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Ausbildungsqualität
17.04.2018

Digitalisierung in der Ausbildung: die 4 größten Herausforderungen – und wie Sie darauf reagieren

Die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat kürzlich die „Berufsausbildung 4.0“ gefordert. Klingt modern und vernünftig, denn das Schlagwort „Industrie 4.0“ ist ja auch derzeit in aller Munde. Richtig ist, dass digitale und IT-Kompetenzen mittlerweile unumgänglich sind, um in der heutigen Arbeitswelt zu bestehen. Aber: Wie kann die Digitalisierung Einzug in die tägliche Arbeit mit Auszubildenden halten, sofern sie das nicht schon ansatzweise getan hat? Wo gibt es Defizite? Wie weit hinken die Ausbildungsordnungen hinterher? Und was bedeutet das für Ihre Arbeit? Mit all diesen Aspekten beschäftigt sich dieser Beitrag!

  1. Herausforderung: Produktion mithilfe von digitalen, vernetzten und kommunizierenden Systemen

Güter, die mit dieser Technik produziert werden, nennt man „cyber-physikalisch“. Um solche Produkte zu entwickeln und herzustellen, sind unterschiedlichste Qualifikationen und Kenntnisse erforderlich. Das macht die Digitalisierung für die berufliche Bildung so interessant – aber auch so anspruchsvoll!

Die Folgerung für Sie: Sorgen Sie für eine technisch anspruchsvolle Ausbildung, die auch Blicke über den Tellerrand zulässt. Nur wer ein Mindestmaß an Verständnis für andere Berufe und Disziplinen entwickelt, kann sich erfolgreich am Digitalisierungsprozess beteiligen.

  1. Herausforderung: Angst um den Ausbildungs-/Arbeitsplatz

Bei einfachen Routinetätigkeiten wird der Mensch zunehmend von Robotern abgelöst. Dafür müssen Arbeitnehmer verstärkt in der Lage sein, die technischen Prozesse zu initiieren, zu steuern und zu kontrollieren.

Die Folgerung für Sie: Nehmen Sie Ihren Auszubildenden – falls notwendig – die Sorge, ihr Beruf könnte in den nächsten Jahren von Maschinen erledigt werden. Das wird in den allermeisten Fällen nicht geschehen. Weisen Sie aber schon heute darauf hin, dass sich Änderungen in kurzer Zeit vollziehen werden. Nur wer zusätzliche Qualifikationen – auch nach der Ausbildung – erwirbt, kann auf der Höhe der Zeit bleiben. Lebenslanges Lernen gewinnt an Bedeutung.

  1. Herausforderung: Neuordnung der IT-Berufe

Die 4 sogenannten IT-Berufe – der Fachinformatiker, der IT-Systemelektroniker, der IT-Systemkaufmann und der Informatikkaufmann – wurden in den 1990er-Jahren eingeführt und haben sich mit großem Erfolg etabliert. Allerdings sind die Berufe und ihre vor mehr als 2 Jahrzehnten entwickelten Inhalte mittlerweile in die Jahre gekommen.

Da sich der Stellenwert der Digitalisierung aber deutlich erhöht hat, wird aktuell über Nachfolgeberufe oder eine Neuordnung der IT-Berufe nachgedacht. Es wurden bereits erste Schritte unternommen.

Die Folgerung für Sie: Verfolgen Sie diese Entwicklung genau. Auch wenn Sie bislang nicht oder nur selten in IT-Berufen ausgebildet haben: Ziehen Sie das in Zukunft in Erwägung. Das gilt insbesondere dann, wenn entsprechende Anpassungen an den Stand der Digitalisierung vorgenommen wurden.

 

  1. Herausforderung: Andere Kompetenzen werden wichtiger

Gehen Sie davon aus, dass Problemlösungskompetenzen an Bedeutung gewinnen werden. Ehemalige Auszubildende werden verstärkt Verantwortung für die Initiierung und Steuerung von Prozessen übernehmen. Zudem werden soziale Kompetenzen an Gewicht gewinnen. Wahrscheinlich werden verschiedene Abteilungen im Unternehmen als Folge der digitalen Vernetzung zusammenwachsen.

