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Ausbildungsqualität
23.05.2019

Eigenmächtiger Urlaubsantritt: Konsequenz?

Wer eigenmächtig seinen Urlaub antritt, kann eine Kündigung erwarten. Das gilt grundsätzlich auch in Ausbildungsverhältnissen. Ein aktuelles Gerichtsurteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Düsseldorf zeigt zudem, dass eine Kündigung auch bei ungünstigen Umständen rechtens ist (18 Sa 87/18 vom 10.7.2018).

Grundsätzlich sind bei Urlaubsanträgen von Auszubildenden dieselben Regeln zu beachten wie bei „normalen“ Mitarbeitern. Allerdings sollte ein Großteil des Urlaubs in der Ausbildung – und das ist ein wichtiger Unterschied – während der Schulferien genommen werden. Davon abgesehen gilt in allen Arbeits- und Ausbildungsverhältnissen: Der Urlaub muss genehmigt sein. Ist das nicht der Fall und wird er trotzdem angetreten, entsteht eine kritische Situation.

In einem aktuell entschiedenen Fall hatte eine Mitarbeiterin berufsbegleitend ein Studium absolviert. Wegen einer Prüfung hatte sie sich am Donnerstag, dem 22., und am Freitag, dem 23. Juni 2017, frei genommen. Überraschenderweise erschien sie aber auch am Montag nicht zur Arbeit. Spätestens um 10:00 Uhr hätte sie die Arbeit aufnehmen müssen. Gegen 12:00 Uhr schickte sie eine E-Mail an ihren Vorgesetzten mit dem Betreff „Spontan-Urlaub“.

Gute Gründe – aber nicht gut genug

In dieser E-Mail führte sie aus, dass sie von ihrem Vater wegen der bestandenen Prüfung überraschend einen Aufenthalt auf Mallorca geschenkt bekommen habe. In der Euphorie und der Eile hätte sie nicht die Möglichkeit gehabt, ihre Abwesenheit rechtzeitig mitzuteilen. Sie werde von Montag bis Freitag nicht im Unternehmen erscheinen und bat um eine kurze Rückmeldung. Zudem bedauerte sie die Überrumpelung ihres Vorgesetzten und entschuldigte sich.

Die Angelegenheit ging noch weiter: Der Vorgesetzte mailte gegen 17:00 Uhr an diesem Montag, dass er seine Mitarbeiterin aus betrieblichen Gründen dringend brauche; sie könne am Freitag sowie am darauffolgenden Montag und Dienstag Urlaub nehmen, aber vorher ginge es nicht. Die Mitarbeiterin teilte daraufhin ihrem Vorgesetzten am Dienstagvormittag mit, dass sie sich bereits auf Mallorca befinde und daher keine Möglichkeit bestehe, ins Büro zu kommen. In der Folge erhielt sie eine fristgemäße Kündigung.

Beachten Sie: Fristgemäße Kündigungen vonseiten des Arbeitgebers gibt es in der Berufsausbildung nicht. Es gibt nach der Probezeit lediglich die Möglichkeit, fristlos und aus wichtigem Grund zu kündigen. Allerdings wiesen die Richter des LAG Düsseldorf darauf hin, dass die eigenmächtige Inanspruchnahme von Urlaub auch ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung ist. Von daher ist das Urteil auf Ausbildungsverhältnisse übertragbar.

So begründeten die Richter ihr Urteil

Die Kündigung wurde also als rechtens eingestuft. Deshalb wurde sie wirksam. Ganz entscheidend sei laut Urteilsbegründung gewesen, dass die Mitarbeiterin spätestens in ihrer letzten Nachricht deutlich gemacht hatte, dass sie ihre vertragliche Arbeitspflicht bewusst verletzen wollte. Sie war der Arbeit ferngeblieben, ohne dass dies von ihrem Vorgesetzten und Arbeitgeber genehmigt worden war. Auch der Aufforderung, am Arbeitsplatz zu erscheinen, weil dringende Angelegenheiten auf sie warteten, kam sie nicht nach. Sie hat damit auch die 2. Chance, eine Lösung herbeizuführen, nicht genutzt. Sie blieb dabei, den Urlaub eigenmächtig anzutreten.

Das bedeutet das Urteil für Ausbildungsverhältnisse

3 Aspekte bei dem im Juli 2018 gesprochenen Urteil des LAG Düsseldorf sind von besonders großem Gewicht für Ausbildungsverantwortliche:

  1. Auch wenn es hier zu einer fristgemäßen Kündigung kam, machten die Richter deutlich, dass auch eine fristlose Kündigung rechtens gewesen wäre. Damit sind auch Auszubildende, die sich entsprechend verhalten, betroffen.
  2. Die Erfüllung der vertraglichen Arbeits- und Ausbildungspflicht gehört zum Erwerb der beruflichen Handlungskompetenz. Diese Erfüllung ist damit elementarer Bestandteil der Ausbildung. Wer ungenehmigt der Arbeit fernbleibt und beispielsweise eigenmächtig seinen Urlaub antritt, der verletzt auch als Auszubildender seine Pflichten.
  3. Allerdings wird ein Arbeitsrichter bei einem Azubi stets hinterfragen, ob dieser die Folgen seines Verhaltens absehen konnte. Der Azubi muss darüber aufgeklärt worden sein, dass ihm bei entsprechendem Verhalten eine fristlose Kündigung droht.

 

Autor: Martin Glania

 

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