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Ausbildungsqualität
12.03.2019

7 Tipps für eine sachliche Beurteilung Ihrer Azubis

So etwas kann vorkommen: Die Ausbilderin Frau Kern ist am Boden zerstört. Durch ihre Gutmütigkeit ist es zu einer Fehlentscheidung gekommen. Sie hat ihrem ehemaligen Auszubildenden Lukas zu gute Praxisbeurteilungen ausgestellt, sodass er – trotz der Minderleistungen in der Ausbildung und einer nur knapp bestandenen Prüfung – übernommen wurde. Nach einem Monat in Festanstellung hat er schon mehrere gravierende Fehler gemacht …

Die Praxisnote beeinflusst die Gesamtnote

Frau Kern hatte Mitleid mit dem fleißigen und freundlichen Azubi. Ihr war klar, dass eine schlechte Praxisnote die Gesamtnote noch weiter gesenkt hätte. Außerdem wollte sie ihn nicht durch eine negative Beurteilung kränken. Am Ende hat sie hiermit jedoch niemandem einen Gefallen getan. Mittlerweile sind schon 2 Kunden zu Schaden gekommen. Der Betrieb hat nun eine Fachkraft, auf die kein Verlass ist, und Lukas selbst hatte keine Gelegenheit, seine Defizite früh genug zu erkennen.

Mein Rat: Bleiben Sie objektiv

Zum Abschluss der Ausbildungseinheiten müssen Sie die Azubis beurteilen und ihnen für ihre Einsätze eine realistische Note geben. Notwendig ist dabei eine sachliche und gerechte Beurteilung, ohne den Auszubildenden zu kränken oder zu verletzen. Die folgenden 7 Maßnahmen haben sich bestens bewährt.

1. Berücksichtigen Sie den Ausbildungsstand

Orientieren Sie Ihre Benotung an den Anforderungen für den jeweiligen Ausbildungsabschnitt. Beurteilen Sie die Leistung nicht nach dem, was ein ausgebildeter Mitarbeiter können sollte, sondern danach, was ein Azubi in dem jeweiligen Ausbildungsjahr können muss.

2. Bereiten Sie das Gespräch vor

Beobachten Sie den Azubi während der ganzen Zeit bei Ihnen und sammeln Sie Ihre Eindrücke. Füllen Sie den Beurteilungsbogen eine Woche vor dem Beurteilungsgespräch aus. Überprüfen Sie Ihre Einschätzung in den nächsten Tagen erneut im Rahmen der praktischen Arbeit.

3. Reflektieren Sie Ihre eigene Wahrnehmung

Fragen Sie andere Fachkräfte aus Ihrer Abteilung, die viel Kontakt mit dem Azubi haben, vor der Beurteilung nach ihrer Einschätzung, wenn Sie sich nicht sicher sind. Bedenken Sie, dass Ihre Einschätzung immer von Vorerfahrungen und persönlichen Einstellungen abhängig ist.

4. Nennen Sie Beispiele

Nennen Sie Ihrem Azubi mindestens 2 Beispiele pro Beurteilungskriterium, damit er Ihre Beurteilung nachvollziehen kann. Berücksichtigen Sie dies nicht nur bei Kritik, sondern auch bei einem Lob, denn dieses werten Sie durch konkrete Beispiele zusätzlich auf.

5. Motivieren Sie

Manche Ausbilder haben Sorge, dass Auszubildende eine negative Beurteilung nicht als solche erkennen, wenn sie freundlich formuliert ist. Dies ist ein Irrtum. Eine Leistungsbeurteilung dient nicht dazu, falsches Verhalten an den Pranger zu stellen. Sie soll Ihren Azubi dazu motivieren, sich aus eigener Initiative nachhaltig zu verbessern.

6. Wechseln Sie Negatives und Positives ab

Nennen Sie bei einer umfassenden Beurteilung abwechselnd positive und negative Punkte. Wenn Sie zuerst alle negativen Aspekte nennen, kommt das nachfolgende Lob nicht so gut an, wie Sie es gemeint haben.

7. Kommentieren Sie die Beurteilung nicht bei Dritten

Die Praxisbeurteilung des Auszubildenden geht nur Ihren Azubi, Ihre Vorgesetzten und Sie etwas an. Halten Sie sich auch daran, wenn Ihr Azubi sich seinerseits im Kollegenkreis dazu äußert. Achten Sie zudem darauf, dass die Beurteilung nicht offen zugänglich ist und z.B. irgendwo herumliegt.

Mein Fazit für Sie: Nur durch Ihre Offenheit kann Ihr Azubi lernen. Wer soll ihm eine Rückmeldung zu seiner Arbeit geben, wenn nicht Sie? Falls Sie ungern negative Beurteilungen aussprechen, hilft Ihnen dieses Vorgehen:

Stellen Sie Ihrem Azubi gezielte Fragen, die auf Schwachstellen/Stärken hinweisen, wie er seine Leistung einschätzt. In vielen Fällen kann dieser vermutlich selbst sehr gut bewerten, wo er sich leistungsmäßig befindet. Sie müssen dann nur noch zustimmen oder ergänzen.

Autor: Günter Stein

 

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