Dazu kommt eine höhere Bedeutung grundlegender IT-Kenntnisse. Bedenken Sie, dass Ihre Azubis zwar eine gewisse Affinität zu modernen Medien haben, viele jedoch ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen. IT ist mehr als ein perfektes Auftreten in sozialen Medien oder das Beherrschen moderner Spiele in virtuellen Welten.

Die Folgerung für Sie: Bereiten Sie Ihre Auszubildenden in diesen Kompetenzfeldern vor. Das heißt: Stärken Sie vor allem die Kommunikationsfähigkeit der Mitarbeiter. Entscheidungen sind im Team und unter Berücksichtigung verschiedener Interessen zu treffen. Beteiligen Sie Ihre Auszubildenden schon während der Ausbildung an solchen Prozessen.

Zudem ist die Verknüpfung sozialer Fähigkeiten mit Problemlösekompetenz und fundierten IT-Kenntnissen ein spannender Prozess. Dieser kann im Rahmen eines Azubi-Projekts (z.B. bei der Entwicklung einer Website von Auszubildenden für Bewerber) trainiert werden.

Mein Tipp: Entfachen Sie bei Ihren Auszubildenden Begeisterung für die bevorstehenden technischen Veränderungen. Normalerweise rennen Sie bei diesem Thema offene Türen ein, denn junge Menschen gelten als technik- und internetaffin. Das sind die besten Voraussetzungen, um erfolgreich an dieser Entwicklung teilzunehmen.

Was das in der Konsequenz für Sie als Ausbilder heißt

Vermutlich nutzen auch Sie bereits digitale Lernmethoden, um Ihre Auszubildenden mit besonderem Förderbedarf zu unterstützen. Wie der 2016 erschienene „Monitor Digitale Bildung“ der Bertelsmann-Stiftung zeigt, geht es dabei hauptsächlich um spielerische Angebote, Videos zur Demonstration komplexer Sachverhalte, und natürlich PCs.

Um Ihren Azubis künftig noch mehr Unterstützung bieten zu können, spielen in den nächsten Jahren die folgenden 3 Aspekte eine wichtige Rolle:

  1. Bauen Sie Ihre Kompetenz als Ausbilder, insbesondere Ihre IT-Kenntnisse, gezielt aus.
  2. Sensibilisieren Sie alle Beteiligten für das Thema E-Learning. Es ist davon auszugehen, dass dieser Bereich mit der Digitalisierung an Bedeutung gewinnen wird.
  3. Statten Sie sich technisch gut aus. Schließlich ist es Ihr Ziel, alle Ausbildungsprozesse so zu gestalten, dass sich Ihre Azubis auf neuestem Stand mit technologischen Innovationen beschäftigen können. Werben Sie bei der Unternehmensleitung dafür.

Mein Fazit für Sie

Der Einsatz moderner Technik und eine Vorreiterrolle in Sachen Digitalisierung sind für Sie als Ausbilder die Chance, dass Ihre Firma als modern und zukunftsweisend und damit zugleich als attraktives/r Ausbildungsunternehmen/Arbeitgeber wahrgenommen wird. Dies wiederum erhöht die Bindung an Ihr Unternehmen, was sich positiv bei der Azubisuche auswirken kann. Gerade in Zeiten des zunehmenden Azubi-Mangels ist das ein nicht zu vernachlässigendes Argument.

Diese Ausbildungsberufe verschwinden bis 2023 – bieten Sie Weiterbildung an

Kostet die voranschreitende Digitalisierung Jobs – oder kostet sie keine? Dieser bislang mit zahlreichen Spekulationen verfolgten Frage ist nun das Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nachgegangen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 bis 98 % entfallen zahlreiche Stellen auf diesen Positionen:

  • Buchhalter
  • HR-Sachbearbeiter
  • Kreditprüfer
  • Einkaufssachbearbeiter
  • Versicherungssachbearbeiter
  • Kassierer
  • Bürokaufmann
  • Zahntechniker
  • Restaurantkoch
Autor: Günter Stein

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