0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
Jeanette Dietl - Fotolia
Recruiting
18.02.2020

Punkten Sie bei Schüchternen im Vorstellungsgespräch

Beim Auswahlverfahren von potenziellen Auszubildenden spielt
das Vorstellungsgespräch nach wie vor eine wichtige Rolle. Es ist eine
grundlegende Ergänzung zu anderen Instrumenten der Azubi-Auswahl, bei denen es
auf Sozialverhalten und auch auf fachliche Aspekte ankommt. Aus diesem Grund
muss die relativ kurze Zeit, die ein Vorstellungsgespräch dauert, effizient
genutzt werden.

In manchen Fällen ist es sehr leicht, sich einen Eindruck vom
Bewerber zu verschaffen und alle Informationen, die man gern über ihn hätte,
einzuholen. Manche junge Menschen erzählen gern – auch über sich selbst. Das
gilt allerdings bei Weitem nicht für alle. Jugendliche sind von der Situation
eines Vorstellungsgesprächs manchmal überfordert, können sich nicht so
darstellen, wie sie eigentlich sind, präsentieren sich wortkarg und vermitteln
Ihnen keinen realistischen Eindruck. Wie können Sie das ändern?

Atmosphäre im Vorstellungsgespräch

Eine Grundvoraussetzung dafür, dass ein Azubi sich
wohlfühlt, ist eine angenehme Atmosphäre im Raum. Gerade wenn ein Sitzungsraum
für das Vorstellungsgespräch genutzt wird, kann es vorkommen, dass dieser eine
gewisse Kälte ausstrahlt. Es fehlen dekorative Elemente, Farben und Pflanzen.
Das registriert ein Bewerber zwar nicht direkt, aber die Kälte, die ihm beim
Eintritt in den Raum entgegenkommt, spürt er.

Wenn dann noch mehrere Personen in steifer Haltung und
konservativer Arbeitskleidung auf der anderen Seite des Raumes sitzen und auf
ihn warten, dann schüchtert das ebenfalls ein. Und hat er bis zu seinem Platz
noch einen Weg von 7 oder 8 Metern zurückzulegen, auf dem er sich ganz genau
beobachtet fühlt, dann können Sie ziemlich sicher sein, dass er sich nicht
wohlfühlt. Die Folge: In so einer Atmosphäre wird er wahrscheinlich nicht viel
von sich preisgeben.

Raumwahl, Personenzahl und Sitzordnung

Ein Vorstellungsgespräch fängt schon mit der Raumauswahl an: Wo soll es stattfinden? Und es geht weiter mit den Personen, die daran teilnehmen: Wie ist die Sitzordnung, und wie viele Personen sind dabei? Wie formal ist die Begrüßung? Wird dem Azubi möglicherweise ein Getränk oder Gebäck angeboten? Ist dieses Angebot ehrlich gemeint, und soll sich der Azubi tatsächlich bedienen? In den meisten Fällen wird er das nur tun, wenn das andere Gesprächsteilnehmer auch machen. Er wird auch nur locker etwas von sich preisgeben, wenn im Raum eine angenehme Gesprächsatmosphäre herrscht.

Beispiel: Betritt der Bewerber den Raum, dann sollte es nicht
mucksmäuschenstill sein. Die anwesenden Personen dürfen sich leise unterhalten,
was für eine durchaus angenehme Unruhe sorgt und die Gesichtszüge aller
Beteiligten auflockert. Vor allem wird der junge Mensch dann nicht das Gefühl
haben, dass alle Blicke auf ihn gerichtet sind.

Wenn Sie etwas preisgeben, tut es der Bewerber auch

Doch auch in einer angenehmen Atmosphäre tut sich nicht
jeder Bewerber leicht. Der Grundstein ist zwar gelegt, aber wenn ein junger
Mensch schüchtern ist und generell nur selten etwas über sich erzählt, ist es
schwierig, ihn dazu zu bringen, über seinen Schatten zu springen. Was sollten
Sie also tun? Folgender Trick hilft: Machen Sie es einfach vor. Erzählen Sie
unbefangen von sich – auch aus Ihrem Privatleben. Sie können auch andere
Gesprächsteilnehmer im Vorfeld von Vorstellungsgesprächen bitten, etwas in der
Richtung vorzubereiten.

Es lockert die Gesprächsatmosphäre ganz gewiss auf, wenn die
Gesprächspartner des Bewerbers Familiäres von sich preisgeben und wenn sie
schildern, was sie in ihrer Freizeit machen. Dadurch wird jedem Bewerber klar,
dass Menschen vor ihm sitzen, die ein Privatleben haben, auf das sie Wert
legen. Also darf auch der potenzielle Azubi ein solches haben, und vor allem
darf er auch davon erzählen. Das ist Ihre Botschaft.

Mithilfe des Lebenslaufs die richtigen Themen im Vorstellungsgespräch finden

Überhaupt erleichtert es den Einstieg in ein informatives
Vorstellungsgespräch, wenn Sie den Bewerber thematisch in seinem Privatleben
abholen. Wenn Sie das schaffen, ist ein gewisser Redefluss so gut wie
garantiert.

Tipp: Schauen Sie sich im Vorfeld die Bewerbungsunterlagen und insbesondere die Lebensläufe der einzelnen Bewerber genau an. Manchmal werden Sie dort Anhaltspunkte finden und können Querverbindungen herstellen. Möglicherweise gibt es entsprechende Hinweise bei den Hobbys, die der Azubi im Lebenslauf angibt. Wenn Sie zum Beispiel wissen, dass er bei den Fußball-A-Junioren eines bestimmten Vereins spielt, können Sie heutzutage ohne Weiteres recherchieren (unter fussball.de), wie sein Spiel am letzten Wochenende ausgegangen ist. Und wenn Sie selbst, ein Familienmitglied oder ein Bekannter von Ihnen im selben oder bei einem konkurrierenden Verein aktiv ist, ist das ein idealer Ansatzpunkt. Weitere Ansatzpunkte könnten die Berufe der Eltern, der Wohnort oder auch der Name des Auszubildenden sein. Die Erfahrung hat gezeigt: In fast jedem Lebenslauf steckt etwas, das sich als Thema für eine lockere Gesprächseröffnung eignet.

Ein Beitrag von Martin Glania.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
10 Regeln für die erfolgreiche Kommunikation mit Azubis

Wer mit seinen Auszubildenden regelmäßig kommuniziert, ist als Ausbilder auf einem guten Weg. Dieser muss aber nicht zwangsläufig erfolgreich sein. Denn nur wer richtig und fehlerfrei kommuniziert, nutzt das riesige Potenzial... Weiterlesen

23.10.2017
Werben Sie für Ihren Tag-der-offenen-Tür: „Die Zukunft hat noch Plätze frei“

Wie spreche ich Azubis am besten an, wenn ich Interesse am Tag-der-offenen-Tür meines Unternehmens wecken will? Woran hängt es, ob ein junger Mensch Lust hat, einen potenziellen Ausbildungsbetrieb kennenzulernen? Die Antwort auf... Weiterlesen

23.10.2017
edding: So zieht ein Azubi-Blog Bewerber magisch an

Mit einem Azubi-Blog präsentieren Sie sich Ihrer gewünschten Zielgruppe für Ausbildungsstellen optimal. Das Gute daran: Indem Ihre Azubis den Blog selbst führen, verteilen Sie den Arbeitsaufwand und zeigen sich gegenüber... Weiterlesen