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Recht
22.07.2019

Azubi verliert Generalschlüssel: Wer haftet?

Ein Auszubildender macht einen Fehler, und der daraus folgende Schaden ist groß. Muss er Ihnen diesen Schaden ersetzen? Das kommt darauf an, wie fahrlässig er gehandelt hat. Ein Fall, den das Landesarbeitsgericht (LAG) Mecklenburg-Vorpommern entschieden hat, zeigt, dass ein solcher Schaden erheblich sein kann (4 Sa 208/17 vom 12.4.2018).

Vor allem aber zeigt der Fall, dass man einen Auszubildenden oder einen normalen Arbeitnehmer mit Verantwortung auch überfordern kann. Folgendes war passiert: Eine Arbeitnehmerin, die als Wohnheimleiterin tätig war, nahm den Generalschlüssel des Wohnheims mit nach Hause. Sie ließ ihn über Nacht in ihrem Pkw liegen, der abgeschlossen im Carport auf ihrem Privatgrundstück abgestellt war. Das Grundstück selbst war durch ein elektrisches Schiebetor gesichert.

Es kam allerdings, wie es kommen musste: Am nächsten Morgen fehlte der Pkw und damit auch der Generalschlüssel. Im Wohnheim mussten alle Schlösser ausgetauscht werden, was Kosten in Höhe von knapp 10.000 € verursachte. Es stellte sich nunmehr die Frage, ob die Mitarbeiterin für diesen Schaden aufkommen müsse.

Eine umfangreiche Haftung ist dann vorgesehen, wenn Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit vorliegen. Eine Teilhaftung ist dann denkbar, wenn es sich um mittlere Fahrlässigkeit handelt. Bei leichter Fahrlässigkeit hingegen haftet der Betrieb. Von Vorsatz konnte in diesem Fall keine Rede sein. Das Gericht entschied zudem, dass weder grobe noch mittlere Fahrlässigkeit vorlag. Unter den genannten Umständen und Sicherungsmaßnahmen (Auto abgeschlossen, Grundstück gesichert) musste die Arbeitnehmerin nicht damit rechnen, dass ihr Auto und damit der Schlüssel gestohlen würde.

 

 

Fahrlässigkeit beurteilen – das müssen Sie auch bei Auszubildenden

Genau diese Regeln werden auch bei Azubis angewendet, wenn ein Schaden entstanden ist: Handelt der Azubi grob fahrlässig oder sogar mit Absicht, muss er für den gesamten Schaden aufkommen. Bei mittlerer Fahrlässigkeit teilt er sich den Schaden mit dem Ausbildungsbetrieb. Oft liegt allerdings nur leichte Fahrlässigkeit vor, was ihn komplett von einer Schadenersatzzahlung befreit. Der Ausbildungsbetrieb bleibt dann auf dem Schaden sitzen.

Grundsätzlich sollten Sie Ihrem Azubi schon Verantwortung übertragen. Es gibt allerdings auch Grenzen. Gerade wenn es um Geld, um die Absicherung des Betriebs, um den Umgang mit existenziell wichtigen Kunden und natürlich auch um einen Generalschlüssel, eine Kontovollmacht oder Ähnliches geht, ist äußerste Vorsicht geboten. Wer einem Azubi eine entsprechende Arbeit und Verantwortung überträgt und möglicherweise damit zu viel zutraut, belastet den jungen Menschen. Das gilt auch dann, wenn Sie sich als Ausbilder sicher sind, dass der Azubi etwa den ihm anvertrauten Schlüssel nicht verlieren wird. Gerade junge Menschen, von denen man meint, sich auf sie verlassen zu können, werden häufig überdurchschnittlich stark von großer Verantwortung erdrückt. Versuchen Sie daher, bei der Übertragung von Verantwortung immer Maß und Mittel zu wahren.

Autor: Martin Glania

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