0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
contrastwerkstatt - Fotolia
Ausbildungsmarketing
07.08.2018

Marketingaktion und Azubiprojekt in einem

  1. Schicken Sie Ihre Auszubildenden doch wieder in den Kindergarten!

Dort nehmen die Azubis eine Woche lang verschiedene handwerkliche Arbeiten vor, z.B. Anstrich der Außenspielgeräte und von Innenräumen, Abriss des Spielhauses, Erneuerung des Sandkastens und der Zaunanlage, Rasenmähen, Entrümpelungsaktionen usw.

Das Ziel des Projekts ist, die Kommunikation unter den Berufssparten (Technik, Handwerk, Büro) der Auszubildenden zu fördern. Zudem werden soziale Kompetenzen eingeübt und Schlüsselqualifikationen gefördert.

Um das Projekt zu starten, stimmen Sie mit dem Kindergarten und der Gemeinde einen Rahmen ab, in dem die zu leistenden Arbeiten festgelegt werden.

Achtung!

Achten Sie darauf, dass die Tätigkeiten, die die Auszubildenden vor Ort ausführen, mit den Vorgaben aus den Ausbildungsplänen übereinstimmen. Es muss sich also um Tätigkeiten „im Rahmen der Ausbildung“ handeln. Im Zweifelsfall sollten Sie Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer vor Ort befragen.

  1. Machen Sie aus Ihrem Projekt ein Abenteuer

Die Wissenschaftler der „Münchener Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung“ haben die Idee „Abenteuer Kultur“ entwickelt. Dabei geht es darum, dass die Azubis einzeln oder auch in Gruppen ihre konkreten Aufgaben gut erkennen und selbst strukturieren.

Dieses sehr innovative Ausbildungskonzept verfolgt z.B. die Drogeriemarktkette dm seit einiger Zeit. Das Unternehmen stellt seine Ausbildung unter das Motto „Erlebnis-Ausbildung“. Ziel des 3-teiligen Ausbildungskonzepts ist, den Auszubildenden nicht nur eine berufliche, sondern auch eine persönliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Zu dem Konzept gehören die 3 Ausbildungssäulen „Lernen in der Arbeit“, „Abenteuer Kultur“ und „Forum Schule“.

Doch vor allem mit dem „Abenteuer Kultur“ hat dm Aufsehen erregt. Bei Theater-Workshops, die von Künstlern geleitet werden, erfahren die Jugendlichen sehr unmittelbar ihre eigene Kreativität und Ausdrucksfähigkeit. Das schafft ein Selbstbewusstsein, das von den älteren Kollegen wie von den Kunden erlebt werden kann. Ziel ist, dass die Auszubildenden durch diese „Künstler-Workshops“ lernen, gegenüber den Kunden sicher aufzutreten und gute Gespräche zu führen, indem sie lernen aktiv auf den Kunden zuzugehen und eine echte Beratungsleistung zu erbringen.

Die Idee hinter dem „Abenteuer Kultur“

Durch die Beschäftigung mit künstlerischen Ausdrucksformen sollen bei den Auszubildenden Kreativität und Selbstvertrauen gefördert werden. Während des Projektes haben die Azubis reichlich Gelegenheit, zu tanzen, zu fechten und vor allem deutlich und sicher sprechen zu lernen. Unter professioneller Anleitung unternehmen sie Traumreisen, entwickeln Ideen, die in ihre (öffentlichen) Theateraufführungen mit eingearbeitet werden, und dürfen – je nach Lust und Neigung – als Reporter die Entwicklung von der Idee bis zur Aufführung per Videokamera dokumentieren.

Der Ablauf des „Abenteuer Kultur“

Die Auszubildenden bestreiten insgesamt 3 Stationen bei dem „Abenteuer Kultur“. Sie beginnen mit Vertrauensübungen, gefolgt von Anleitungen, wie man sich auf der Bühne selbstsicher und natürlich bewegt. Und sie lernen, Stimme, Mimik und Gestik professionell einzusetzen und miteinander in Einklang zu bringen.

 

  1. Sammeln Sie pressewirksam Spenden

Spendenaktionen sind für die Presse immer eine willkommene Angelegenheit, darüber zu berichten, einen Bericht wert und für die Azubis ein Projekt, bei dem sie soziale Kompetenz lernen können.

