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Ausbildungsmarketing
28.02.2019

Recht am eigenen Bild: Wenn Sie Ihre Azubis zu Models machen

Einige Ihrer Azubis sind gleichzeitig die Hauptakteure im Rahmen Ihres Ausbildungsmarketings? Das ist gut so! Aber Vorsicht, wenn Sie Bild- und Videoaufnahmen von einzelnen oder mehreren Auszubildenden in Broschüren und/oder online verwenden. Dann könnte Ihnen das sogenannte Recht am eigenen Bild auf die Füße fallen. Das gilt erst recht in einer Zeit, in der der Datenschutz mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eine europäische Dimension erreicht hat.

Das Hauptproblem, das sich stellt: Es herrscht Unsicherheit darüber, welchen Einfluss die DSGVO auf das Recht am eigenen Bild, beispielsweise an denen von Azubis, hat und inwieweit das Kunsturhebergesetz (KUG) greift. Für Sie und Ihre Maßnahmen des Ausbildungsmarketings heißt das: Gehen Sie auf Nummer sicher, wenn Sie Ihre Azubis ablichten, interviewen und filmen, um sie zu Protagnisten für Ihre Ausbildungsmarketing-Maßnahmen zu machen. Was Sie zu beachten haben, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Was ist eigentlich das Recht am eigenen Bild?

Jeder Mensch, jeder Mitarbeiter und jeder Auszubildende darf selbst bestimmen, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlicht werden. Das gilt für Fotos, aber auch für bewegte Bilder. Das Recht am eigenen Bild ist damit eine besondere Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts.

Ganz wichtig: Zustimmung einholen

Konkret sollten Sie daher feststellen (lassen), in welchen Ihrer Medien – intern oder extern, online oder Print – Bilder und Videos Ihrer Azubis zu sehen sind. Was ist mit Ihrem Onlineauftritt? Gibt es Broschüren, in denen Azubis abgelichtet sind? Haben Sie Bilder in sozialen Netzwerken eingestellt? Unterhalten Sie einen YouTube-Kanal mit Videos, in denen Sie über Ihre Ausbildung informieren? Stellen Sie in Ihrem Intranet Azubis vor? Ganz gleich, wo Ihre Auszubildenden zu finden sind: Wenn Sie das entsprechende Medium verantworten, müssen Sie den Azubi vor der Veröffentlichung seines Bildes oder einer Videosequenz fragen.

Mein Tipp: Für den Fall, dass entsprechende Einverständniserklärungen noch nicht schriftlich vorliegen, holen Sie das nach. Seien Sie in jedem Fall gründlich bei der Analyse von Bildern, die in der Vergangenheit veröffentlicht worden sind. Darüber hinaus achten Sie darauf, dass bei künftigen Projekten die Devise gilt: Erst das Einverständnis einholen, dann veröffentlichen.

Warum Ihre Azubis bessere Werbeträger sind als professionelle Models Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den eigenen Onlineauftritt und Werbematerialien über Ihre Ausbildung zu bebilderten. Eines ist dabei klar: Junge Menschen, die Auszubildende sind (oder darstellen sollen), müssen dabei im Mittelpunkt stehen.

Diese Rolle kann auch von professionellen Models übernommen werden, die von einem Fotografen – angeblich bei der Ausbildungsarbeit – abgebildet werden. Das hat den Vorteil, dass rechtlich normalerweise keine Probleme entstehen, da die Models bezahlt werden und vertraglich Rechte abgeben.

Allerdings gibt es gravierende Nachteile: Solche Fotos wirken oftmals nicht authentisch. Viele Menschen haben ein gutes Gespür dafür, ob Personen, die Auszubildende darstellen sollen, tatsächlich auch Azubis sind. Dazu kommt, dass Ausbildungsunternehmen häufig lokal oder regional verwurzelt sind und man die Belegschaft teilweise kennt. Tauchen dann auf Bildern oder in Filmen Personen auf, die nicht zum Unternehmen gehören, wirkt das gesamte Material wenig überzeugend.

