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Motivation
29.05.2018

Krise innere Kündigung: früh erkannt – Problem gebannt

Ihre Auszubildenden gehen mit einer bestimmten Erwartung in die Ausbildung. Wird diese in Ihrem Unternehmen erfüllt oder gar übererfüllt, ist eine Ausbildungskrise in weiter Ferne. Wird sie allerdings enttäuscht, besteht die Gefahr, dass der betroffene Azubi sich in eine innere Kündigung zurückzieht. Wie Sie das Problem rechtzeitig erkennen und erfolgreich gegensteuern, verrät Ihnen dieser Beitrag.

Das grundlegende Problem

Nicht immer hat der Azubi eine richtige Vorstellung von dem, was ihm in der Ausbildung begegnet. Dies kann an den Erwartungen des Azubis oder auch an der Kommunikation des Unternehmens liegen. Die Azubis erschrecken dann über den rauen Umgangston, entdecken sich selbst am unteren Ende der Hierarchie und bekommen das täglich zu spüren. Jetzt besteht die Gefahr, dass die anfängliche Begeisterung verfliegt und nur noch das Nötigste erledigt wird.

Erkennen Sie die ersten Anzeichen einer inneren Kündigung

Je früher Sie Anzeichen für eine innere Kündigung entdecken, desto mehr können Sie dem entgegenwirken. Prüfen Sie daher genau, ob der Auszubildende emotional noch „voll da“ ist.

 

Checkliste: Gibt es Anzeichen für eine innere Kündigung Ihres Auszubildenden?

Fragestellung Ja Nein
Hat sich das Verhalten des Auszubildenden in den letzten Wochen geändert?
Macht er in seiner Ausbildungsabteilung keine eigenen Vorschläge (mehr)?
Wirkt er eher gelangweilt, genervt oder apathisch? Ist er nicht ganz bei der Sache?
Wirkt er in sich gekehrt? Hat er sich im Vergleich zu früher zurückgezogen?
Teilt er Kollegen, Ausbildern und anderen Azubis nichts oder seltener als zuvor Privates mit?
Oder umgekehrt: Macht der Azubi sein Privatleben zum Interessenschwerpunkt Nummer eins im Betrieb?
Ist er häufiger krank als früher?
Macht er sich über andere oder über Arbeitsabläufe lustig?
Nimmt er Einladungen zu freiwilligen Betriebsfesten nicht mehr wahr?
Macht er überpünktlich Feierabend – auch wenn noch jede Menge zu erledigen wäre?
Lassen seine Berufsschulleistungen im Gegensatz zu früher deutlich nach?
Zeigt er sich wenig beeindruckt von negativen Bewertungen im Betrieb bzw. schlechten Berufsschulnoten?

 

Auswertung: Je öfter Sie ein Kreuz bei „Ja“ setzen mussten, desto wahrscheinlicher ist es, dass Ihr Auszubildender innerlich kündigen könnte. Ganz offenbar sind Ereignisse eingetreten, die für ihn negativ waren und die er nicht positiv verarbeiten konnte. Es ist jetzt höchste Zeit, gegenzusteuern.

So verhindern Sie die innere Kündigung Ihres Azubis

Konsequente und motivierende Führung mit klaren Zielen ist die beste Strategie, eine innere Kündigung Ihres Auszubildenden zu verhindern. Für Sie heißt das konkret:

  1. Keine bösen Überraschungen bereiten

Versuchen Sie, Ihre Auszubildenden auf mögliche Veränderungen vorzubereiten. Ein Wechsel des Ausbilders und der Ausbildungsabteilung ist für manche Auszubildenden ein tiefer Eingriff in das Berufsleben – vor allem, wenn sie noch recht jung sind oder ihre Persönlichkeit noch nicht sehr ausgereift ist. Schließlich gab es in der bisherigen Station einige Bezugspersonen, die nun wegfallen. In vielen Fällen haben sich Sympathien entwickelt und wurden Freundschaften geschlossen. Die mit einem Wechsel in Ihre Abteilung einhergehende Veränderung war möglicherweise ein gravierender Einschnitt, der sich auf die Stimmung des Auszubildenden ausgewirkt hat.

Sorgen Sie dafür, dass das in Zukunft abgefedert wird, und bereiten Sie den Azubi auf den nächsten Ausbildungsabschnitt vor – gerade dann, wenn die Abteilung als eher unattraktiv gilt. Ihr Ausbilderkollege freut sich, wenn Sie ihm mit der einen oder anderen Formulierung seinen Einstieg und den des Auszubildenden erleichtern.

                Beispiele:

  • „Der folgende Ausbildungsabschnitt ist gerade im Hinblick auf die Abschlussprüfung unverzichtbar, weil …“
  • „Auch wenn ihr Azubis nicht so gerne in die Abteilung … geht: Bedenkt, dass ihr dort technisch weitaus mehr Dinge geboten bekommt als die meisten Eurer Berufsschulkollegen.“
  • „Ich weiß, die Arbeit ist etwas monoton in der Abteilung … Das wissen die Ausbilder dort auch und geben sich größte Mühe, Abwechslung hineinzubringen. Zudem gelten sie als besonders nett.“

 

  1. Perspektiven während der Berufsausbildung aufzeigen

  • Wie entwickelt sich die Ausbildung in den ein, 2 Jahren bis zum Abschluss weiter?
  • Welches Mehr an Befugnissen erhält der Azubi im Vergleich zum ersten Ausbildungsjahr?
  • Wo liegen die Höhepunkte und was wird dem Auszubildenden grundsätzlich noch geboten?
  • Welche attraktiven Ausbildungsabschnitte liegen vor ihm?

