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Motivation
09.07.2019

Erfolgreiche Feedbackgespräche bei Azubis umsetzen

Es ist eines Ihrer wichtigsten Führungsinstrumente: Ein professionelles Feedbackgespräch kann Ihre Azubis motivieren, eine Kurskorrektur bewirken oder Konfliktsituationen vorbeugen. Zudem stärkt der regelmäßige Austausch die Bindung des Auszubildenden an Ihr Unternehmen. Für eine realistische Einschätzung der Arbeitsleistung Ihrer Auszubildenden sind Feedbackgespräche ebenfalls unabdingbar. Mit welchen simplen Methoden Ihre Feedbackgespräche wirklich Wirkung zeigen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Welche Voraussetzungen gegeben sein müssen

Um mit Ihrem Feedback den gewünschten Effekt zu erzielen, sind 3 Grundvoraussetzungen zu erfüllen:

  1. Sie als Feedbackgeber sind sich der Wirkung Ihrer Worte bewusst und können in der Situation einschätzen, was das Feedback in Ihrem Auszubildenden auslöst.
  2. Sie kennen den Unterschied zwischen einem Feedback- und einem Kritikgespräch und vermischen diese Führungsinstrumente nicht.
  3. Zwischen Ihnen und dem Azubi besteht ein professionelles Vertrauensverhältnis.

Damit Sie das Feedbackgespräch gezielt einsetzen können, sollte Ihr Auszubildender wissen, welchen Zweck Sie mit diesem Führungsinstrument verfolgen. Erläutern Sie Ihrem Azubi daher die Unterschiede zwischen:

Feedbackgespräch

Kritikgespräch

Zielsetzung Es dient vor allem dazu, getroffene Vereinbarungen, Ziele oder konkrete Anforderungen mit der Ist-Situation abzugleichen. Es bezieht sich auf einen konkreten Vorfall oder ein auffälliges Fehlverhalten. Die Kritik wird einseitig von Ihnen als Ausbilder geäußert.
Ergebnis Idealerweise gehen beide Parteien mit denselben Vorstellungen und Ansichten aus dem Gespräch. Im Optimalfall dient das Gespräch der Klärung des Vorfalls. In jedem Fall wird der Azubi über die Konsequenzen seines Verhaltens informiert.

 

 

Sind die Grundvoraussetzungen gegeben, können Sie das Feedbackgespräch vorbereiten. Dafür verdeutlichen Sie sich zunächst, welche Erwartungen Sie an das Ergebnis des Gesprächs haben. Diese können unterschiedlich ausfallen:

  • Motivation: Gemeinsam erarbeitete Zielvereinbarungen motivieren den Auszubildenden zur Erfüllung einer neuen Aufgabe.
  • Entwicklung: Lob, Anerkennung und konstruktive Kritik sorgen für eine Leistungssteigerung beim Azubi.
  • Vertrauensbeziehung stärken: Der Abgleich von Erwartungen sorgt für ein besseres Verständnis auf beiden Seiten.

Das Wichtigste zur Vorbereitung und Kommunikation

Ausgehend von Ihren Erwartungen an das Ergebnis des Gesprächs notieren Sie sich vorher stichpunktartig alle Themen, die Sie ansprechen wollen. Sollten Sie auch negative Kritik äußern wollen, überlegen Sie sich vor dem Gespräch, wie Sie diese transportieren.

Formulieren Sie wertfrei

Häufig haben Sie und Ihr Auszubildender eine unterschiedliche Wahrnehmung der vermittelten Botschaften. Um diese Sender-Empfänger-Lücke zu schließen, ist eine vertrauensvolle, offene Gesprächsatmosphäre unabdingbar.

Achten Sie daher auf eine sachliche, wertungsfreie und konstruktive Wortwahl. So vermitteln Sie Ihrem Azubi, dass Ihre Äußerungen ausschließlich der Verbesserung seiner Arbeitsweise und damit seiner persönlichen Entwicklung gelten.

Benennen Sie das Ziel des Gesprächs

Vermitteln Sie Ihrem Auszubildenden deshalb, dass das Gespräch seiner fachlichen Entwicklung dient.

