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Ausbildungsqualität
26.01.2020

Leistungen: So kommen Sie einem Konflikt zuvor

Nicht jeder Auszubildende erbringt die Leistungen, die man von ihm erwartet. Manch ein Kollege, Ausbilder oder Vorgesetzter ist enttäuscht und lässt sich das auch anmerken. Das kann zur Demotivation des Azubis führen und die eh schon angespannte Situation verschlechtern. Darum sorgen Sie dafür, dass der Leistungsaspekt nicht zum Streitthema wird.

Auch Auszubildende unterliegen Leistungsschwankungen. Ein Azubi kann sich in einer Abteilung pudelwohl fühlen, was sich auf seine Leistung, Motivation und das Arbeitsklima auswirkt. Während eines anderen Ausbildungsabschnitts hingegen kann das ganz anders sein: Der Azubi tut sich schwer und hat keine Erfolgserlebnisse. Wenn seine Motivation darunter leidet, kann das zu allgemeiner Unzufriedenheit führen.

Die Leistung stimmt nicht: So reagieren Sie

Eines vorab: Mangelnde oder fehlende Leistung ist kein
Grund, dem Azubi mit Sanktionen zu drohen oder diese sogar zu realisieren. Auch
wenn es in der Berufsschule rapide bergab geht oder die betriebliche Beurteilung
sehr schlecht ausfällt, ist das kein Grund für eine Abmahnung und schon gar
nicht für eine Kündigung.

Nur wenn der Leistungsabfall auf gezielter Arbeits- oder Lernverweigerung beruht, sind Sanktionen möglich. Allerdings ist das nur selten der Fall, und Ihrer Beweislast als Ausbilder oder Ausbildungsverantwortlicher können Sie kaum gerecht werden.

Gehen Sie den Gründen für die mangelnden Leistung nach

Warum ist die Leistung eines Auszubildenden so schlecht? Hierfür kommen verschiedene Faktoren infrage:

Dem Auszubildenden fehlen Basiskenntnisse

Dem Azubi fehlen wichtige Voraussetzungen wie Kenntnisse,
Fertigkeiten und/oder Fähigkeiten, um bei der Umsetzung bestimmter Tätigkeiten
die gewünschte Leistung zu erbringen. Möglicherweise spürt er das selbst,
möchte aber nicht darüber reden.

Daher ist es Ihre Aufgabe als Ausbilder, die
Rahmenbedingungen genau zu untersuchen: An welcher konkreten Stelle ist die
Leistung schlecht? Steigt der Azubi gedanklich oder handwerklich aus? Was genau
fehlt ihm, um die gewünschte Leistung zu erbringen? Hat er möglicherweise aus
Krankheitsgründen Inhalte versäumt? Oder ist der Ausbildungsplan nicht gut
genug auf ihn zugeschnitten, und er kann bestimmte Detailkenntnisse noch gar
nicht haben?

Sorgen Sie dafür, dass die fehlenden Inhalte nachgeholt werden, und bieten Sie Ihre Hilfe an. Auch können Sie den Ausbildungsplan so umstellen, dass zunächst einmal weitere Basiskenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten erlernt werden.

Der Azubi hat nicht verstanden, worum es geht

Jede Abteilung und jeder Arbeitsplatz gehören zur
Wertschöpfungskette des gesamten Unternehmens. Weiß der Azubi, welche Rolle er
dabei spielt? Kennt er seine Aufgabe genau? Wurde ihm alles erklärt? Hier zeigt
sich gleich ein doppelter negativer Aspekt: Zum einen kann er keine Antwort in
Form von Leistung geben, wenn er die Frage nicht verstanden hat. Zum anderen
wirkt die für ihn undurchsichtige Situation demotivierend. Machen Sie daher das
Verständnis für seine Rolle innerhalb der betrieblichen Arbeit zum gemeinsamen
Thema. Erläutern Sie, worum es bei einer bestimmten Aufgabe geht und warum die
damit verbundenen Tätigkeiten so wichtig sind.

Tipp: Lassen Sie ihn die Frage- beziehungsweise Aufgabenstellung wiederholen, nachdem sie ihm zugeteilt worden ist. So erfahren Sie, ob er sie wirklich verstanden hat, und ob er weiß, worauf es ankommt.

Der Auszubildende leidet unter dem schlechten Klima in der
Abteilung

Das kommt häufiger vor, als man denkt. Nicht überall ist die
Stimmung gut, und nicht überall ist die Einstellung zu Auszubildenden die
beste. In solchen Fällen wenden Sie sich an den Ausbildungsbeauftragten der
entsprechenden Abteilung sowie an die Kollegen, die mit dem Azubi zu tun haben.
Offenbar gibt es hier Defizite in der Führung von Mitarbeitern und im
speziellen im Umgang mit Auszubildenden. Es sind die Kollegen und Ausbilder,
die in solchen Fällen nachzuschulen sind. Im Einzelfall kann auch ein neuer
Ausbildungsbeauftragter benannt werden. Gehen Sie dabei mit dem notwendigen
Fingerspitzengefühl vor, ohne Ihre erste Präferenz aus dem Auge zu verlieren:
das Wohl Ihrer Azubis.

Beachten Sie: Sie können etwas tun
Die Beispiele zeigen, dass Sie etwas gegen abfallende Leistungen tun können, bevor sie zum Streitthema werden. Sie als Ausbilder sollten dennoch akzeptieren, dass es Auszubildende gibt, die tendenziell schwächere Leistungen erbringen. Gerade in der heutigen Zeit des Bewerbermangels müssen Ausbildungsbetriebe damit umgehen können, Sie sollten vermehrt Hilfen anbieten und das große Ziel – das Bestehen der Abschlussprüfung – im Auge behalten.

Ein Beitrag von Martin Glania.

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