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Recruiting
18.09.2018

Vermeiden Sie diese 8 Fehler bei der Azubi-Akquise

Wer Ausbildungsmarketing betreibt, um seine Ausbildungsplätze qualitativ gut zu besetzen, der ist gegenüber der Konkurrenz zweifellos im Vorteil. Wenn darüber hinaus klassische Fehler vermieden werden, dann steigen die Chancen, konkurrierenden Betrieben die besten Schulabgänger wegzuschnappen.

Die Akquise von jungen Menschen zum Besetzen der Ausbildungsplätze ist ein hartes Brot, das eines langen Atems bedarf. Darüber hinaus kostet es Geld und Personal, effizientes und wirkungsvolles Ausbildungsmarketing zu betreiben. Schon aus diesem Grund sollten Fehler minimiert werden. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über 8 klassische Fehler und Ihre Möglichkeiten, diese zu umgehen.

Fehler 1: Sie überschätzen die Aussagekraft von Schulnoten

Zeugnisse und Schulnoten sind keineswegs egal. Für manche Berufe ist ein Minimum an Leistungsfähigkeit in Mathematik und Naturwissenschaften einfach notwendig. Andere wiederum erfordern gute Leistungen in Deutsch. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Sie sich einzig und allein auf Zeugnisse verlassen sollten, um einen Bewerber zu bewerten. Die soziale Kompetenz, die Teamfähigkeit, der Grad der Selbstständigkeit und die Fähigkeit, irgendwann Führungsverantwortung zu übernehmen, lassen sich aus Schulzeugnissen kaum bzw. überhaupt nicht herauslesen.

So handeln Sie: Lernen Sie also unbedingt auch solche Kandidaten kennen, die zum Teil schlechtere Noten als 2 oder 3 aufweisen. Schauen Sie sich deren Lebensläufe umso genauer an. Werden Angaben über Hobbys gemacht? Gibt es Indizien dafür, dass der Bewerber in Sachen Teamfähigkeit Erfahrungen gemacht hat bzw. sich für eine Sache begeistern kann (Sportverein, Feuerwehr, Musik-Engagement)?

Beachten Sie:

Bedenken Sie auch, dass Schulnoten an unterschiedlichen Schulen und Schulformen nur bedingt vergleichbar sind. Selbst innerhalb einer Schule gibt es höchst unterschiedliche Maßstäbe, die von einzelnen Lehrern abhängen. Auch diese Aspekte sprechen dafür, eine Aussortierung nach Noten zumindest zu hinterfragen.

Fehler 2: Sie vernachlässigen die Kommunikation mit Ihren Bewerbern

Sobald ein potenzieller Azubi mit seiner Bewerbung die Kommunikation mit Ihnen eröffnet hat, haben Sie es in der Hand, wie zuvorkommend und vor allem wie rasch Sie reagieren. Bedenken Sie, dass Bewerber es im Zeitalter von WhatsApp, Snapchat und Instagram nicht gewohnt sind, auf Antworten zu warten. Und denken Sie an Ihre Konkurrenz im Kampf um die besten Bewerber: Andere Unternehmen können jeden Tag und jede Woche, in der Sie nicht reagieren, nutzen, um den Bewerber von sich zu überzeugen.

So handeln Sie: Reagieren Sie in jedem Fall schnell auf die Bewerbung. Drücken Sie zumindest in einem Zwischenbescheid Ihre Freude darüber aus, dass die Bewerbung bei Ihnen eingegangen ist. Geben Sie dabei eine zuverlässige Orientierung, wann Sie sich aller Voraussicht nach wieder melden werden. So senken Sie die Wahrscheinlichkeit, dass der Auszubildende zwischenzeitlich anderweitige, endgültige Entscheidungen fällt.

Fehler 3: Sie werben zu wenig für Ihr Ausbildungsunternehmen

Als Ausbilder muss man sich nichts vormachen: Jeder Bewerber, der vor Ihnen sitzt, hat noch andere Bewerbungen bei attraktiven Ausbildungsbetrieben laufen. Die Zusage eines begehrten Schulabgängers hängt unter anderem davon ab, wie viele Unternehmen sich für ihn entscheiden und welches davon sich am besten präsentiert. Wer die eigene Ausbildung, die Branche, in der er arbeitet, und das eigene Ausbildungsunternehmen nicht positiv hervorhebt, der vertut eine wichtige Chance.