 

Was ist mit Fotos aus Bilddatenbanken?

Grundsätzlich können Sie Ihre Materialien, ganz gleich ob Print oder online, auch mit Fotos aus professionellen Online-Bilddatenbanken bestücken. Solche Bilder sind preisgünstig zu haben. Auf der anderen Seite ist es schwierig, Bilder zu finden, die genau das darstellen, was Sie sich wünschen. Bei Ihren Maßnahmen des Ausbildungsmarketings brauchen Sie in erster Linie Bilder, die Auszubildende bei typischen Arbeiten in Ihrem Unternehmen zeigen, die authentisch wirken und Begeisterung vermitteln. Wenn Sie sich mal die Mühe gemacht haben, Bilddatenbanken wie Shutterstock oder Fotolia/Adobe Stock zu durchsuchen, werden Sie feststellen, dass Sie bei solchen Bildern fast immer Abstriche machen müssen.

Fazit: Bilder mit Fotomodels oder die Sie in Bilddatenbanken finden, sind nur im Notfall zu empfehlen. Je authentischer Sie Ihr Unternehmen darstellen wollen, desto weniger sollten Sie auf externe Models und gekaufte Bilder zurückgreifen. Fragen Sie besser Ihre Azubis, ob sie Lust dazu haben, „Model“ zu spielen. Sie werden sich in aller Regel gern zur Verfügung stellen.

Fototermin in Ihrem Unternehmen: Das ist zu beachten

Wenn Sie für 2019 eine Offensive in Sachen Ausbildungsmarketing planen und Ihre Materialien auffrischen wollen, um mittel- und langfristig mehr Bewerbungen zu bekommen, dann brauchen sie aktuelle Bilder. Bedenken Sie: Wenn Sie über Bilder verfügen, die schon 10 Jahre alt sind, fällt das gerade jungen Leuten sofort auf: an der Kleidung, dem Umfeld und den Frisuren. Verfügen Sie über Bilder, die nur wenige Jahre alt sind, dann machen Sie den Test: Fragen Sie Ihre derzeitigen Azubis nach ihrer Meinung, ob die Bilder noch überzeugen.

Im besten Fall nutzen Sie jetzt die Chance, sich mit neuem Material zu versorgen. Vereinbaren Sie mit Azubis, die sich hierfür gern zu Verfügung stellen, einen Fototermin. So können Sie von einem Kollegen oder einem professionellen Fotografen Gruppenbilder erstellen lassen, Azubi-Versammlungen darstellen, Aktionsfotos an Arbeits- und Ausbildungsplätzen schießen und Situationen simulieren. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Beachten Sie: Jeder Azubi, der an einem Shooting teilnimmt und auf den Bildern erkennbar ist, hat das Recht, selbst zu bestimmen, ob die Fotos mit ihm veröffentlicht werden. Sie brauchen daher eine Erklärung, dass sein Einverständnis vorliegt (bei minderjährigen Azubis auch das der Erziehungsberechtigten). Orientieren Sie sich dabei an folgendem Muster:

Einwilligungserklärung zur Nutzung von Fotoaufnahmen

Ich, …, bin damit einverstanden, dass die am … angefertigten Fotos (ggf. das Fotoshooting genauer definieren), auf denen ich eindeutig zu erkennen bin, zu Zwecken des Ausbildungsmarketings verwendet werden. Das gilt für Veröffentlichungen von gedruckten Produkten wie Flyern und Informationsschreiben und für eine Online-Veröffentlichung, beispielsweise in sozialen Netzwerken und auf der Homepage des Ausbildungsunternehmens. Mir ist bekannt, dass ich diese Zustimmung zur Veröffentlichung und Verwendung der Fotos jederzeit zurückziehen kann. Erteile ich die Einwilligung nicht, entstehen mir keine Nachteile.

