung, falsche Hoffnungen zu wecken („Vielleicht findet sich ja doch noch eine Möglichkeit“) oder die Situation schönzureden („Morgen sieht die Welt wieder anders aus“).

 

Kümmern Sie sich

Lassen Sie Ihr Gegenüber nicht alleine. Besser als wohlmeinende Worte sind Gesten der Wertschätzung (Umarmung, fester Händedruck), aber auch konkrete Hilfsangebote.

Mein Tipp: Lassen Sie nicht zu, dass der andere sich in seinem Zustand ans Steuer setzt („Ich will sofort nach Hause“). Organisieren Sie notfalls ein Taxi. Verständigen Sie bei Bedarf eine vertraute Person aus der nächsten Umgebung (Eltern, Mitazubi), die sich um den betroffenen Auszubildenden kümmern kann.

 

Beispiel: Der Auszubildende Philip (3. Ausbildungsjahr) macht des Öfteren anzügliche Bemerkungen gegenüber den weiblichen Auszubildenden (1. Ausbildungsjahr) und erzählt mehrdeutige Witze. Sie führen das Gespäch so: „Philip, mir ist vorhin aufgefallen, dass Du Deiner Mit-Auszubildenden einen zotigen Witz erzählt hast und sie bei manchen Dingen bewusst auflaufen lässt. Ihr war das sichtlich unangenehm. Ich ärgere mich über Dein Verhalten. Erinnerst Du Dich, wie blöd es für Dich am Anfang war, wenn die älteren Azubis sich auf Deine Kosten lustig gemacht haben? Ich wünsche mir, dass Du Dein Verhalten änderst. Diese Art von Humor passt nicht in unsere Firmenkultur. Wir wollen Spaß miteinander haben, ohne dass jemand sich verletzt fühlt. Unser Betriebsklima ist gut und es ist für alle von Vorteil, wenn es auch so bleibt.“

Autor: Günter Stein

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