Beispiel: „Frau Schmidt, ich habe Sie um diesen Termin gebeten, weil ich gerne von Ihnen wüsste, wie Sie Ihre Leistungen einschätzen. Heute wird nicht gewertet – es geht mir um einen sachlichen und entwicklungsorientierten Austausch mit dem Ziel, Ihre Ausbildungssituation zu verbessern und die volle Leistung aus Ihnen zu entfalten.“

Dosieren Sie sowohl positive als auch negative Kritik im Feedbackgespräch ganz bewusst. Notieren Sie sich im Vorfeld, in welchem Zusammenhang Sie Lob und Kritik aussprechen können. Der Vorteil: So können Sie erreichen, dass Sie in einem ausgeglichenen Verhältnis loben und kritisieren.

Mein Tipp: Heben Sie sich als letzten Punkt ein Lob auf, um ein motivierendes und positives Gesprächsende zu erreichen.

 

Achten Sie auf die Körpersprache

Grundsätzlich gilt es, darauf zu achten, wie Ihr Auszubildender Ihre Worte aufnimmt. Versuchen Sie, persönliche Sympathien bzw. Antipathien außen vor zu lassen, und gehen Sie bewusst auf die Reaktionen Ihres Gegenübers ein – z. B. wenn Sie merken, dass Ihr Azubi auf den Boden guckt oder die Arme verschränkt und damit eine Schutzhaltung einnimmt. Sprechen Sie genau solche Reaktionen gezielt und offen an.

So verläuft die Durchführung optimal

Haben Sie die vorherigen Schritte beherzigt, kann das Gespräch stattfinden: Ihr Auszubildender weiß, was auf ihn zukommt, und es findet ein offener Austausch auf professioneller Ebene statt.

Anhand der Themen, die Sie besprechen wollen, arbeiten Sie sich mit Ihrem Auszubildenden zum Ziel, das Sie sich für das Gespräch vorstellen. Achten Sie dabei darauf, sich nicht zu sehr in Details zu verlieren. Dies können Sie vermeiden, indem Sie Erwartungen an das Gespräch direkt zu Beginn offen kommunizieren – ebenso wie Ihr Azubi.

Mein Tipp: Nutzen Sie einen Zeitplan, wenn Sie dazu neigen, sich leicht in Themen zu verlieren. Ordnen Sie den einzelnen Punkten gewisse Zeitspannen zu. So erhalten Sie einerseits noch mehr Struktur und andererseits einen Richtwert, der Ihnen dabei hilft, die zeitliche Orientierung zu behalten. Zum Ende des Gesprächs, das von einem positiven Ausblick in die Zukunft geprägt sein sollte, vereinbaren Sie mit Ihrem Auszubildenden direkt den nächsten Feedbacktermin.

 

Kein Gespräch ohne Nachbereitung

Wie in vielen Fällen gilt: Es ist noch kein Meister des Feedbackgesprächs vom Himmel gefallen. Deshalb rate ich Ihnen, solche Gespräche unbedingt nachzubereiten. Schließlich können Sie nur an Fehlern wachsen, die Ihnen bewusst sind. Alle anderen Fehler machen Sie im nächsten Gespräch erneut.

Um Ihre eigenen Fähigkeiten zu verbessern, empfehle ich Ihnen, im Anschluss an das Gespräch ein kurzes Resümee ziehen:

  • War der Gesprächsverlauf erfolgreich? Wenn nicht: Gab es dafür einen konkreten oder viele diffuse Gründe?
  • Sind Fragen offengeblieben oder habe ich alle Themen angesprochen, die ich ansprechen wollte?
  • Konnte ich sensible Themen erfolgreich vermitteln und ggf. die Emotionen des Azubis richtig einschätzen?
  • Was sollte ich beim nächsten Gespräch besser machen?
  • Was sollte ich für zukünftige Gespräche beibehalten?

Notieren Sie sich die Antworten auf diese Fragen und beobachten Sie im Laufe der Zeit, ob die Antworten immer dieselben sind oder ob sich Ihre Gespräche verbessern/verschlechtern.

Mehr Tipps dazu, wie Sie motivierendes Feedback geben, erhalten Sie hier!

Autor: Günter Stein

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