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Motivation
27.12.2018

Fortsetzung: Beurteilung von Auszubildenden: Diese 5 Fehler sollten Sie vermeiden

Es ist gar nicht so einfach, Leistungen objektiv zu beurteilen. Hier finden Sie 3 weitere Fehler, die bei der Azubi-Beurteilung häufig passieren.

Fehler 3: Sie beurteilen immer nach dem gleichen Schema

Ohne dass der Beurteiler es selbst bemerkt, kommt es relativ häufig vor, dass er

  • entweder grundsätzlich zu streng, oder
  • grundsätzlich zu mild, oder
  • zu differenziert, oder
  • grundsätzlich zu einheitlich beurteilt.

Das kann folgende Gründe haben:

Übertriebene Strenge: Der Ausbilder möchte zwischen sich und den Auszubildenden fachliche Unterschiede deutlich machen. Dazu neigen Ausbilder vor allem dann, wenn sie ahnen, dass die fachlichen Unterschiede (bei leistungsstarken Azubis und bei eigenen Schwächen) gar nicht so groß sind.

Zu mildes Urteil: Manche Ausbilder wollen sich weder mit den Auszubildenden, der Ausbildungsleitung oder der Personalabteilung auf irgendwelche Diskussionen einlassen. Diese befürchten Sie vor allem dann, wenn eine Beurteilung zu schlecht ausfällt.

Sprunghafte Beurteilung: Es gibt Ausbilder, die ihre pädagogische Kompetenz dadurch zum Ausdruck bringen wollen, dass sie die Beurteilungsskala sehr stark ausnutzen. Das führt dazu, dass sich beste und sehr schwache Bewertungen die Waage halten. Dafür kann es durchaus objektive Ursachen geben. Diese dürfen aber nur .in der Person des Auszubildenden und nicht in der des Ausbilders liegen.

Einheitsurteil: Im Gegensatz zu sehr differenzierten Beurteilungen gibt es auch zu einheitliche Bewertungen von Leistungen. Manch ein Ausbilder wagt es weder, sehr gute noch sehr schlechte Beurteilungen zu vergeben. Das Mittelmaß dominiert – und das über alle Azubis hinweg. Gerecht ist das natürlich nicht. Auch hier dominiert die Angst vor Diskussionen und allzu starken Differenzierungen zwischen den Auszubildenden, die Beschwerden auslösen könnten.

Bewusstsein schafft Objektivität

Da viele Ausbilder nach einem bestimmten Schema beurteilen und das selbst nicht wissen, sollten Sie hierfür ein Bewusstsein schaffen: Als Ausbildungsverantwortlicher sollten Sie mit Personen, die Beurteilungen ausstellen, Schulungen durchführen. Weisen Sie in diesem Zusammenhang unbedingt auf die größten Fehlerquellen hin. Sie können ziemlich sicher sein, dass Beurteiler, die eine entsprechende Tendenz haben, ihre eigenen Fehlerquellen dann ausmerzen wollen.

 

Fehler 4: Sie lassen sich von einzelnen Kriterien blenden

Häufig sorgt auch der sogenannte Halo-Effekt für ungerechte Beurteilungen. Dieser Effekt besagt, dass ein bestimmtes Kriterium andere Kriterien beeinflusst: Ist ein Auszubildender beispielsweise sehr kommunikationsstark und wird er für seine Kommunikationsfähigkeit daher sehr gut bewertet, besteht die Gefahr, dass auch sein genereller Kundenumgang oder sein Sozialverhalten überbewertet wird.

Auf der anderen Seite kann der Halo-Effekt auch für negative Beurteilungen sorgen: Wenn Sie einem Azubi eine vergleichsweise schwache Auffassungsgabe bescheinigen, dann hat das nichts mit dessen Fleiß oder Sorgfalt zu tun. Seien Sie sich dessen bewusst und steuern Sie gegen.

Fehler 5: Sie überschätzen den ersten und/oder den letzten Eindruck

Zudem gibt es die psychologisch herausragende Bedeutung des ersten und des letzten Eindrucks. Der Azubi, der seinem Ausbilder am ersten Tag eine Cola über die Hose schüttet, hat Pech genug gehabt. Er hat sich einfach ungeschickt verhalten. Deswegen ist er aber weder unsympathisch noch generell ungeschickt oder nicht fingerfertig. Ein besonders guter oder schlechter erster Eindruck kann zwar in die Beurteilung eingehen – aber nicht mehr als alle anderen Eindrücke aus einer Beurteilungsphase.

Noch gravierender kann sich der letzte Eindruck im Gehirn des Beurteilers festsetzen. Leistet sich ein Azubi, kurz bevor ein Ausbilder oder Mitarbeiter die Beurteilung vornimmt, einen Fehler, dann besteht die Gefahr, dass das Urteil zu hart ausfällt. Gerade dann, wenn Kollegen und Vorgesetzte diesen Fehler mitbekommen haben, könnte das den Druck auf den Beurteiler erhöhen und die Gesamtbeurteilung zu negativ beeinflussen.

Grundsätzlich gilt: Als Ausbilder, der Auszubildende beurteilt, und vor allem als Ausbildungsverantwortlicher, der Mitarbeiter in Ausbildungsfragen und Beurteilungsangelegenheiten einweist, müssen Sie diese Fehlerquellen kennen und auch an Ihre Kollegen kommunizieren. Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen ein Bewusstsein dafür, wie wichtig die objektive Beurteilung von Auszubildenden ist – und wie sie erfolgreich vollzogen werden kann.

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Autor: Martin Glania

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