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12.04.2019

Flüchtlinge in der Ausbildung: Das müssen Sie beachten

Die Bewerberzahlen um Ausbildungsplätze gehen zurück. Dagegen geht die Zahl geflüchteter junger Menschen in der Ausbildung nach oben. Kein Wunder, dass „Spiegel online“ im letzten Jahr titelte: „Flüchtlinge retten Ausbildungsbilanz“. Wie auch Sie Flüchtlingen eine berufliche Perspektive geben und damit Ihre eigenen Nachwuchsprobleme lösen, erfahren Sie im Folgenden.

Auszubildende mit einer Fluchtgeschichte, beispielsweise aus Syrien oder Afghanistan, haben sich in zahlreichen Unternehmen als unverzichtbarer Bestandteil des Ausbildungsgeschehens und des Fachkräftepotenzials entwickelt. Ganz entscheidend für den Erfolg sind die Überwindung der Sprachbarriere und die Integrationsbereitschaft der Auszubildenden und der Kollegen.

Ausbildung von Flüchtlingen: Zahlen und Fakten

Im Jahr 2018 veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit Zahlen für die Entwicklung zwischen Oktober 2017 und September 2018. Insgesamt 38 .300 junge Menschen, die in Deutschland als Flüchtlinge registriert und bei der Agentur als Bewerber gemeldet waren, suchten einen Ausbildungsplatz. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das einen Anstieg um 45 %.

Bemerkenswert ist dabei: Die Erfolgsquote bei der Vermittlung wurde durch das hohe Wachstum an Bewerbern nicht beeinträchtigt. Bewerber mit einem Fluchthintergrund waren bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu 91 % erfolgreich – ebenso wie im Vorjahr.

Diese jungen Menschen kommen für eine Ausbildung infrage

Im Umgang mit Flüchtlingen gilt: Die bürokratischen Hürden für die Einstellung von Auszubildenden liegen deutlich niedriger als bei einer regulären Beschäftigung. Der potenzielle Azubi wird eine Beschäftigungserlaubnis erhalten, wenn er

  •  Asylbewerber ist (ab dem 4. Monat seines Aufenthalts) oder
  • geduldet ist (ab Beginn der Duldung).

Darüber hinaus profitieren auch Sie als Ausbildungsbetrieb: Die sogenannte 3+2-Regelung ermöglicht es Ihnen, Auszubildende unabhängig vom Verlauf ihres Asylantrags für eine 3-jährige Ausbildung und anschließend für eine 2-jährige adäquate Beschäftigung einzustellen. Das verhindert den Ausbildungsabbruch bei einem negativen Asylbescheid. Wenn Sie also eine Beschäftigung nach der Ausbildung planen, dann sorgt die aktuelle Regelung dafür, dass der Aufenthalt des Geflüchteten für mindestens 2 Jahre im Anschluss an die Abschlussprüfung gewährleistet ist. Das gibt Ihnen und Ihrem Personalwesen Planungssicherheit.

Vorsicht bei „sicheren Herkunftsstaaten“

Allerdings sollten Sie beachten, dass Sie keine Asylbewerber und Geduldete aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten als Auszubildende beschäftigen dürfen. Das gilt momentan für Ausbildungsbewerber aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, dem Kosovo, Mazedonien, Montenegro, dem Senegal und Serbien. Wurde der Asylantrag allerdings vor dem 1.9.2015 gestellt, dann gilt für diese Personen eine Ausbildungsduldung.

Beachten Sie: Darüber hinaus möchten Teile der Bundesregierung weitere Länder als sichere Herkunftsstaaten kategorisieren. Dazu zählen Tunesien, Marokko, Algerien und Georgien. Die Zustimmung vom Bundesrat gibt es bislang allerdings nicht und die Abstimmung wurde im Februar 2019 vertagt. Sollte es noch zu einer entsprechenden Einstufung dieser Staaten als sichere Herkunftsländer kommen, dann dürfen Sie auch keine Asylbewerber und geduldeten Personen aus diesen Ländern als Auszubildende einstellen.

Integration: Grenzen und Möglichkeiten

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Integration, beispielsweise von muslimisch geprägten Auszubildenden, insbesondere dann funktioniert, wenn es klare Regeln im Unternehmen gibt hinsichtlich der Art und Weise, wie Mitarbeiter miteinander umgehen. Dazu zählt – gerade bei muslimischen Männern – vor allem der Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. Einem männlichen Auszubildenden muss klar sein, das er Ausbilderinnen und weibliche Vorgesetzte ohne Einschränkung zu akzeptieren hat.

Mein Tipp: Testen Sie im Auswahlverfahren und ggf. in einem vorgeschalteten Praktikum, ob Ihre potenziellen Auszubildenden bereit sind, Ihre Werte anzuerkennen. Ist das nicht der Fall, dann sollten Sie von einer Ausbildung Abstand nehmen.

 

Autor: Martin Glania

 

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