Die Antworten darauf sollten natürlich positiv gefärbt und motivierend sein, vor allem dann, wenn der Azubi gerade eine Phase hat, in der bei ihm der Frust überwiegt.

  1. Perspektiven für die Zeit nach der Ausbildung aufzeigen

  • Ist die Übernahme eines Auszubildenden geplant, dann haben Sie es leicht: Sie können ganz konkret und positiv mit dem Auszubildenden über seine berufliche Zukunft sprechen. Und die wird dann Realität, wenn er die Jahre der Ausbildung erfolgreich absolviert. Noch konkreter können Sie seine Aussichten beschreiben, wenn der Azubi möglicherweise später sogar bei Ihnen in der Abteilung tätig sein wird. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie ihm nicht mehr versprechen, als Sie halten können.
  • Ohne anstehende Übernahme können Sie weniger optimistisch argumentieren. Das sollte Sie allerdings nicht daran hindern, dem Azubi zu vermitteln, dass es für seine berufliche und persönliche Zukunft umso bedeutsamer ist, seine Ausbildung mit dem bestmöglichen Erfolg abzuschließen. Vergleichen Sie z. B. mit ihm gemeinsam die finanziellen Perspektiven in seinem Ausbildungsberuf mit denen einer ungelernten Arbeitskraft. Weisen Sie auf den Unterschied hin.

 

  1. Erreichte Ziele lobend kommunizieren

Eine Ausbildung besteht nicht nur aus den Etappen Zwischenprüfung und Abschlussprüfung (bzw. 2 Teilen einer gestreckten Abschlussprüfung). Es sind vielmehr in jeder Ausbildungsphase Ziele zu erreichen, Beurteilungen zu vergeben und schwierige Hürden zu nehmen. Aufgrund des Ausbildungsplans und der angestrebten Inhalte sollten nicht nur Sie und die gesamte Ausbildungsabteilung stets einen Überblick darüber haben, was bereits erreicht wurde. Auch Ihr Auszubildender sollte immer im Bilde sein, welche Lernziele er bereits erreicht hat und welche noch zu meistern sind. Das gibt ihm das Gefühl, etwas geleistet und erreicht zu haben.

 

  1. Wünsche des Auszubildenden ernst nehmen

Zeigen Sie sich flexibel, wenn sich ein Auszubildender während einer Ausbildungsphase unwohl fühlt und Veränderungen wünscht. Lassen sich seine Probleme durch einfache organisatorische Maßnahmen beheben? Sprechen Sie dazu mit allen an der Ausbildung Beteiligten.

Wenn 2 Personen nicht zusammenarbeiten können, weil sie nicht miteinander auskommen, ist das nichts Ungewöhnliches. Doch bereits kleine Veränderungen im Ausbildungsplan können deren Kontakt minimieren und Reibereien verhindern. Möglicherweise haben Sie das Problem dadurch bereits beseitigt. Ihr Azubi wird es Ihnen danken – durch höhere Motivation und bessere Leistung.

Wenn es bereits zu spät ist: Innerlich gekündigt – was nun?

Ausbildungsverhältnisse haben im Fall einer inneren Kündigung 2 Vorteile gegenüber normalen Arbeitsverhältnissen:

  1. Sie haben die Möglichkeit, flexibel zu reagieren und das Arbeitsumfeld des Auszubildenden sogar kurzfristig maßgeblich zu verändern (s. o.).
  2. Ausbildungsverhältnisse sind zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse mit einem klaren Ziel. Wenn es zwischen dem Azubi und Ihrem Unternehmen einfach „nicht passt“, dann ist die Nichtübernahme ein Stück weit konsequente Folge – und erleichternd für alle Seiten. Denn in manchen Fällen erreichen Sie auch mit gravierenden Veränderungen im Ausbildungsalltag keine Besserung. Konzentrieren Sie sich dann darauf, das Beste aus der Situation zu machen, um wenigstens das Restvertrauen Ihres Auszubildenden nicht zu verlieren.

Das sind konkrete Maßnahmen, um die verfahrene Situation erträglich zu gestalten

  • Akzeptieren Sie, dass Ihr Unternehmen und der Azubi offenbar nicht zusammenpassen.
  • Bieten Sie sich dennoch ohne Abstriche dem Auszubildenden als Vertrauensperson an.
  • Überlegen Sie – vielleicht gemeinsam mit dem Azubi –, in welchem Unternehmen er sich wohler fühlen könnte.
  • Geben Sie ihm konkrete Unterstützung bei seinen Bewerbungen.

Mein Fazit für Sie

Versuchen Sie, die innere Kündigung Ihres Azubis zu verhindern. Ihr wichtigstes Ziel ist, dass der Azubi seine Ausbildung so gut wie möglich abschließt, ob mit oder ohne Übernahme. Wenn Sie dazu beitragen können, dann haben Sie am Ende einen großen Erfolg zu verbuchen.

Ob Sie ihren Azubi bei langanhaltender Krise auch kündigen können, erfahren Sie hier..

Autor: Günter Stein

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