0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
Syda Productions - Fotolia
Motivation
08.01.2019

So vermeiden Sie Missverständnisse mit Azubis

Missverständnisse zwischen Ausbildern und Auszubildenden gibt es leider häufig. Und das hat Folgen: Sie belasten das Verhältnis zueinander, hemmen den Lerneffekt und können sogar Betriebsabläufe stören. Dazu kommen negative Auswirkungen auf die Motivation aller Beteiligten.

So gut wie jedes Missverständnis zwischen Ausbilder und Azubi ist vermeidbar – und so gut wie jedes Missverständnis sollte auch vermieden werden. Defizite bei der Kommunikation machen den Weg frei für unterschiedliche Interpretationen, Missdeutungen und viele weitere negative Auswirkungen. Gehen Sie daher ganz bewusst und gut vorbereitet an die Kommunikation mit Ihren Auszubildenden heran, um Missverständnissen von vorneherein den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Vermeiden Sie klassische Kommunikationsfehler

Grundsätzlich sollten Sie bei der mündlichen oder schriftlichen Kommunikation mit Ihren Auszubildenden auf 3 Aspekte achten:

Beschönigen Sie nichts

Ist Kritik angebracht, dann muss diese Kritik auch geäußert werden. Ausbilder machen manchmal den Fehler, Defizite im direkten Gespräch mit dem Auszubildenden nicht deutlich genug zu benennen. Das ist nicht fair. Der Azubi hat ein Recht darauf, über seinen wahren Leistungsstand aufgeklärt zu werden. Beschönigen Sie also nichts.

Äußern Sie Kritik nicht per E-Mail

Kritik sollte immer mündlich überbracht werden. Wenn Sie dem Azubi gegenübersitzen, hat dieser die Möglichkeit, Ihre nonverbalen Signale aufzunehmen. Zudem können Sie an der Mimik und der Gestik des Auszubildenden ablesen, wie er die Kritik aufnimmt und wie er reagiert. Das ist per E-Mail nicht möglich (auch nicht bei der Kommunikation über soziale Netzwerke), was verhältnismäßig häufig dazu führt, dass schriftlich vorgetragene Kritik eine unnötige Eskalation zur Folge hat.

Auch wenn es für Sie angenehmer oder bequemer ist: Gehen Sie dem persönlichen Gespräch mit einem Auszubildenden niemals aus dem Weg.

Wenn sich eine E-Mail nicht vermeiden lässt

Wenn es nicht um kritische Äußerungen geht, lässt sich die Kommunikation per E-Mail natürlich nicht vermeiden. Schriftliche Kommunikation gehört zum betrieblichen Alltag dazu, macht die Vorgänge effizient und sorgt für zügige Kenntnisnahme. Allerdings wird in Gesprächen mit Mitarbeitern und Auszubildenden häufig der Fehler gemacht, dass eine Nachricht abgesendet wird, ohne dass sie noch einmal gelesen wird.

Das Problem, das sich dahinter verbirgt: Die meisten Menschen können nicht in der Geschwindigkeit schreiben, in der sie denken und sprechen. Das führt zu einer zeitlichen Diskrepanz und zu einer mangelnden Abstimmung zwischen der guten Absicht und dem geschriebenen Wort. Wer seine Nachricht vor dem Absenden noch einmal liest, wird häufig feststellen, dass sie Gedankensprünge enthält, die korrigiert werden sollten.

Sind Ihre Aussagen eindeutig? Machen Sie den Selbsttest!

Darüber hinaus sollten Sie darauf achten, dass Ihre Nachricht tatsächlich gedanklich aufgenommen werden kann. Sprechen Sie daher zielgruppengerecht, berücksichtigen Sie das Vorwissen des Auszubildenden und sorgen Sie für Blickkontakt.

Testen Sie sich zudem selbst, inwieweit Sie in der Lage sind, in einem Gespräch mit einem Azubi Botschaften frei von Missverständnissen zu formulieren. Legen Sie dabei folgende Checkliste zugrunde. Je weniger Kreuzchen Sie machen können, desto mehr müssen Sie an sich arbeiten.

  • Sie sprechen so, dass der Azubi Sie versteht, und vermeiden unnötige Fremdwörter.
  • Ihre Körpersprache passt zu Ihren Aussagen.
  • Sie beziehen mögliche Vorbelastungen mit ein (emotionale Ebene).
  • Sie rechnen mit Gegenargumenten und sind darauf vorbereitet.
  • Wenn Sie Ausführungen des Azubis nicht verstehen, fragen Sie sofort nach.
  • Sie sind in der Lage, Nein zu sagen und Wünsche des Azubis, ohne drum herum zu reden, abzulehnen.
  • Sie fassen grundsätzlich die Gesprächsinhalte am Ende des Gesprächs noch einmal zusammen oder lassen das den Azubi tun.

Sprechen Sie Ihre Azubis mit Namen an

Wahre Wunder bewirkt es übrigens, wenn Sie Ihre Azubis – ganz gleich ob Sie sie duzen oder siezen – immer wieder mit ihrem Namen anreden. Das bewirkt nicht nur, dass sie besonders gut zuhören, sondern auch, dass sie fragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Beides sorgt dafür, dass Missverständnisse vermieden werden.

Autor: Martin Glania

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Darf ich eine Stelle befristet besetzen, damit sie im nächsten Jahr für meinen Azubi frei wird?

Frage: Ich habe ein Problem. Wir sind ein eher kleines Ausbildungsunternehmen mit 16 Beschäftigten plus 2 Azubis. Einer befindet sich im 1., der andere im 2. Ausbildungsjahr. Im Sommer 2019 wird der eine seine Abschlussprüfung... Weiterlesen

23.10.2017
Suchen Sie jetzt die Paten für Ihre neuen Azubis aus

Viele Unternehmen sehen es als vorteilhaft an, neue Auszubildende, die im Spätsommer wieder auf sie zukommen, mit einer individuellen Patenbetreuung einzuarbeiten. Auch ich kann so ein Konzept nur unterstützen. Richten Sie daher... Weiterlesen

23.10.2017
Nichtübernahme: So verhindern Sie einen Imageschaden

Die Ausbildung in Ihrem Unternehmen ist vorzüglich? Sie tun alles dafür, die Qualität zu erhalten und zu verbessern? Dennoch können Sie nicht immer alle Auszubildenden übernehmen. Manchmal stehen keine ausreichend adäquaten... Weiterlesen