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Recruiting
14.09.2019

Bewerbungsverfahren: Kommen Sie zum Bewerber, oder kommt der Bewerber zu Ihnen?

Wo führen Sie das Bewerbungsverfahren durch? Und wo wird am Ende der Vertrag unterschrieben? Kommen Sie dem Kunden, also Ihrem Bewerber, entgegen oder nicht?

Da es sich beim Produkt „Ausbildung“ wie bei vielen anderen Produkten um eine Dienstleistung handelt, kann und muss es nicht körperlich transportiert werden. Die klassische Distribution, die sich damit befasst, wie der zu erwerbende Gegenstand zum Kunden kommt, spielt damit keine Rolle. Gleichwohl müssen bereits im Auswahlverfahren und auch darüber hinaus Entfernungen überbrückt werden, um die Dienstleistung zum potenziellen Azubi zu bringen.

So flexibilisieren Sie Ihr Bewerbungsverfahren

Es ist noch immer üblich, dass Bewerber in den Ausbildungsbetrieb eingeladen werden und damit selbst Aufwand auf sich nehmen, um den Betrieb zu erreichen. Das hat folgenden Nachteil: Potenzielle Azubis, denen der Aufwand hierfür zu groß ist oder die an besagtem Tag keine oder nur eingeschränkt Zeit haben, sind damit schon mal aus dem Rennen.

Was also ist zu tun? Wenn das Bewerbungsverfahren teilweise hin zum Bewerber verlagert werden könnte, wäre der Aufwand für ihn deutlich kleiner und die Wahrscheinlichkeit stiege, dass er an der Auswahlprozedur teilnimmt. Bewerkstelligt wird das von immer mehr Ausbildungsunternehmen mit Onlinetests, die ein Bewerber von zu Hause aus absolviert. Die Quote der Bewerber, die zu einem Onlinetest eingeladen werden, aber trotzdem absagen, ist sehr gering.

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Der Bewerber kann sich selbst den Zeitpunkt aussuchen, wann er den Onlinetest durchläuft. Wenn Sie sich für dieses flexible Bewerbungsverfahren entscheiden, spart das dem Bewerber also nicht nur Anstrengung und Geld. Er kann den Test zudem dann machen, wenn er die nötige Ruhe dafür hat. Natürlich geben Sie ihm hierfür einen zeitlichen Rahmen vor.

Mit der Vertragsunterzeichnung ist das Produkt „Ausbildung“ rechtlich verkauft

In den meisten Fällen wird der Ausbildungsvertrag an den erfolgreichen Bewerber versandt, damit dieser unterschreibt. Denkbar ist aber auch, dass alle erfolgreichen Bewerber zur Vertragsunterzeichnung in den Betrieb eingeladen werden. Um diesen Aufwand zu rechtfertigen, muss es sich für die künftigen Azubis natürlich auch lohnen.

Begehen Sie daher die Vertragsunterzeichnung festlich: Veranlassen Sie eine kleine Feierstunde mit Ansprache, in der – in aller Kürze – schon mal positiv und voller Vorfreude auf den Ausbildungsbeginn geschaut wird. Anschließend laden Sie Ihre künftigen Azubis zum Essen ein oder veranstalten ein gemeinsames Grill-Event am Nachmittag. Mit einer solchen Lösung haben die künftigen Azubis zwar etwas mehr Aufwand, aber sie werden im Rahmen einer Veranstaltung geehrt und bereits vor Ausbildungsbeginn an das Unternehmen gebunden.

Mit dem Ausbildungsbeginn ist das Produkt beim Kunden

Beim Kunden angekommen ist das Produkt letztlich dann, wenn die Ausbildung beginnt. Der Vertrag ist jetzt wirksam, und es gelten alle Rechten und Pflichten für Sie und den Azubi. Die Distribution ist damit abgeschlossen, sodass Sie die Ausbildung jetzt am vereinbarten Ort (Ihrem Unternehmen) durchführen werden. Damit ist ein wichtiges Ziel erreicht.

Beachten Sie: So wie der Verkäufer eines Produkts befürchten muss, dass der Käufer reklamiert, das Produkt innerhalb einer Frist zurückschickt oder im Internet eine schlechte Bewertung abgibt, so haben auch Sie keinen Anlass, sich auf Ihrem Erfolg auszuruhen. Gerade nach der Vertragsunterzeichnung beginnt die kritische Phase, in der der Auszubildende das Produkt zurückgeben, also die Ausbildung abbrechen könnte. Umso wichtiger ist es, dass Ihre kommunikationspolitischen und vor allem Ihre produktpolitischen Aktivitäten das ganze Jahr über laufen und jedem einzelnen Ihrer Azubis, Bewerber und den zahlreichen Multiplikatoren dauerhaft vermitteln, was für ein gutes Produkt Sie vermarkten.

Ein Beitrag von Martin Glania.

 

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