Setzen Sie sich dazu mit Ihren Azubis zusammen und lassen Sie jeden Einzelnen eine wohltätige Organisation suchen. Die Azubis erhalten die Aufgabe, Informationen über die Organisation zu sammeln. Diese präsentieren sie den anderen Azubis und Ihnen im gemeinsamen Kreis. Im Anschluss stimmen sie ab, welche Organisation den Erlös der Sammelaktion erhalten soll.

Im Rahmen einer betrieblichen Mitarbeiterfeier führen die Azubis dann eine Tombola für diese Organisation durch. Auch diese muss natürlich im Vorfeld geplant und organisiert werden. Ebenso müssen die Azubis Informationen über die Organisation zusammenstellen, damit die Mitarbeiter wissen, wofür Sie spenden.

Mein Tipp: Optimal ist der Effekt, wenn die Unternehmensleitung den Tombola-Erlös um die gleiche Summe aufstockt. Bei der öffentlichen Scheckübergabe können die Auszubildenden die Gelegenheit nutzen, sich über die Arbeit der jeweiligen Organisation zu informieren.

  1. Jedes Jahr ein soziales Projekt für Ihre Azubis – und für Sie

Gutes zu tun und darüber zu reden, ist eine Devise professioneller Öffentlichkeitsarbeit. Wer hiernach handelt, kann Nutzen auf allen Ebenen ziehen: für die Zielgruppe, für die Region, für die Gesellschaft, für die Azubis, für das Betriebsklima und für die Ausbildungsarbeit im Unternehmen insgesamt. Gerade Ausbildungsbetriebe sollten daher nach dieser Devise handeln.

Unter diesem Motto hat die Sparkasse Westerwald-Sieg kürzlich ein soziales Projekt durchgeführt. Die 17 Auszubildenden des ersten Ausbildungsjahres arbeiteten und erlebten einen Tag in einer regionalen Werkstätte für beeinträchtigte Personen.

Die Azubis wurden zunächst offiziell empfangen und mit der Arbeit der Einrichtung vertraut gemacht. Anschließend nahmen sie am Arbeitsalltag der dort beschäftigten beeinträchtigten Menschen teil. Diese stellten den Azubis ihre Tätigkeiten vor. Die Auszubildenden erfuhren beispielsweise, dass Arbeiten im Auftrag verschiedener Firmen aus der Region ausgeführt werden. So konnten die Azubis zahlreiche Eindrücke, insbesondere im Gespräch, sammeln.

Sie erlebten den Umgang der beeinträchtigten Kollegen miteinander, die Freude, die ihnen die Tätigkeit bereitet, und die Erkenntnis, wie wichtig der damit zusammenhängende geregelte Arbeitsalltag für die dort Beschäftigten ist.

Geringer Aufwand – großer Nutzen

Es ist nicht aufwendig, einen Kontakt zu einer sozialen Einrichtung herzustellen und kleine Projekte oder (gegenseitige) Besuche zu initiieren. Die Kosten für das Ausbildungsunternehmen sind minimal oder liegen sogar bei null.

Dem steht ein beachtlicher Nutzen auf unterschiedlichen Ebenen gegenüber:

  • Für Auszubildende: Sie haben einen abwechslungsreichen Tag, profitieren von Eindrücken aus einer ihnen nicht oder kaum bekannten Welt, lernen sich selbst besser kennen und können zeigen, dass sie auf dem Gebiet des sozialen Miteinanders Kompetenzen haben.
  • Für das Ausbildungsunternehmen: Der Ausbildungsbetrieb tut etwas Besonderes für seine Azubis, ohne erheblich belastet zu werden. Die Ausbildung erhält eine zusätzliche Facette, die sich positiv auf die spätere Ausbildungsarbeit und auf die Ausbildungsatmosphäre auswirken könnte. Wer in der Lage ist, ein solches Projekt über eine Pressemitteilung zu vermarkten, der profitiert zusätzlich von positiven Effekten für sein Ausbildungsmarketing.
  • Für die kooperierenden Einrichtungen: Die Mitarbeiter entsprechender Einrichtungen profitieren ebenfalls von einem Tag, der vom Alltag abweicht. Oftmals sprudeln sie vor lauter Begeisterung über und erzählen jede Menge von ihrer Arbeit. Die Einrichtung selbst profitiert auch davon, wenn ein solches Projekt in die Öffentlichkeitsarbeit integriert wird.

