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Motivation
26.06.2018

Durchhänger in der Ausbildung – erkennen und gegensteuern

Vor allem in der ersten Phase der Ausbildung besteht die Gefahr, dass ein Azubi eine kleinere oder größere Ausbildungskrise überstehen muss. Sie als Ausbilder sind dann besonders gefordert. Die Probezeit ist überstanden, der Alltag ist bei den Auszubildenden eingekehrt. Das geht bei manchen Azubis mit Lustlosigkeit und geringem Engagement einher. Ein kleiner „Durchhänger“ macht sich breit. Beobachten Sie Ihre Azubis gerade in dieser Phase genau und achten Sie auf die Frühwarnzeichen in deren Verhalten.

So erkennen Sie erste Frühwarnzeichen:

  • Das Engagement Ihres Auszubildenden hat nach der Sommerpause stark nachgelassen.
  • Sie erleben Ihren Auszubildenden deutlich schwächer, als er von Ausbilderkollege aus anderen Abteilungen beschrieben wird.
  • Die Noten in der Berufsschule lassen zu wünschen übrig, was früher nicht der Fall war.
  • Seine Kontaktfreudigkeit hat deutlich nachgelassen.
  • Der Azubi ist öfter krank als noch vor wenigen Monaten.

Beraten Sie sich mit Ihren Ausbilderkollegen

Ihre Ausbilderkollegen haben auch Erfahrung und kennen den Azubis vielleicht schon von früheren Ausbildungsstationen.

Beispiel: Wirkt der Auszubildende des Öfteren in sich gekehrt, dann ist entscheidend, wie das von Ihren Kollegen bewertet wird.

Möglichkeit 1: 

Ein Kollege, der den Auszubildenden in einer der letzten Ausbildungsabteilungen betreut hat, gibt an, dass der Azubi auch früher bereits wenig kontaktfreudig war und zeitweise uninteressiert wirkte. Dennoch war er gut integriert und seine Leistungen überzeugten.

Für Sie bedeutet das

Ein Frühwarnzeichen ist das Verhalten dieses Auszubildenden nicht. Allerdings sollten Sie gezielt auf die Integration dieses Auszubildenden achten, seine Kooperationsfähigkeit (z. B. durch Gruppenarbeit) schulen und ihn vor kommunikative Herausforderungen stellen.

 

Möglichkeit 2: 

Ein Ausbilderkollege ist über Ihre Schilderung verblüfft. Er hat den Auszubildenden ganz anders erlebt: als kontaktfreudig, offen, freundlich, stets hilfsbereit und vor allem kommunikativ.

Für Sie bedeutet das

Ganz offensichtlich hat sich Ihr Azubi verändert – und zwar zum Negativen. Unter Umständen liegt dies an seiner geänderten Einstellung zur Berufsausbildung. Sie können diese Veränderung als Warnsignal deuten und sollten darauf aktiv reagieren. Ziehen Sie aber auch in Betracht, dass die Verhaltensänderung private Gründe haben könnte.

So kämpfen Sie gegen einen „Durchhänger“ an

In einer solchen Situation sind Sie vor allem als Motivator gefragt. Möglicherweise ist Ihr Ausbildungsbereich aus fachlichem Blickwinkel bei manchen Azubis nicht besonders beliebt. Oder  die Ursache der schlechteren Einstellung ist zeitpunktbedingt: Nach dem ersten längeren Urlaub sieht der Azubi eine lange Zeitspanne vor sich, die ihm aus seiner Sicht wenig Höhepunkte bietet. In jedem Fall gilt: Sie können Ihren Azubi mit dem folgenden Fahrplan auffangen.

Sofortmaßnahmen zur Motivation Ihres Azubis

Grundsätzlich: Sie führen zielgerichtete Gespräche mit Ihrem Auszubildenden

Damit schlagen Sie gleich 2 Fliegen mit einer Klappe. Zum einen kommen Sie so möglicherweise hinter die Ursache der Ausbildungskrise. Und zum anderen können Sie das Gespräch nutzen, um den Auszubildenden wieder optimistisch zu stimmen. Dabei kommen Sie vor allem auf die folgenden 3 Themen zu sprechen:

  1. Fragen Sie aktiv nach den Wünschen des Auszubildenden

Eigene Unlust und fehlende Motivation kann der Auszubildende  möglicherweise selbst beheben, indem er seine Wünsche realistisch äußert. Diese können beispielsweise die Art der Arbeit betreffen oder auch die Personen, mit denen er gemeinsame Projekte bewältigt. Da Ihnen der Azubi im Moment anvertraut wurde, können Sie möglicherweise seinen Wünschen entsprechen.

  1. Überprüfen Sie das Tätigkeitsprofil

Wenn es an der Arbeit selbst liegt, die von dem Auszubildenden als eintönig empfunden wird, ihn über- oder unterfordert, überlegen Sie gemeinsam, welche Tätigkeiten in Ihrem Ausbildungsbereich  geeignet sind, die Motivation und die Herausforderung für den Auszubildenden zu erhöhen. Entlasten Sie ihn nicht vollständig von „unbeliebter“ Arbeit, streuen Sie aber punktuell einige herausfordernde „Extras“ oder Aufgaben ein, die dem Azubi Spaß machen. Bei Überforderung  sorgen Sie für ausreichende Wiederholung einfacher Tätigkeiten und eine besonders sorgsame Herangehensweise an größere Herausforderungen.

  1. Gehen Sie gemeinsam fiktiv die noch vor Ihnen liegende Ausbildungszeit durch

Gerade zu Beginn des 2. Ausbildungsjahres ist vielen Azubis nicht bewusst, wie schnell die restliche Zeit der Ausbildung vergehen kann. Die Zwischenprüfung bedarf einer zeitlich angemessenen Vor- und  Nachbereitung.  Es wird von da ab sehr schnell gehen, bis sich die Ausbildung an den Terminen der Abschlussprüfung ausrichtet. Und auch die betrieblichen Aufgaben werden im Zeitablauf immer interessanter und anspruchsvoller – je weiter der Azubi in seiner Ausbildung kommt, desto mehr Verantwortung wird er bekommen.

Gegen Krisen und Ausbildungsabbrüche kann auch ein Ausbildungs-Coach helfen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Hier finden Sie außerdem 8 weitere Tipps zur Motivation in der Ausbildung.

Autor: Günter Stein

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