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Ausbildungsqualität
05.02.2019

Schlechte Noten in der Berufsschule: So reagieren Sie

Als betrieblicher Ausbilder legen Sie den Fokus auf die Leistungen des Auszubildenden im Unternehmen. Sie wissen aber auch: Ebenso wichtig ist es, dass der Azubi eine gute theoretische Grundlage hat, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Werden die Berufsschulnoten kontinuierlich schlechter, müssen auch Sie reagieren.

Auszubildende im dualen System haben mit ihrem Ausbildungsbetrieb (und nicht mit der Berufsschule) einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Das ist durchaus eine Erwähnung wert, denn auf die Berufsschule hat der Ausbildungsbetrieb nur bedingt Zugriff und das, obwohl er die Vergütung auch an Berufsschultagen zahlt.

Nur bedingt Zugriff zu haben, bedeutet allerdings nicht, sich nicht zu informieren, keine Alarmsignale zu erkennen und bei schlechten Leistungen nicht gegenzusteuern. Im Gegenteil: Ein Auszubildender, der in der Berufsschule ausschließlich schwache und sehr schwache Leistungen erbringt, wird keine Chance haben, am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung zu bestehen. Das wiederum bedeutet für den Ausbildungsbetrieb: Ein neuer Versuch muss gestartet werden (wenn der Azubi das will). Die Ausbildung wird in aller Regel auf Antrag des Auszubildenden verlängert, die Ausbildungsvergütung weitergezahlt – und es wird weiter gezittert, ob es beim 2. Anlauf klappt.

Frühzeitig informieren – rechtzeitig gegensteuern

Damit Sie als Ausbildungsverantwortlicher nicht in diese Situation kommen, kümmern Sie sich auch um Berufsschulangelegenheiten. Dazu gehören folgende Aspekte:

  1. Lassen Sie sich vom Auszubildenden regelmäßig über die Leistungen in der Berufsschule informieren. Sie haben ein Recht darauf, seine Noten zu erfahren.
  2. Lassen Sie sich vor allem die Zeugnisse zeigen und nehmen Sie diese zum Anlass, über die Noten zu sprechen.
  3. Knüpfen Sie engen Kontakt zu Berufsschullehrern. Nur dann ist gewährleistet, dass Sie von negativen Entwicklungen erfahren, dass Ihnen unentschuldigte Fehlzeiten in der Berufsschule gemeldet werden und dass gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung der Leistung und zur Verknüpfung von Theorie und Praxis beschlossen werden können.
  4. Sprechen Sie auch mit dem Auszubildenden über mögliche Defizite in der Berufsschule: In welchen Fächern hat der Azubi aus seiner eigenen Sicht Probleme? Mit welchen Lehrern kommt er gut, mit welchen weniger gut zurecht? Allein ein Gespräch über diese Themen wird vom Auszubildenden als positiv empfunden. Darüber hinaus können Sie ihm mit Tipps helfen.

 

Konkret helfen – theoretische Ausbildung unterstützen

Es gibt engagierte und weniger engagierte Berufsschullehrer. Der Azubi muss sich mit dem abfinden, was der Stundenplan vorschreibt. Spürt er selbst, dass es mit seinen Berufsschulleistungen bergab geht, sollte er sich natürlich an seine Lehrer wenden. Möglicherweise können sie ihm helfen. Immer ist das jedoch nicht der Fall.

Damit stehen Sie als Hauptverantwortlicher im Zusammenspiel zwischen Azubi, Berufsschule und Betrieb vor der Aufgabe, die theoretische Ausbildung zu unterstützen. Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:

  • Haben Sie Lernmaterialien, die Sie dem Azubi zur Verfügung stellen können? Prüfen Sie das und sorgen Sie dafür, dass der Azubi gegebenenfalls Zugriff darauf hat.
  • Gibt es in Ihrem Unternehmen jemanden, der auf ein Fachgebiet, mit dem der Azubi erhebliche Probleme hat, spezialisiert ist? Hat dieser Kollege die Bereitschaft und die Zeit, etwas von seinem Wissen an den Azubi weiterzugeben? Wenn irgendwie möglich, nutzen Sie dieses Potenzial.
  • Sie können auch ganz offiziell betriebsinternen Unterricht zu Fachgebieten, in denen noch Lücken bestehen, anbieten. Hierzu müssen Sie einen Dozenten engagieren, wobei Ihnen Ihre Kontakte in die Berufsschule oder zur Kammer helfen werden.
  • Kostenneutral – dafür aber nicht in jedem Fall zielgerichtet – sind die sogenannten ausbildungsbegleitenden Hilfen (ABH) der Arbeitsagentur. Um diese zu beantragen, muss der Azubi bei der Agentur vorstellig werden. Solche ABH-Maßnahmen werden in der Regel von privaten Bildungseinrichtungen durchgeführt und von der Bundesagentur für Arbeit finanziert. Sie als Ausbildungsunternehmen müssen sich nicht an der Finanzierung beteiligen.

Erfolge dokumentieren – Maßnahmen nachjustieren

Wenn einer Ihrer Azubis in eine Ausbildungskrise rutscht, dokumentieren Sie ab dem Bekanntwerden der Defizite, spätestens ab dem Ergreifen der Gegenmaßnahmen seine Leistungen. Wichtig dabei ist, dass der Azubi Ihnen ab sofort jede Note, auch angeblich nicht so wichtige, mitteilt. Dokumentieren Sie genau, ob und welche Fortschritte der Auszubildende macht.

Stellen Sie dem gegenüber, wie Sie den Auszubildenden fördern. Versuchen Sie, das Förderprogramm gezielt auf bevorstehende Leistungskontrollen in der Berufsschule auszurichten. Messen Sie den Erfolg der Maßnahmen anhand der Leistungsentwicklung in der Schule. Möglicherweise stellt er sich nicht oder nur unzureichend ein. Besprechen Sie das mit dem Auszubildenden, der zum Beispiel an einer ABH-Maßnahme teilnimmt. Fragen Sie nach seiner Meinung und stellen Sie sein individuelles Förderprogramm gegebenenfalls um, um gemeinsam auf die Erfolgsspur zurückzukehren.

Autor: Martin Glania

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