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Recht
12.04.2019

„Darf unser ehemaliger Azubi seine LinkedIn-Kontakte behalten?“

Frage: Einer unserer Azubis wurde nicht übernommen. Er hat Industriekaufmann gelernt und hatte demzufolge auch viele Kontakte mit Kunden von uns. Mit einigen hat er sich, wie wir jetzt gesehen haben, auf LinkedIn vernetzt. Das möchten wir nicht, da er, wie wir hörten, demnächst bei einem Konkurrenzunternehmen arbeitet. Dürfen wir verlangen, dass er die Kontakte löscht? Sie sind schließlich durch seine Ausbildung bei uns entstanden. Wir betrachten sie als Betriebsgeheimnis.

Antwort: Was Ihre Azubis und Mitarbeiter in sozialen Netzwerken wie LinkedIn, XING oder Facebook treiben, ist erst einmal ihre Privatangelegenheit. Das heißt, Sie können in der Regel auch nicht verlangen, dass Ihr ehemaliger Azubi seine Kontakte löscht, weil er das Unternehmen von sich aus verlassen hat oder nicht übernommen wurde. Und zwar selbst dann nicht, wenn Sie im Arbeitsvertrag eine Wettbewerbsklausel vereinbart haben.

Beachten Sie in diesem Zusammenhang bitte folgendes Urteil

In dem vom Arbeitsgericht (ArbG) Hamburg bearbeiteten Fall hatte eine IT-Beraterin den Arbeitgeber gewechselt. Die Frau war Mitglied in dem beruflichen Netzwerk XING. Unter ihren Kontakten waren Mitarbeiter von Kunden und Geschäftspartnern ihres Ex-Arbeitgebers. Der alte Arbeitgeber forderte nun per einstweiliger Verfügung, dass sie die Kundendaten auf XING nicht weiterverwenden darf. Die Kontakte seien seine Geschäftsgeheimnisse und mit einer Kundenliste vergleichbar. Doch mit der Klage scheiterte der Arbeitgeber – vor allem auch deshalb, weil es sich um einen privaten XINGAccount der Mitarbeiterin handelte (ArbG Hamburg, Urteil vom 24.1.2013, Az. 29 Ga 2/13).

Was das Urteil für Sie im Umgang mit Ihrem Ex-Azubi bedeutet

Im Fall Ihres Azubis müssten Sie als Unternehmen beweisen, dass die Kontakte nur aufgrund der geschäftlichen Beziehung zustande gekommen sind – und nicht, weil sich die miteinander Vernetzten einfach nur sympathisch finden. Ein aussichtsloses Unterfangen. Anders sieht das bei einem Firmen-Account aus: Hat sich der Azubi nicht über den privaten, sondern einen Firmen-Account mit den Kunden vernetzt, können Sie dagegen vorgehen. Dann sind die Kontakte Firmeneigentum. Sie können die Löschung verlangen, den Zugang durch eine Änderung des Passwortes sperren – oder auch den Account löschen. Als geschäftlich gilt ein Account dann, wenn

1. er vom Unternehmen gezahlt wird,

2. er (auch) unter dem Namen Ihres Unternehmens geführt wird,

3. die im Account angegebene E-Mail-Adresse zu Ihrem Unternehmen gehört und

4. die genannte Postanschrift die Ihres Unternehmens ist.

Autor: Günter Stein

 

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