Abwechslung in die Projektarbeit bringen

Die Sparkasse Westerwald-Sieg sorgt dafür, dass immer wieder neue Projekte angestoßen werden. Sowohl für die Projektmitarbeiter als auch für die Medienpartner ist es besonders interessant, dass jedes Jahr andere Projektideen zum Zuge kommen.

So hat die Sparkasse im vergangenen Jahr mit ihren Auszubildenden in den Ausgabestellen der örtlichen Tafel mitgeholfen – ebenfalls eine eindrucksvolle Erfahrung.

Sind auch Sie an einer solchen Kooperation mit sozialen Einrichtungen interessiert?

Dann empfehle ich folgende Vorgehensweise:

  • Bilden Sie einen runden Tisch – zusammen mit Ihren Auszubildenden – und sammeln Sie Vorschläge, welche Einrichtungen Ihrer Region infrage kommen.
  • Nehmen Sie anschließend mit diesen Einrichtungen Kontakt auf. So erfahren Sie, wie groß das Interesse an einer Zusammenarbeit ist.
  • Überstürzen Sie nichts, sondern planen Sie das Projekt weit im Voraus.

So setzen Sie ein Projekt um

Wenn Sie selbst Azubi-Projekte dieser Art gerne durchführen, dann können Sie auch in Erwägung ziehen, verschiedene kleinere Projekte parallel miteinander und zudem als Wettbewerb laufen zu lassen. Dazu brauchen Sie natürlich mehrere motivierte Auszubildende, die ihre Kreativität bereits unter Beweis gestellt haben. Es kommt es vor allem darauf an, eine gute Idee zu haben, die für Motivation sorgt.

Beispiele:

„Wie können wir noch ökologischer denken und handeln?“ Ein Projekt dieser Art lässt sehr viel Spielraum für Kreativität, greift ein aktuelles Thema auf und wird einige gute Ideen in Ihren Azubi-Gruppen hervorrufen. Der Clou: Möglicherweise lässt sich die eine oder andere sogar umsetzen.

„Wie kann es uns gelingen, jüngere Kunden anzusprechen?“ Bei einem solchen Thema fühlen sich die Auszubildenden natürlich besonders kompetent: Sie sind schließlich Experten in Sachen junge Menschen und wissen ganz genau, was diese begeistert und was aus ihrer Sicht eher nicht „in“ ist. Das könnte zum Beispiel ein gemeinsames Projekt mit einer Förderschule aus Ihrer Stadt sein.

„Wie können wir den Arbeitsalltag gesünder gestalten“. Das ist ein Projekt, das Auswirkungen auf alle Mitarbeiter haben kann. Deshalb wird das Projekt vermutlich eine breite Unterstützerbasis finden.

 

Autor: Günter Stein

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Ausbildungsmarketing 4.0: Der perfekte Projekt-Job für Ihre Azubis

Was verbinden externe Personen mit Ihrem Ausbildungsbetrieb? Oder konkreter: Welche positiven Assoziationen haben potenzielle Bewerber, wenn sie an eine mögliche Ausbildung in Ihrem Hause denken? Sorgen Sie mithilfe regelmäßig... Weiterlesen

23.10.2017
Immer wieder Probleme mit Smartphones am Arbeitsplatz?

Jugendliche und Smartphones – beides gehört irgendwie zusammen. Im Rahmen der Ausbildung sollte es allerdings Einschränkungen geben. Schließlich müssen sich Auszubildende dem Arbeiten und Lernen widmen. Folgende 4 Regeln... Weiterlesen

23.10.2017
So erscheint Ihr Unternehmen noch attraktiver

Qualifizierte Schulabgänger, die von ihren Bewerbungsunterlagen her viel versprechen, werden Sie in Ihr Unternehmen einladen, um sie kennenzulernen. Gleichzeitig werden auch diese Bewerber sich Ihr Unternehmen genau anschauen, ob... Weiterlesen