So handeln Sie: Überlegen Sie sich im Vorfeld des Vorstellungsgesprächs mit einem Bewerber um einen Ausbildungsplatz ganz genau, welche Aspekte für eine Ausbildung in Ihrem Unternehmen sprechen. Bringen Sie diese geschickt im Gespräch unter. Erwähnen Sie beispielsweise beiläufig, welche zusätzlichen Angebote Sie Auszubildenden während der Ausbildung machen. Oder erwähnen Sie in einem Nebensatz, dass die eine oder andere Führungskraft vor noch nicht allzu langer Zeit selbst Auszubildender gewesen ist. Damit belegen Sie einen hohen Stellenwert der Ausbildung und die damit verbundenen Karrierechancen in Ihrem Unternehmen.

 

Fehler 4: Sie führen zu kurze Gespräche

Takten Sie Ihre Vorstellungsgesprächstermine nicht zu eng. Sitzt ein Topbewerber vor Ihnen, dann darf es Ihnen nicht passieren, dass er zwar noch viel zu erzählen oder zu fragen hat, aber leider die Zeit abläuft. Wenn er das Gefühl hat, Sie haben für ein Gespräch mit ihm zu wenig Zeit, haben Sie schlechte Karten, diesen Azubi von einem Ausbildungsvertrag zu überzeugen. Das gilt vor allem dann, wenn die Konkurrenz einen anderen Eindruck vermittelt.

So handeln Sie: Nehmen Sie sich für ein Vorstellungsgespräch inklusive Vor- und Nachbereitungszeit etwa 1 Stunde. Bewerber könnten also im Stundentakt bei Ihnen auflaufen. Haben Sie das Bedürfnis, ein Gespräch zu verlängern, dann tun Sie das zunächst auf Kosten der Nachbesprechung unter Kollegen (die Sie nachholen könnten) und auf Kosten der Vorbereitungszeit auf das nächste Gespräch. Ein solcher „Puffer“ kann zwar dazu führen, dass auch mal Leerlauf entsteht. Dies ist aber nicht vermeidbar, und die zusätzliche Zeit kann mit vorläufigen Resümee-Besprechungen (unter Kollegen), aber auch mit Kaffeepausen gestaltet werden.

Fehler 5: Sie rücken die Modernität Ihres Unternehmens zu wenig in den Mittelpunkt

Bewerber wollen ihren Beruf in einem modernen Ausbildungsunternehmen erlernen. Viele wünschen sich mindestens eine hochwertige, technische Ausstattung, wie sie es aus ihrem Privatleben mit Smartphone, Tablet & Co. gewohnt sind. Gerade in ihrer Ausbildung wollen sie keine Abstriche machen. Im Gegenteil: Azubis schätzen es, wenn sie eine noch modernere Technik im Ausbildungsunternehmen bedienen und beherrschen lernen.

So handeln Sie: Sorgen Sie dafür, dass bereits das Vorstellungsgespräch in einem hochwertigen und technikorientierten Ambiente stattfindet. Notfalls mal den „alten“ Besprechungsraum nehmen, in dem Röhrenmonitore herumstehen – das geht gar nicht, vor allem nicht in technikorientierten Berufen. Sorgen Sie vielmehr dafür, dass moderne Präsentationstechnik zum Einsatz bereit ist, ggf. auch, um Ihren Bewerbern Ihr Unternehmen mit bewegten Bildern schmackhaft zu machen.

Fehler 6: Sie unterbreiten Ihr Angebot zu spät

Sie haben sich entschlossen, dem besten Kandidaten Ihres Auswahlverfahrens ein Angebot zu unterbreiten? Es müssen aber noch Hürden genommen werden, beispielsweise die Zustimmung der Personalleitung oder der Segen des Betriebsrats? Vorsicht! Wenn das Wochen dauert,

  • fühlt sich zum einen der Bewerber nicht gut behandelt,
  • geben Sie zum anderen der Konkurrenz die Chance, „Ihrem“ künftigen Azubi seinerseits eine Unterschrift abzuringen.

