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Recruiting
23.01.2019

Hartes Brot: So führen Sie das Nichtübernahme-Gespräch mit Ihrem Azubi

Zahlreiche Auszubildende wollen nach der Ausbildung im Betrieb bleiben. Sie machen sich Hoffnung, einen unbefristeten Vertrag zu erhalten. Vielen gelingt das – schon aus demografischen Gründen. Umso schmerzlicher ist es dann, wenn der eine oder andere Azubi durch das Raster fällt und Sie sich nach der Ausbildung von ihm trennen müssen. Schmerzlich für den Azubi – und schmerzlich für Sie. Denn die Trennung stellt Sie vor eine enorme kommunikative Herausforderung.

Einen Auszubildenden gegen dessen Willen nicht zu übernehmen, kann unterschiedliche Gründe haben. Diese Gründe können betrieblicher Natur sein oder auch in der Person bzw. Leistungsfähigkeit des Auszubildenden liegen.

Leistung stimmt, aber das Unternehmen kann nicht

Steht keine Stelle zur Verfügung oder werden sogar Stellen abgebaut, dann liegen die Gründe in der Tat beim Betrieb. Dann ist es sehr bedauerlich, dass Sie diesen Azubi nicht übernehmen können. Dementsprechend ist das Nichtübernahme-Gespräch mit Fingerspitzengefühl, aber auch mit einem positiven Unterton zu führen.

Von besonderer Wichtigkeit ist es zu betonen, dass die Leistungsfähigkeit und auch das Sozialverhalten des Auszubildenden geeignet wären, eine gemeinsame Zukunft mit ihm zu planen und zu vollziehen. Hätte es nur eine kleine Chance gegeben, ihn zu übernehmen, dann hätten Sie diese genutzt.

In einem Nichtübernahme-Gespräch muss aber auch zum Ausdruck kommen, wie es dem Unternehmen geht. Möglicherweise kann das Unternehmen es sich nicht leisten, alle Auszubildenden zu übernehmen. Möglicherweise wurde in den letzten Jahren eine Umstrukturierung vorgenommen, die bestimmte Unternehmensbereiche ausgelagert oder Schwerpunkte versetzt hat. Auch das kann dazu führen, dass in einem Beruf kein Personalbedarf mehr besteht.

Im Mittelpunkt: Ihre Hilfe und das Selbstbewusstsein des Azubis

Wenn Sie die Leistungsfähigkeit des Auszubildenden hervorheben und die Ausweglosigkeit der Situation beschreiben, dann wird die Nichtübernahme das Selbstbewusstsein des Auszubildenden nicht schmälern. Sie können aber noch einen Schritt weitergehen.

Sie können Empfehlungen geben, wo er sich erfolgreich bewerben könnte und ihm Zeit einräumen, Bewerbungen zu schreiben. Oder Sie können ihn für Vorstellungsgespräche und Eignungstests großzügig freistellen. Und natürlich schreiben Sie ihm ein gutes, qualifiziertes Arbeitszeugnis. Aus dem sollte detailliert hervorgehen, wo die Stärken des Auszubildenden liegen und warum Sie ihn bedauernswerterweise nicht übernehmen konnten. So zeigen Sie, dass Sie trotz aller Probleme ein mitarbeiterorientierter Ausbildungsbetrieb sind. Das spricht sich herum.

Und denken Sie zudem daran: Man sieht sich immer 2-mal im Leben. Das sagt zumindest eine Volksweisheit, die sich überraschend oft bewahrheitet. Möglicherweise passt in einigen Jahren alles zusammen, und Ihr ehemaliger Azubi bewirbt sich erneut. Davon würden dann beide Seiten profitieren.

 

Das Unternehmen könnte, aber die Leistung des Azubis stimmt nicht

Haben die Leistung und/oder das Sozialverhalten des Auszubildenden nicht gestimmt, dann sind die Gründe für die Nichtübernahme ganz anderer Natur: Man will ihn nicht mehr im Unternehmen beschäftigen. Möglicherweise konnte er in der Praxis die Anforderungen in manchen Bereichen nicht erfüllen. Oder er war – was noch gravierender wäre – eine Person, die Konflikte geschürt hat und für viele Kollegen unerträglich wurde.

Fachliche Gründe: Verweisen Sie auf Mitbewerber

Da Ihr Auszubildender ja immerhin die Abschlussprüfung bestanden hat (oder hoffentlich bestehen wird), liegt eine bestimmte fachliche Eignung vor. Sie reicht Ihnen allerdings nicht aus. Daher sollten Sie frühzeitig und während der gesamten Ausbildung kommunizieren, dass Sie über eine bestandene Prüfung hinaus höhere Ansprüche haben, die beispielsweise durch die Beurteilungen der einzelnen Ausbildungsabschnitte zu belegen sind.

Wenn ein Azubi keine entsprechenden Leistungen nachweisen kann, verweisen Sie vor allem darauf, dass es andere Azubis mehr verdient haben, nach der Ausbildung übernommen zu werden, da hier das Verhalten und das Leistungsvermögen gestimmt hat. Normalerweise ist das für einen Azubi keine neue Information, denn die meisten wissen ihr Leistungsvermögen einzuschätzen.

Vergessen Sie aber nicht zu erwähnen, dass er eine gute Ausbildung in einem anerkannten Beruf und Ausbildungsunternehmen erfolgreich absolviert hat (bzw. demnächst absolviert haben wird). Seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigert das beträchtlich.

Charakterliche Gründe: Nehmen Sie kein Blatt vor den Mund

Hat sich der Azubi über die Ausbildung hinweg des Öfteren danebenbenommen und hat es immer wieder „geknallt“, dann sollten Sie das im Nichtübernahme-Gespräch auch so formulieren. Verweisen Sie auf Beschwerden, Ärger, Kosten und nervliche Belastungen für alle Beteiligten. Geben Sie dem Azubi – auch wenn es möglicherweise nichts nutzt – mit auf den Weg, sich bei seinem nächsten Arbeitgeber besser in das soziale Gefüge einzuordnen.

Autor: Martin Glania

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