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Recht
10.08.2019

Kündigung vor Ausbildungsbeginn möglich?

Generell können sowohl der Ausbildungsbetrieb als auch der Auszubildende vor Beginn der Ausbildung zu den Bedingungen der Probezeit kündigen. Schon manch ein Azubi ist so kurz vor dem Ausbildungsstart und zum Leidwesen seines künftigen Ausbildungsbetriebs abgesprungen. Dass der Ausbildungsbetrieb diese Option zieht, kommt deutlich seltener vor. Es wirft natürlich kein gutes Licht auf einen Betrieb, wenn er erst einen Vertrag abschließt und diesen dann wieder kündigt. Spricht sich das herum, kann der Ruf schnell ruiniert sein.

Ein Beispiel aus der Praxis für die Kündigung vor Ausbildungsbeginn

Ein Unternehmen ist im Kreditgewerbe tätig, und möchte, dass die Mitarbeiter inklusive aller Azubis in der Lage sind, Gelder sorgfältig zu verwalten. Daher fragte es im Vorstellungsgespräch auch stets nach diesem Aspekt.

Mit einer Bewerberin schloss das Unternehmen einen Ausbildungsvertrag zum 1. September abgeschlossen. Im Nachhinein kam heraus, dass die Bewerberin in erheblichem Ausmaß Schulden hat (was sie im Vorstellungsgespräch noch bestritten hatte). Mit diesem Wissen wollte der Betrieb die Ausbildung mit ihr doch nicht durchführen und kündigte vor Beginn der Ausbildung. Gekündigt. Im Kündigungsschreiben beschreib das Unternehmen ehrlich seine Motive.

Aber die Bewerberin geht gegen die Kündigung vor. Anwalt macht zum einen deutlich, dass ihre Schulden keineswegs ein Indiz dafür seien, dass sie nicht mit Kundengeldern umgehen kann. Außerdem führt er an, dass wir die künftige Auszubildende nach dem Allgemeinen Gleichbe handlungsgesetz (AGG) wegen ihres Vermögens unzulässig benachteiligt hätten.

Die Begründung der Kündigung macht die Sache aber deutlich komplizierter. Schließlich hätte der Betrieb auch ohne Angabe eines Grundes vor Ausbildungsbeginn zu den Bedingungen der Probezeit kündigen können.

Bisherige Rechtsprechung gibt Entwarnung für die Kündigung vor Ausbildungsbeginn

In einem ähnlichen Fall, den das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf vor einigen Jahren entschieden hatte, wurde eine entsprechende Kündigung als rechtens eingestuft (9 Sa 909/11 vom 16.9.2011). Hier hatte eine belastende Schufa-Auskunft einen Ausbildungsbetrieb dazu veranlasst, einer angehenden Bankkauffrau noch vor Ausbildungsbeginn zu kündigen. In seiner Urteilsbegründung machte das Gericht deutlich, dass die angehende Auszubildende ihre Schulden bewusst verschwiegen habe und dass auf der anderen Seite ein angemessener Umgang mit Geld unabdingbar sei. Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) konnte die Klage gegen die Kündigung nicht stützen, da eine Benachteiligung wegen der Vermögensverhältnisse im AGG keine Rolle spielte.

Schlussfolgerungen für Sie: Wenn Sie künftig vor Ausbildungsbeginn kündigen wollen, dann machen Sie das zu den Bedingungen der Probezeit und geben Sie dafür keinen Grund an.

Ein Beitrag von Martin Glania.

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