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Recht
26.11.2018

Mittagspause mit Glühwein gefüllt – Kündigung?

Frage:

„Einer unserer Auszubildenden ist nach der Mittagspause alkoholisiert am Ausbildungsplatz erschienen. Er hatte sich wohl in der Mittagspause mit einigen Freunden getroffen und es wurde ordentlich Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt konsumiert. Die Kollegen haben das sofort gemerkt und ihn nach Hause geschickt. Der zuständige Abteilungsleiter hat mich über diesen Vorfall informiert. Jetzt bin ich in folgendem Dilemma: Bei diesem Azubi handelt sich um den besten Auszubildenden, den wir seit Langem beschäftigt haben. Wir glauben, dass er auch an einer langfristigen Beschäftigung bei uns interessiert ist. Dass er nun einmal negativ aufgefallen ist, stellt sich uns schon deswegen als Problem dar, weil wir ihn eigentlich gar nicht bestrafen wollen. Eine fristlose Kündigung kommt schon gar nicht infrage. Damit würden wir uns selbst schaden. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass es sich bei dem Vorfall um einen Einzelfall handelte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Azubi nach einem ernsten Gespräch noch einmal in der Mittagspause Alkohol konsumiert. Welche Maßnahmen raten Sie mir?“

Antwort:

Ihr Azubi hat sich ein recht gravierendes Vergehen geleistet. Wenn er so betrunken war, dass es jeder Kollege bemerkt hat, dürfen Sie den Vorfall auf keinen Fall unter den Teppich kehren (was Sie sicherlich auch nicht vorhaben). Es stellt sich allerdings die Frage, welche Sanktionierung angemessen ist. In jedem Fall rate ich zu einem eindringlichen Gespräch, um die Einsicht des Auszubildenden zu erwirken. Von einer fristlosen Kündigung rate auch ich ab, da es sich um einen einmaligen Vorfall gehandelt hat. Vermutlich würde eine Kündigung einer Kündigungsschutzklage des Auszubildenden auch nicht standhalten. Insofern müssen Sie für sich die Frage beantworten, ob Sie den Azubi abmahnen (was möglich und angemessen ist) oder es bei dem eindringlichen Gespräch mit dem Verweis auf die Konsequenz einer Abmahnung im Wiederholungsfall belassen. Damit würden Sie ein Zeichen gegen- über anderen Kollegen und Auszubildenden setzen.

Es bleibt letztendlich Ihnen überlassen, ob Sie es bei einem ernsten Gespräch belassen möchten oder eine Abmahnung vorziehen. Legen Sie dabei auch in die Waagschale, ob sich der Auszubildende seines Fehlverhaltens bewusst ist und einsichtig gezeigt hat. Wenn Sie sich gegen eine Abmahnung entscheiden, haben Sie dennoch die Möglichkeit, Ihrer mündlichen Ermahnung Nachdruck zu verleihen, indem Sie diese (unter der Überschrift „Ermahnung“ statt „Abmahnung“) schriftlich formulieren, vom Azubi unterschreiben lassen und dieses Dokuments in die Personalakte aufnehmen. Eine Ermahnung wäre – angesichts des Vorfalls – allerdings eine eher geringe Sanktionierung, die auf Kollegen wenig abschreckend wirkt.

 

Autor: Günter Stein

 

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