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Recht
05.03.2019

Kündigung: Gehen Sie keine Kompromisse ein!

Die fristlose Kündigung eines Auszubildenden bleibt zum Glück eine seltene Erscheinung. Nur in extremen Fällen muss die Ausbildung einseitig beendet werden. Liegt hierfür ein wichtiger Grund vor, bei dem die Weiterbeschäftigung unzumutbar ist, dann sollten Sie dem Azubi keinesfalls mehr entgegenkommen. Das belegt ein kürzlich veröffentlichtes Gerichtsurteil.

In diesem Fall hatte eine Arbeitnehmerin den Grund für eine fristlose Kündigung geliefert: Sie manipulierte die Excel-Tabelle, mit der ihre Arbeitszeiten erfasst wurden. Sie betrog dadurch ihren Arbeitgeber um 135 Minuten. Nach einem Gespräch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin kam es zu einer fristlosen Kündigung. Der Arbeitgeber bot dieser Mitarbeiterin jedoch an, sie noch bis zum Ende des Jahres weiterzubeschäftigen.

Dieses Angebot, das gut gemeint war, hatte allerdings für den Betrieb sehr negative Auswirkungen. Die Arbeitnehmerin ging nämlich gegen ihre Kündigung vor. Sie argumentierte damit, dass dem Arbeitgeber ihre Weiterbeschäftigung noch zumutbar sei – schließlich habe er ihr diese ja für einige Monate angeboten. Das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg sah das ganz genauso und kippte die Kündigung (15 SA 214/18 vom 14.6.2018).

Das lernen Sie aus dem Gerichtsurteil

Das Urteil des LAG Berlin-Brandenburg ist für ausbildende Betriebe von hoher Relevanz. Schließlich geht es hier um eine fristlose Kündigung aus wichtigem Grund – also um eine Kündigung, die auch in Ausbildungsverhältnissen möglich ist. Der bewusste Arbeitszeitbetrug mit dem Ziel, eine Bezahlung für nicht geleistete Arbeits- und Ausbildungsstunden zu erhalten, führte auch schon in Ausbildungsverhältnissen zu berechtigten Kündigungen.

Sie sollten eine solche Kündigung allerdings so durchziehen, wie sie gemeint ist: nämlich fristlos. Keineswegs dürfen Sie einem Azubi, der einen wichtigen Grund für eine Kündigung geliefert hat, noch bis zu einem bestimmten Termin weiterbeschäftigen. Im Gegenteil: Mit einer außerordentlichen Kündigung beenden Sie das Ausbildungsverhältnis sofort.

Beachten Sie: Die Zumutbarkeit, einen Auszubildenden weiterzubeschäftigen, ist bei der Beurteilung einer Kündigung durch Arbeitsgerichte der springende Punkt. Entweder sind Sie der Meinung, dass es Ihnen zumutbar ist, diesen Auszubildenden weiterzubeschäftigen – dann werden und sollten Sie nicht kündigen. Oder es ist Ihnen keineswegs mehr zumutbar, weil das Vertrauensverhältnis zu sehr gelitten hat – dann kündigen Sie ohne Weiterbeschäftigungskompromisse.
Autor: Martin Glania

 

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