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Motivation
29.05.2018

Will er nicht oder kann er nicht? Leistungsschwache Azubis motivieren

Kennen Sie das? Ihr neuer Auszubildender ist in einem Bereich herausragend und in einem anderen Bereich maximal Mittelmaß. Das passt nicht zusammen? Dann schauen Sie doch mal, zu welchem Typ er gehört und was Sie konkret tun können, um leistungsschwache Azubis herauszufordern.

Die 3 häufigsten Ursachen für Leistungsschwäche

Wenn ein Azubi weniger leistet, als Sie es sich als Ausbilder und Führungskraft wünschen, muss das nicht seinem bösen Willen geschuldet sein. Viel häufiger sind die folgenden 3 Ursachen:

  1. Mangelnde Ressourcen
  2. Persönliche Schwächen
  3. Verweigerungshaltung aufgrund fehlender Motivation

Die entsprechenden 3 Typen müssen Sie mit ganz unterschiedlichen Maßnahmen ansprechen.

 

Typ 1 (mangelnde Ressourcen): bestärken und ermutigen

Wenn jemand etwas nicht kann und auch nicht zu lernen vermag, hilft Druck nicht weiter. Im Gegenteil: Der Azubi verliert seine Freude am Job und den Mut, sein Bestes zu geben. Im Team könnte er zum Außenseiter und Mobbingopfer werden.

Ihre Strategie:

  • Weisen Sie dem Auszubildenden Aufgaben zu, die ihm Erfolge ermöglichen. Denn auch die Schwachen brauchen immer wieder die Bestätigung: „Ich habe etwas geschafft!“
  • Achten Sie darauf, dass der Azubi nie im direkten Vergleich mit (Azubi-)Kollegen stehen muss. Weisen Sie ihm gänzlich oder zum Teil nicht vergleichbare Aufgaben zu.
  • Loben Sie den Auszubildenden für gelungene Leistungen und bestätigen Sie seinen Wert für das Team. Die Rolle des „Sozialfalls“ darf ihm nicht zugeschoben werden. Jedes Teammitglied braucht die Gewissheit: „Ich bin für den gemeinsamen Erfolg wichtig und werde von allen geschätzt.“

Typ 2 (persönliche Schwächen): coachen

Der Azubi, der seine Leistung durch persönliche Schwächen

selbst torpediert, braucht

  • von Ihnen die klare Botschaft, dass es so nicht mehr weitergehen darf, Unterstützung, Förderung und bei Bedarf auch Druck. Er darf sich darauf verlassen, dass Sie nicht gegen ihn, sondern mit ihm an seinen Schwächen arbeiten.
  • aus sich selbst heraus die Disziplin, sein Verhalten zu ändern. Er muss akzeptieren, dass von ihm Selbstüberwindung verlangt wird.

Ihre Strategie:

  • Sagen Sie dem Azubi freundlich, aber auch sehr bestimmt, was nicht in Ordnung ist und was Sie von ihm erwarten. Je konkreter Sie dabei werden, desto besser ist es. Es gilt der Grundsatz: Freundlich im Ton, aber hart in der Sache.
  • Fordern Sie den Auszubildenden auf, sich nun selbst zu überlegen, was ihm helfen könnte, die Schwäche zu überwinden. Geben Sie ihm dafür ein paar Tage Bedenkzeit.
  • Beim nächsten Gespräch soll der Azubi Änderungsvorschläge machen. Sie unterstützen ihn durch gezieltes Fragen. Schildern Sie auch Ihre Beobachtungen: „Ich habe den Eindruck, dass …“

Achtung: Setzen Sie Ihrem Azubi keine fertigen Lösungen vor, sondern lassen Sie ihn selbst Wege aus der Leistungsschwäche finden.

Erwarten Sie keine Wunderdinge

Rechnen Sie lieber in der ersten Zeit mit Rückschlägen. Niemand kann ein lange aufgebautes Fehlverhalten mal eben umstellen. Ihr Azubi wird die Veränderung mühsam verinnerlichen müssen. Machen Sie Mut! Geben Sie positives Feedback, wenn Sie die Bemühungen sehen – auch dann, wenn noch nicht alles klappt. Loben Sie, was schon besser ist als vorher.

Typ 3 (Verweigerung): eine neue Chance geben

Es wird Sie vermutlich ärgern, wenn ein Azubi eigentlich gute Leistung erbringen könnte, sich jedoch in den Dienst nach Vorschrift oder die Drückebergerei zurückzieht. Ein solcher Auszubildender lässt nicht nur Sie im Stich, sondern bürdet auch noch den Kollegen seine Arbeit mit auf. Hinter einer

Verweigerungshaltung steckt allerdings selten böser Wille. Häufiger ist sie eine Reaktion auf ein vergangenes Erlebnis, z. B. die Enttäuschung über eine Zurücksetzung oder der Frust über erlebte oder vermeintliche Ungerechtigkeiten. Wahrscheinlich ist dem Azubi die Motivation bereits abhandengekommen, lange bevor Sie für ihn verantwortlich wurden.

Ihre Strategie:

Ärgern Sie sich nicht über den Demotivierten, sondern reichen Sie ihm die Hand und bitten Sie ihn zu einem Gespräch. Wichtig für den Gesprächserfolg ist: Der Azubi darf nicht das Gefühl haben, Sie wollten ihn zu mehr Engagement zwingen. Machen Sie ihm auch keine Vorwürfe; er müsste sich sonst rechtfertigen. Beides würde seine Verweigerungshaltung zementieren.

Im Gespräch muss stattdessen bei dem Auszubildenden die Erkenntnis reifen: „Mein Chef traut mir mehr zu. Er mag mich und will mit mir einen neuen Anfang machen.“ Sagen Sie beispielsweise: „Ich verstehe, dass das hier nicht Ihre Traumausbildungsstation ist. Aber es wird für Sie doch auch nicht dadurch besser, dass Sie sie mit Frust wagen. Ich und das ganze Team brauchen Ihren Einsatz und schätzen Sie als Mensch.“ Sie haben auf diese Weise gute Chancen, dass Ihr Azubi nur noch ein wenig seine Wunden leckt und dann tatsächlich seine Leistung deutlich steigert.

Weitere Motivationstipps gibt es hier!

Autor: Günter Stein

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