Ort, Datum, Unterschrift

Ein Imagefilm für Ihr Ausbildungsmarketing – das sind die Knackpunkte

Ähnlich stellt sich die Rechtslage bei Videoaufnahmen dar. Allerdings sind es hier häufig die Auszubildenden selbst, die einen Film über die Ausbildung im Rahmen eines Projekts drehen. Rechtlich bedeutet das jedoch auch: Die Azubis, die im Film identifiziert werden können, müssen ihr Einverständnis geben. Dafür können Sie folgendes Muster heranziehen:

Einwilligungserklärung zur Nutzung von Filmaufnahmen

Ich, …, bin damit einverstanden, dass der im Rahmen der Ausbildung entstandene Film mit dem Titel …, in dem ich erkennbar zu sehen bin, zu Zwecken des Ausbildungsmarketings verwendet wird. Das gilt für die Veröffentlichung im Rahmen von Veranstaltungen und für eine Online-Veröffentlichung, beispielsweise in sozialen Netzwerken, auf der Homepage des Ausbildungsunternehmens oder auf der Plattform YouTube. Mir ist bekannt, dass ich diese Zustimmung zur Veröffentlichung und Verwendung der entsprechenden Passagen im Film jederzeit zurückziehen kann. Erteile ich die Einwilligung nicht, entstehen mir keine Nachteile.

Ort, Datum, Unterschrift

Beachten Sie: Diese Vorlagen sollten Sie auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens hin verändern, sachlich anpassen, erweitern oder einschränken. Sie dienen Ihnen als Orientierung für rechtssicheres Handeln.

Bevorzugen Sie eine schriftliche Einwilligung

Ich empfehle dringend, sich die Einverständniserklärung immer schriftlich geben zu lassen. Nur dann können Sie später nachweisen, dass ein Azubi, der möglicherweise gegen die Verwendung eines Bildes klagt, zu diesem Zeitpunkt mit einer Veröffentlichung einverstanden war.

Konkludentes Handeln: Warum Sie sich nicht darauf verlassen sollten

Unter anderem durch Formulierungen in der neuen DSGVO gibt es auch die Möglichkeit, ein Einverständnis formfrei oder sogar durch konkludentes (schlüssiges) Handeln zu geben. Aber Vorsicht: Abgesehen von der fehlenden Nachweismöglichkeit öffnet dies auch Tür und Tor für Missverständnisse. So könnte ein Azubi behaupten, er habe nur deshalb als aktiver Akteur an einem Imagefilm-Projekt teilgenommen, weil er davon ausging, dass der Film nicht im Internet veröffentlicht würde. Vermeiden Sie solch ärgerliche Streitigkeiten gezielt durch schriftliche Einverständniserklärungen.

Der Azubi verlässt das Unternehmen – was nun?

Gerade nach dem Ablegen der Abschlussprüfung ist es der Lauf der Dinge, dass junge Mitarbeiter das Ausbildungsunternehmen verlassen. Das muss an der rechtlichen Situation nichts ändern, da die jeweilige Einwilligung zur Veröffentlichung nicht automatisch erlischt. Im Normalfall bleibt also alles beim Alten, und Sie können auch Abbildungen von ausgeschiedenen Azubis weiter für Ihr Ausbildungsmarketing nutzen. Anders sieht es allerdings aus, wenn ein Azubi sein Einverständnis widerruft. Dann stehen betriebliche Interessen seinem Persönlichkeitsrecht gegenüber. Es ist im Einzelfall abzuwägen, welche Maßnahmen der Betrieb ergreifen muss, um nicht gegen das Recht dieses ehemaligen Mitarbeiters am eigenen Bild zu verstoßen.

Druckerzeugnis oder online – das ist ein großer Unterschied

Es macht daher einen großen Unterschied, ob es sich um Fotos im Internet handelt, die Sie relativ schnell löschen können, oder um Bilder in Imagebroschüren, die über Jahre im Einsatz sein sollen. Bedenken Sie das, wenn Sie Druckauflagen und Projektgruppen festlegen.

Autor: Martin Glania

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