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Recht
28.03.2019

Kleiderordnung: Was dürfen Sie (nicht) vorschreiben

Sehr lange Fingernägel werden von manchen Menschen als besonders schön empfunden. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Aber: Was, wenn Sie Ihren Azubis vorschreiben wollen, dass (über)lange Fingernägel am Arbeitsplatz nichts zu suchen haben? Oder auffälliger Schmuck? Oder bestimmte Kleidung? Dann kommt es darauf an! Darauf nämlich, ob es sachlich gerechtfertigte, nachvollziehbare Gründe für Ihre Anordnung gibt oder nicht.

Das hat jetzt das Arbeitsgericht (ArbG) Aachen im Fall einer Betreuerin im Altenheim entschieden (Urteil vom 21.2.2019, Az. 1 Ca 1909/18). Vor allem aus hygienischen Gründen dürften Betreuerinnen in Altenpflegeeinrichtungen keine langen, gegelten oder lackierten Fingernägel haben.

Das Gericht hat sich seine Entscheidung wohl überlegt. Es hat der Urteilsbegründung die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu den entsprechenden Hygienestandards zugrunde gelegt. Demnach bergen solche Nägel ein erhöhtes Bakterien- und damit Infektionsrisiko. Die Gesundheit der Senioren überwiege in diesem Fall das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiterin. Daher war die Anweisung des Arbeitgebers rechtens.

Tattoos, Piercings & Co.: So sorgen Sie für ein ordentliches Aussehen

Wenn Hygienevorschriften eindeutig für ein solches Verbot sprechen, dürfen (und müssen) Sie sie auch durchsetzen! Doch denken Sie an diesen Fall: Ein Schreck, der schon vielen Ausbildern in die Glieder gefahren ist: Es ist Sommer – und plötzlich prangt auf dem Arm des Azubis eine Totenkopftätowierung. Jetzt heißt es, richtig zu handeln.

Ein Verbot hilft nicht

Natürlich dürfen Sie Ihren Auszubildenden nicht verbieten, sich tätowieren zu lassen. Das Gleiche gilt für Piercings. Ein solches Verbot würde das grundrechtlich geschützte Persönlichkeitsrecht des Azubis im Sinne seines Arbeitnehmerstatus verletzen (Art. 2 Grundgesetz). Ausnahme: Die Interessen als Arbeitgeber sind betroffen.

Beispiel: Ihre Auszubildende Emma Walter hat sich im Urlaub die Ohrläppchen mehrfach durchstechen lassen und trägt nun jede Menge langen Ohrschmuck. Der droht sich in der Schleifmaschine zu verfangen, an der die Auszubildende momentan eingesetzt ist.

Folge: Trägt das äußere Erscheinungsbild dazu bei, dass die Sicherheit am Arbeitsplatz für Ihren Azubi, seine Kollegen oder für Kunden gefährdet ist, dürfen Sie eingreifen. Im konkreten Fall können Sie von Emma Walter also verlangen, dass sie während der Arbeit keine langen Ohrringe trägt.

Sogar auf die Unterwäsche dürfen Sie Einfluss nehmen

Ist die Sicherheit oder sind andere wichtige betriebliche Belange betroffen, dürfen Sie z. B. auch

  • (wie im entschiedenen Fall) die Länge der Fingernägel,
  • die Art der Kleidung oder
  • die Farbe des BHs

vorschreiben.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Stört die Farbe der Unterwäsche Ihre Kunden oder die betrieblichen Abläufe, können Sie Ihren Auszubildenden entsprechende Vorschriften machen, z. B. im Rahmen einer Kleiderordnung.

Das sind die Voraussetzungen für eine wirksame Kleiderordnung

Sie können eine Kleiderordnung im Ausbildungsvertrag regeln. Haben Sie einen Betriebsrat und möchten Sie Kleidungsvorschriften festlegen, ist eine Betriebsvereinbarung der beste Weg. Ist auf diese Weise einheitliche Kleidung als Dienstkleidung vorgeschrieben, müssen sich Ihre Auszubildenden an die Vorgaben halten (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.2.2007, Az. 1 ABR 18/06).

Achtung! Halten sich Auszubildende nicht an die Kleidervorschrift, können Sie sie abmahnen und im Wiederholungsfall sogar eine Kündigung in Betracht ziehen.

Da sich junge Menschen bei Vorschriften wie einer Kleiderordnung möglicherweise in Ihrer Persönlichkeit eingeschränkt sehen und nicht besonders einsichtig sind, rate ich Ihnen, das Thema intensiv – auch aus Sicherheitsgründen – zu besprechen.

Autor: Günter Stein

 

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