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Ausbildungsqualität
03.04.2019

Auswertung: Das schließen Sie aus den Ergebnissen der Zwischenprüfung

Auch wenn sie für den Abschluss nicht relevant ist: Die Zwischenprüfung liefert wichtige Erkenntnisse über den Leistungsstand Ihres Azubis. Und über seine Fähigkeit, mit Prüfungssituationen zurechtzukommen. Ist die Zwischenprüfung bereits Teil einer gestreckten Abschlussprüfung (z. B. bei Metall-, Elektro- und fahrzeugtechnischen Berufen), ist ein gutes Abschneiden umso wichtiger. Was aber, wenn die Ergebnisse schlechter sind als erwartet?

Wenn die Prüfung „in die Hose geht“

Schlechtleistungen in der Zwischenprüfung rechtfertigen nicht die fristlose Kündigung durch Sie als ausbildenden Arbeitgeber. Als wichtiger Grund können Schlechtleistungen in diesem Zusammenhang nur dann gelten, wenn feststeht, dass aufgrund der Ausbildungslücken das Bestehen der Abschlussprüfung ausgeschlossen ist. Diese Prognose ist aber erst dann gerechtfertigt, wenn der Auszubildende eine vorausgehende einschlägige Abmahnung missachtet hat (Arbeitsgericht Essen, Urteil vom 27.9.2005, Az. 2 Ca 2427/05).

So gehen Sie mit schlechten Ergebnissen um

In einigen Fällen führen Zwischenprüfungen zu einem neuen Problem: Auszubildende, die unter ihren realen Möglichkeiten geblieben sind, schleppen nun einen gewissen Ballast mit sich herum. Sie sind mit ihrem erreichten Prüfungsergebnis unzufrieden. Dies kann zu einem Motivationsabfall, zu sinkendem Selbstbewusstsein oder zu steigender Prüfungsangst führen. Auch dann schlägt Ihre Stunde:

  • Zeigen Sie Ihrem Azubi zunächst auf, was in der Prüfung gut gelaufen ist.
  • Analysieren Sie anschließend gemeinsam mit ihm, worauf die Schwächen zurückzuführen sind.
  • Lassen Sie ihn seine Vorbereitung auf die kommende Prüfung auf diesen Erkenntnissen aufbauen. Zeigen Sie, welche Chancen sich für ihn ergeben, wenn er in der kommenden Prüfung sein Potenzial voll zur Geltung bringen kann.
  • Schaffen Sie mit entsprechenden Maßnahmen und Trainings, die häufig auch als ausbildungsbegleitende Hilfen angeboten werden, Abhilfe.

Stützen Sie Ihre Analyse auf die folgenden 4 Punkte

Ihnen gibt die Zwischenprüfung wichtige Hinweise auf die Einstellung Ihrer Azubis zur Ausbildung insgesamt und für die Planung des 2. Ausbildungsabschnitts. Im Einzelnen erkennen Sie:

  1. Stichwort Engagement

Welcher Azubi macht auch einmal ein bisschen mehr, als unbedingt nötig? Wem die Zwischenprüfung als Anreiz dient, seine bisher erlangten beruflichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu zeigen, ist mit Leidenschaft in seiner Ausbildung dabei.

  1. Stichwort Kenntnisstand

Bei wem gibt es (gravierende) Defizite, die bis zur Abschlussprüfung unbedingt behoben werden müssen? Wenn Sie die Zwischenprüfungen detailliert auswerten, erhalten Sie genau die Informationen, die Sie für Ihre weitere Ausbildungsarbeit brauchen. Sie können damit die Ausbildungspläne individuell zur Förderung jedes Einzelnen gestalten.

  1. Stichwort Prüfungsangst

Wenn die Leistungen in der Zwischenprüfung deutlich schwächer sind, als zu erwarten war, könnte dies an einer Prüfungsangst liegen. In einem solchen Fall trainieren Sie die Prüfungssituation. Es ist erwiesen, dass regelmäßige Trainings zu einer gewissen Routine und dadurch zum Abbau der Angst führen. Organisieren Sie in turnusgemäßen, gleichbleibenden Abständen nicht nur Wissenstests, sondern auch realitätsnahe mündliche und praktische Prüfungssituationen. Auszubildende lernen so – ohne ein Risiko einzugehen –, vor einer (fingierten) Prüfungskommission zu reden und zu handeln. Das klappt von Mal zu Mal besser und gibt ihnen mehr Sicherheit für die reale Abschlussprüfung.

  1. Stichwort Berufsschule

Keine Frage, die Berufsschule kann in der theoretischen Vermittlung Lücken hinterlassen. Das sehen Sie dann auch am Zwischenergebnis. Bieten Sie Ihren Auszubildenden verstärkt betriebsinternen Unterricht an. Gezielt und kontinuierlich Lücken zu stopfen heißt aber auch, den Rahmenlehrplan und die Prüfungsanforderungen zu kennen und mit dem geleisteten Unterricht abzugleichen.

Mein Tipp: Fragen Sie auch nach den Materialien für „Ihre“ Ausbildungsberufe bei Ihrer Kammer.

 

Autor: Günter Stein

 

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