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Motivation
04.01.2019

Nachlässige Azubis in 4 Stufen zu mehr Disziplin motivieren

Jeder Auszubildende tickt anders. Das sehen Sie vermutlich gerade wieder bei Ihrem neuen Azubi-Jahrgang. Während die einen jede Arbeit gewissenhaft erledigen, arbeiten die anderen nur motiviert, wenn sie Spaß dabei haben. Das Pflichtprogramm dagegen wird in der Regel eher schlampig absolviert.

Beispiel:

Sie haben einen fähigen IT-Systemkaufmann in der Ausbildung im Team, der genial programmiert. Seine Berichte und Auftragskorrespondenz erledigt er aber so nachlässig, dass Kollegen mit viel Zeitaufwand seine Fehler ausbügeln müssen.

Appelle wie „Füllen Sie Ihre Auftragsformulare gewissenhafter aus“ oder „Ihre Leistungszusammenstellungen für die Buchhaltung sind zu lückenhaft“ bringen – wenn überhaupt – nur kurzfristigen Erfolg. Warum? Appelle führen meist zu Gegenargumenten, aber nicht zur Einsicht.

Viel besser geeignet als letzten Endes unwirksame Appelle ist die 4-stufige Motivationstreppe. Mit dieser führen Sie Ihre Azubis zu einsichtigem Verhalten und schaffen langfristig die Voraussetzung für Disziplin.

  1. Stufe: Machen Sie den Azubi auf die Misere aufmerksam

Auszubildende, die in ihren Spaßbereichen gute Arbeit leisten und deshalb häufig Anerkennung erfahren, kommen gar nicht auf die Idee, dass es Aufgaben geben könnte, die sie eher unterdurchschnittlich erledigen. Für sie sind diese Arbeiten unwichtig.

Diese Einstellung erkennen Sie an Aussagen wie etwa:

  • „Das ist doch völlig unwichtig für das Ergebnis!“
  • „Dem Kunden geht es doch nicht darum, dass ich Formulare richtig ausfülle, sondern darum, sein IT-Problem optimal zu lösen!“

In solchen Fällen helfen nur Beweise. Halten Sie dem Azubi seine Versäumnisse schwarz auf weiß unter die Nase:

  • „Das ist Ihr Leistungsbericht über Ihre Aufgaben für die XY GmbH. Es fehlen 5 entscheidende Positionen für die Rechnungsstellung, nämlich …“
  • „Hier das von Ihnen unvollständig ausgefüllte Auftragsformular für …“

Diese Beweisführung kann Ihr Auszubildender nicht mehr leugnen.

  1. Stufe: Machen Sie dem Azubi die Bedeutung bewusst

Machen Sie dem Auszubildenden die Folgen des Problems bewusst – für ihn, für die Kollegen und für das Unternehmen:

„Eine Leistungsposition – wie sich nachträglich herausgestellt hat – haben Sie komplett vergessen anzugeben. Dadurch haben wir 800 € weniger in Rechnung gestellt. Letztendlich stellen die Kunden auch sicher, dass wir Ihre Ausbildung zahlen können. Sie wären sicher nicht erfreut, wenn Sie in diesem Monat deshalb anteilig einige Euro weniger auf dem Konto hätten. Das Unternehmen muss jetzt aber auf diese Summe verzichten.“

 

  1. Stufe: Motivieren Sie zur Lösung

Bitten Sie den Auszubildenden darum, Ihnen zu zeigen, wie er das Problem in Zukunft dauerhaft lösen wird. Geht er dabei unstrukturiert vor, greifen Sie ihm unterstützend unter die Arme. Wichtig ist, dass der Weg für den Azubi plausibel und machbar ist. Er muss sich ernsthaft dazu bereit erklären und akzeptieren, dass zumindest in der ersten Zeit ein paar Kontrollpunkte eingebaut werden.

Mein Tipp: Hinterfragen Sie, ob die mangelnde Disziplin des Azubis unter Umständen an Ihnen selbst liegt: Sind Anweisungen unpräzise, oder werden oder Informationen vergessen? Eine unklare Aufgabenstellung blockiert den Azubi und führt fast unweigerlich zum Aufschieben. Und manches Mal stellt sich Unsicherheit ein. Solche Gedanken halten Ihren Azubi länger in der Untätigkeit gefangen als nötig. Das können Sie tun: Machen Sie sich klar, was Ihr Azubi evtl. an der Aufgabenstellung nicht versteht, und schieben Sie das klärende Gespräch nicht zu lange auf.
  1. Stufe: Zeigen Sie Wertschätzung

Beenden Sie das Gespräch mit einem Lob:

„Sie sind ein hervorragender angehender IT-Systemkaufmann, den ich sehr schätze. Das wissen Sie. Ihre sehr gute Arbeit im Rahmen Ihrer Ausbildung ist für das Unternehmen ein großer Gewinn. Diesen Gewinn können wir rein wirtschaftlich aber nur dann realisieren, wenn auch bestimmte formale Vorgaben eingehalten werden.”

Autor: Günter Stein

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