So handeln Sie: Strukturieren und kommunizieren Sie Ihr Bewerbungsverfahren intern immer möglichst genau. Damit wissen alle Entscheidungsträger, wann Ausbildungsverträge abgeschlossen werden und wann sie ihr Einverständnis geben müssen. Lässt sich eine personelle Verhinderung nicht vermeiden, dann sollte ein entscheidungsberechtigter Stellvertreter zur Verfügung stehen. Schicken Sie dem erfolgreichen Bewerber die Zusage möglichst schnell zu – ebenso wie den Ausbildungsvertrag bzw. einen Termin zur gemeinsamen Unterschrift.

Tipp

Sobald die Entscheidung gefallen ist, übermitteln Sie diese dem künftigen Azubi telefonisch. Rufen Sie ihn am besten auf seinem Smartphone an. In einem solchen Telefonat bringen Sie Ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass Sie den beruflichen Weg in Zukunft gemeinsam gehen. Hat ein erfolgreicher Bewerber Sie telefonisch erlebt – inklusive Ihrer Begeisterung –, wird es ihm schwerfallen, Ihnen zugunsten eines Mitbewerbers abzusagen.

Fehler Azubi-Akquise
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Fehler 7: Sie unterschätzen die Dreistigkeit der Konkurrenz

„Das ist doch überhaupt kein Problem, dass Sie schon einen Ausbildungsvertrag bei der Firma X. unterschrieben haben.“ Manch ein Vielfachbewerber, den mehrere Ausbildungsbetriebe gern einstellen würden, bekommt solche Sätze zu hören. In der Regel geht das dann so weiter: „Sie schreiben einfach eine 2-zeilige Kündigung ohne Begründung und Frist. Das ist erlaubt. So können Sie den zustande gekommenen Vertrag völlig rechtens kündigen.“

Die Dreistigkeit der Konkurrenz, wenn es darum geht, die Bewerber mit dem höchsten Potenzial für sich zu gewinnen, dürfen Sie nicht unterschätzen. Die oben beschriebene Vorgehensweise ist zwar moralisch anzuzweifeln, aber rechtlich gesehen ist sie tatsächlich vollkommen in Ordnung. Beide Seiten dürfen einen abgeschlossenen Ausbildungsvertrag vor Beginn der Ausbildung zu den Bedingungen der Probezeit kündigen. Genau die Bedingungen, wie sie oben beschrieben wurden (keine Begründung, keine Frist), sind leicht einzuhalten.

So handeln Sie: Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, mit dem Auszubildenden nach Abschluss des Ausbildungsvertrags in Kontakt zu bleiben. Dadurch fühlt er sich moralisch eher verpflichtet, den Vertrag einzuhalten. Wenn Sie beispielsweise zwischenzeitlich ein kleines Geschenk machen (Zusendung der Mitarbeiterzeitschrift, einer Broschüre über den Ausbildungsberuf oder einer Kleinigkeit zum Geburtstag), legen Sie die Hürden, auch noch bei der Konkurrenz zu unterschreiben, extrem hoch.

Fehler 8: Sie verzichten auf den Vorsatz, es nächstes Jahr besser zu machen

In einem hart umkämpften Markt agiert man nie vollkommen fehlerfrei. Es geht im Folgejahr immer noch besser. Wenn Sie die bisher genannten Tipps beherzigen, werden Sie am Ende in Ihrer Analyse trotzdem zu dem Schluss kommen, dass es an der einen oder anderen Stelle besser hätte laufen können.

So handeln Sie: Es ist wichtig, dass Sie solche Erkenntnisse nutzen, um Ihr Ausbildungsmarketing zu verbessern und den Akquise-Prozess weiter zu optimieren. Ziehen Sie aus Ihren Erkenntnissen Folgerungen für Ihre nächsten Maßnahmen des Ausbildungsmarketings und für den kommenden Auswahlprozess.

Autor: Martin Glania

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