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Recht
19.08.2019

Muss ein Azubi Schadenersatz leisten, wenn er Kundendaten weitergibt?

Kundendaten sind als sensible Daten zu betrachten. Das gilt insbesondere dann, wenn der Kunde gerade eine Anfrage gestartet hat und diese nicht an irgendwen, sondern an die Konkurrenz weitergegeben wird. In einem Fall, den das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz zu entscheiden hatte, hatte das drastische Folgen (5 Sa 226/18 vom 24.1.2019).

Eine Arbeitnehmerin war als Kreditsachbearbeiterin in der Hypothekenabteilung einer Kreditvermittlung tätig. Offensichtlich gab sie dabei Kundenanfragen und Kundendaten an unbefugte Dritte weiter. Jedenfalls beschwerte sich eines Tages ein Kunde darüber, dass diese Mitarbeiterin seine Kontaktdaten an einen anderen Kreditvermittler weitergegeben habe. In der Folge wurden interne Ermittlungen angestellt, und es kam heraus, dass die Mitarbeiterin nicht zum 1. Mal so gehandelt hatte. Insgesamt waren 4 Kreditanfragen an die Konkurrenz weitergegeben worden.

Mitarbeiterin musste Schadenersatz zahlen

Dieser Vorfall ist als gravierend zu beurteilen, da die Mitarbeiterin dem eigenen Arbeitgeber beträchtlichen Schaden zugefügt hat: Von mehr als 72.000 € war die Rede. Es folgte eine fristlose Kündigung wegen nicht erlaubter Wettbewerbstätigkeit. Dazu kam die Forderung, den Schaden zu begleichen. Das wollte die ehemalige Arbeitnehmerin nicht tun. Deshalb klagte sie.

So entschied das Landesarbeitsgericht Das LAG gab dem Arbeitgeber weitgehend recht. Es bezifferte den Schaden zwar etwas niedriger, verurteilte die ehemalige Arbeitnehmerin aber dennoch zur Zahlung eines Schadenersatzes in Höhe von mehr als 55.000 €. Begründet wurde dies mit einer Verletzung des Wettbewerbsverbots, was durch Server-Protokolle hinreichend belegt worden war. Damit verlor die Angestellte nicht nur ihren Arbeitsplatz. Vielmehr musste sie auch einen beträchtlichen Schaden begleichen. Das sollte Warnung genug sein – auch für Ihre Auszubildenden.

Das folgern Sie daraus für Ihre Ausbildungsarbeit

Ein Wettbewerbsverbot gilt auch für Auszubildende. Auch sie dürfen nicht gegenüber ihrem Ausbildungsunternehmen in Konkurrenz treten oder anderen Unternehmen dabei helfen, dies zu tun. Der entschiedene Fall macht deutlich, wie leicht es dazu kommen kann, seinen Job/Ausbildungsplatz zu verlieren und anschließend auf einer Menge Schulden sitzen zu bleiben.

Das Beispiel und die Entscheidung des LAG Rheinland-Pfalz können Sie mit Ihren Azubis durchaus besprechen – auch, weil es eine abschreckende Wirkung hat. Es zeigt nämlich, wie wichtig es ist, sorgfältig mit Daten umzugehen.

Ein Beitrag von Autor Martin Glania.

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