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Motivation
19.06.2018

Weniger Krisen und Abbrecher dank Ausbildungs-Coach

Ein „Durchhänger“ während der Ausbildung ist normal. Den kann jeder einmal durchleben. Für die Auszubildenden des Werkhofs in Darmstadt, die hier in überbetrieblicher Ausbildung eine Lehre durchlaufen, hat man sich etwas Besonderes überlegt, um das „Schwächeln“ zu überbrücken.

Jeder erhält seinen eigenen Ausbildungs-Coach

Beim Einsatz des persönlichen Coachs steht keineswegs eine Unterstützung bei der täglichen Arbeit oder bei den Hausaufgaben für die Berufsschule im Vordergrund. Der Coach soll vielmehr dann zur Verfügung stehen, wenn es Probleme gibt – bei betrieblichen und fachlichen, aber im Idealfall auch bei persönlichen – und die Leistung sowie die Motivation des Auszubildenden sinken.

Oft braucht es dann einen Impuls, der nicht vom Ausbilder selbst kommt. Diesen Impuls gibt eine Vertrauensperson, die nicht direkt in die Ausbildung involviert ist – eben der Coach. Dieser sollte verschwiegen sein und nicht alles weitererzählen, was der Azubi ihm anvertraut. Auch im Werkhof Darmstadt gilt dieses Prinzip: Der Coach muss dem Ausbilderteam keineswegs alles erzählen.

Coach in betrieblicher und überbetrieblicher Ausbildung möglich

Basis für die Beziehung zwischen Azubi und Coach ist ein eigener „Vertrag“. Darin wird keineswegs die Anzahl von Treffen oder Ähnliches vereinbart. Es geht vielmehr darum, schriftlich zu fixieren, dass:

  • der Coach bei Problemen für den Azubi ansprechbar ist;
  • der Azubi dessen Hilfe immer dann in Anspruch nehmen kann, wenn er es für notwendig hält und Probleme nicht allein lösen kann.

Auch in der betrieblichen Ausbildung kann es sinnvoll sein, mit einem individuellen Coach Ausbildungskrisen bereits im Vorfeld zu verhindern. Dabei ist allerdings grundsätzlich zu entscheiden, ob man einen externen oder internen Coach einsetzt. Beide Möglichkeiten haben sowohl Vor- als auch Nachteile, die gegeneinander abgewogen werden müssen.

 

Interner versus externer Coach

Interner Coach: Vor allem in größeren Unternehmen bietet es sich an, die Coaches intern zu rekrutieren. Werben Sie für Ihr System in der Mitarbeiterzeitung, im Intranet, auf Betriebsversammlungen oder am Schwarzen Brett. Ein Coach sollte Berufserfahrung haben und das Unternehmen recht gut kennen. Es ist von Vorteil, wenn er mit der Ausbildung im Hause nichts zu tun hat, um nicht in einen Rollenkonflikt zu geraten. Schließlich sollte er sich ja kritisch mit den betrieblichen Ausbildern auseinandersetzen können.

Externer Coach: Kleine Unternehmen und überbetrieblich ausbildende Bildungsträger können Coaches auch extern anwerben. Dadurch ist ein noch neutralerer Blick auf die Ausbildungssituation gewährleistet. Vor allem Rentner, die in einem ähnlichen Beruf gearbeitet haben wie der jeweilige Azubi und gern ehrenamtlich tätig werden möchten, sind gut geeignet. Möglicherweise schlägt der Azubi selbst eine Vertrauensperson vor, die er als Coach haben möchte: aus dem Sportverein, auch aus Kirchenkreisen oder aus der Gewerkschaft. Wichtig beim externen Coach ist allerdings, dass Sie ihn eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben lassen. Schließlich erhält der Coach tiefen Einblick in die Ausbildung – und ausgerechnet auf Stellen, an denen es nicht rundläuft.

Mein Tipp: Vereinbaren Sie mit dem Coach einen festen Telefontermin (mindestens einmal im Monat), der in jedem Fall eingehalten werden sollte. Auch dann, wenn es nur zu vermelden gibt: „Alles bestens.“ Gibt es Probleme zu besprechen, dann sollten Sie für den Coach jederzeit z. B. telefonisch zur Verfügung stehen.

Wie Sie selbst insbesondere leistungsschwache Azubis coachen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Autor: Günter Stein

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