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Ausbildungsmarketing
26.11.2018

Best Practice: Vom eigenen Produkt bis zum Serienmodell

Auszubildende möchten und dürfen heute nicht mehr nur über die Schulter gucken – sondern sollen eigenverantwortlich und selbstständig handeln und agieren. Immer mehr Ausbildungsbetriebe haben dies erkannt und geben ihren Auszubildenden die Möglichkeit dazu. Die folgenden aktuellen Beispiele liefern Ihnen Anregungen und Ideen für Aktionen mit Ihren eigenen Auszubildenden.

Beispiel 1: Von der Idee ins Regal

Bei der Melitta Haushaltsprodukte GmbH sind normalerweise ausgewiesene Experten dafür zuständig, neue Produktideen zu entwickeln, die Herstellungskosten für Produktvarianten oder vollständig neue Produkte zu kalkulieren und bestehende Vertriebswege dafür zu prüfen und möglicherweise neue Distributionspfade ausfindig zu machen. Im Rahmen eines Projekts übernehmen dies die Auszubildenden.

Das Ziel des Projekts: Die Auszubildenden sollten sich in der Projekt- und Teamarbeit üben und die Schritte kennenlernen, die auf dem Weg eines Produkts von der Idee bis ins Regal notwendig sind.

Mit diesem Projekt erhalten die Auszubildenden einen guten Einblick in die Aufgaben der jeweiligen Abteilungen und lernen deren Zusammenspiel kennen und dessen Bedeutung einzuschätzen. Sie können „am eigenen Leib“ erfahren, wie Ideen entwickelt und verifiziert werden und schließlich zur Präsentationsreife gebracht werden können.

Azubis keltern Ihren eigenen Wein

Eine ähnliche Idee verfolgt eine rheinland-pfälzische Weinkellerei. Hier bekamen die Auszubildenden die Aufgabe, ihren eigenen Wein herzustellen, der speziell junge Menschen ansprechen sollte.

Genau wie im richtigen Berufsleben, hatte jede Abteilung andere Aufgaben:

  • Den Ausbau des Weines übernahmen Azubis des Fachbereichs Kellerwirtschaft.
  • Materialauswahl und -einkauf wurde von Kaufleuten durchgeführt.
  • Die Weinlese und das Keltern der Trauben wurden hingegen in Teamarbeit erledigt.

Das Ergebnis kann sich sehen – und vor allen Dingen auch trinken – lassen: Es kamen 2 neue Weine auf den Markt, die von Fachleuten das Qualitätssiegel „gut“ erhalten haben, eine Johanniter Spätlese und eine Weißburgunder Spätlese, die sogar das Bio-Siegel tragen darf.

So brechen Sie die Aktion auf Ihre Bedürfnisse herunter

Setzen Sie nur Auszubildende ab dem 2. Ausbildungsjahr ein. Legen Sie die Projektdauer mit 6 bis 8 Monaten an und bilden Sie 3 Projektteams. Den Abschluss findet das Projekt mit einer Präsentation vor Ihrer Geschäftsführung. Alle 3 Teams stellen dabei ihre Ideen vor und berichten detailliert über Zielgruppe, Preis und Marktchancen.

 

Beispiel 2: Ein Azubi-Auto wird zum Serienmodell

Den Azubis ein Maximum an Verantwortung zu übergeben, deren Kreativität zu fördern und sie bis in die Haarspitzen zu motivieren – das ist den Ausbildungsverantwortlichen des VW-Konzerns augenscheinlich gelungen. Den „Golf speed“, der als Kleinserie von 200 Stück in Wolfsburg produziert wird, haben die Auszubildenden des 2., 3. und 4. Ausbildungsjahrs von A bis Z, d.h. von der Entwicklung des Prototyps bis zur Übergabe an den Kunden in der Wolfsburger Autostadt, selbst „gemanagt“.

4 Phasen – und immer steuern die Azubis

An Phase 1 waren insgesamt 10 Auszubildende beteiligt: Kfz-Mechaniker, Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik und Fahrzeuginnenausstatter entwarfen den Prototypen. Man entschied sich für einen gelben und einen orangefarbenen Lamborghini-Lackton, der jeweils durch 4 per Hand aufgetragene Farbschichten zustande kommt; schon allein das ist außergewöhnlich. Weitere Elemente der Veredelung sind beispielsweise die Abgasanlage mit mittig angeordnetem Doppelendrohr, ein glänzender Chrom-Grill, verbreiterte Seitenschweller in Wagenfarbe, abgedunkelte Seitenscheiben und kirschrote Rücklichter. Auch innen geht es reichlich sportlich zu, vom Lenkrad über die Pedalerie bis hin zu einer eingravierten exklusiven Produktionsnummer. Das Gesamtpaket wurde dem VW-Vorstand vorgestellt. Vom Erfolg dieses keineswegs billigen Azubi-Golfs (Preis über 30.000€) überzeugt, haben sich die Konzernoberen für eine Kleinserie von 200 Exemplaren entschieden.

In Phase 2 – der sogenannten Produktionsvorbereitung – verhandelten angehende Industriekaufleute sowie Kaufleute für Bürokommunikation – natürlich unter Beratung und Aufsicht von Spezialisten und Ausbildern – mit potenziellen Zulieferern über den günstigsten Lieferpreis. Technische Zeichner setzten die Azubi-Vorstellungen derweil grafisch um.

Für die eigentliche Produktionsphase – der 3. Stufe dieses produktiven Ausbildungsprozesses – berechneten die 24 zuständigen kaufmännischen und gewerblichen Azubis dann die Kapazitäten und begleiteten den reibungslosen Herstellungsverlauf. Letztlich waren es sogar kaufmännische Azubis, die in der Wolfsburger „Autostadt“ den Käufern ihre Wagen übergaben – Phase 4. Und dazu gehört nicht nur die Weitergabe von Schlüssel und Papieren, sondern vor allem auch die Erläuterung des Wagens inkl. Einbau einer individuell gravierten Lenkrad-Spange vor den Augen des Kunden.

Die Rechnung der Azubis ging auf: Der Verkauf des „Kult-Golfs“ läuft deutlich über den Erwartungen; seitdem gibt es den exklusiven „Golf speed“-Club.

Weitere Beispiele für Azubi-Projekte finden Sie hier!

Autor: Martin Glania

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