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Recht
16.10.2018

Kündigung eines homosexuellen Azubis

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Minderheiten im Ausbildungsbetrieb und im Auswahlverfahren. Das gilt auch für Auszubildende. Ein aktueller Fall zeigt jedoch einmal mehr: Bei der Kündigung eines homosexuellen Mitarbeiters kann dieser sich nicht automatisch auf das AGG berufen. Vielmehr muss die Kündigung klar auf seine Homosexualität zurückbeziehbar sein.

In dem Fall, den das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein zu entscheiden hatte, wurde einem homosexuellen Arbeitnehmer gekündigt. (5 Sa 438/17 vom 12.4.2018). Er ging vor Gericht gegen die Kündigung vor, weil er sich nach dem AGG diskriminiert fühlte. Darüber hinaus verlangte er Schadenersatz wegen diskriminierender Äußerungen. Beispielsweise hatte der Arbeitgeber diesem Kollegen einmal die Frage gestellt, wie die Rollenverteilung in seiner Beziehung sei. Damit hatte das Gericht nicht nur über die Kündigung des Mitarbeiters zu entscheiden, sondern auch, ob eine solche Frage als diskriminierend eingestuft werden könne.

Kündigung nicht gerechtfertigt

Das LAG kam zu dem Schluss, dass dem Mitarbeiter aufgrund der Faktenlage zu Unrecht gekündigt worden war. Es sei allerdings kein Bezug der Kündigung zur Homosexualität des Mitarbeiters erkennbar. Damit stellte sich noch die Frage, ob der Kollege Schadenersatz geltend machen konnte.

Keine Diskriminierung – kein Schadenersatz

Die Frage nach der Rollenverteilung in der Beziehung des Kollegen wurde vom LAG als unpassend eingestuft. Sie sei jedoch kein Indiz für eine Diskriminierung wegen seiner Homosexualität. Mit seiner Schadenersatzforderung hatte dieser Kollege somit keinen Erfolg.

Respekt gegenüber allen Auszubildenden

Der Fall macht deutlich, dass manch ein Mitarbeiter oder Auszubildender mit der Auslegung des AGG zu den eigenen Gunsten zu weit geht. Er zeigt aber auch auf, dass bestimmte Bemerkungen gegenüber Minderheiten für eine Diskriminierung ausreichen können. Eine Frage nach der Rollenverteilung in der homosexuellen Beziehung wie im vorliegenden Fall geht aus meiner Sicht schon zu weit. Der Nachweis einer Diskriminierung konnte zwar nicht erbracht werden, wenn eine Frage jedoch provokant und herablassend gestellt wird, schließe ich persönlich eine diskriminierende Absicht nicht aus. Seien Sie also vorsichtig.

Beim Umgang mit Auszubildenden, die Minderheiten angehören, ist Respekt für mich das Zauberwort: Respekt vor dem Geschlecht, Respekt vor der dem Privatleben, Respekt vor der Kultur und Respekt vor der Religion. Herablassende Äußerungen und provokante Fragen sind nicht nur vom Ausbildungspersonal zu unterlassen. Alle an der Ausbildung Beteiligten haben penibel darauf zu achten, dass respektloses Verhalten unterbleibt. Ansonsten könnten nicht nur Schadenersatzforderungen die Folge sein, sondern auch ein Imageverlust des Betriebs.

Autor: Martin Glania

 

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