0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
DDRockstar - Fotolia
Recruiting
30.04.2018

Berufswechsel nach einem Jahr – was möglich ist

Stellen Sie sich vor, einer Ihrer Azubis kann seinen Beruf in der Produktion wegen einer körperlichen Einschränkung nicht ausüben. Das wurde ihm jetzt nach etwas mehr als 8 Monaten Ausbildung von seinem Arzt bescheinigt. Sie würden ihn aber gerne weiterbeschäftigen – und zwar im Rahmen einer Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. An diesem Beruf hat er nämlich Interesse. Aber: Was müssen Sie rechtlich beachten, wenn er den Beruf zum 1. September wechselt? Genau das erfahren Sie hier.

Es gilt, einen Azubi mit Potenzial weiter zu beschäftigen, obwohl der ursprünglich gewählte Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht erlernt werden kann.

Kein Anrechnen von Ausbildungszeit

Im Prinzip müssen Sie diesen Azubi, obwohl Sie ihn schon längere Zeit kennen, genauso behandeln wie alle anderen neuen Auszubildenden auch. Der Hintergrund: Eine Ausbildung in der Produktion hat inhaltlich so gut wie nichts mit einer Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement zu tun. Eine deutliche inhaltliche Überschneidung wäre Voraussetzung dafür, Teile der alten Ausbildung anzurechnen. Das ist also nicht möglich.

Keine Ausbildung ohne Probezeit

Auch bei der Probezeit können Sie keine Ausnahme machen: Sie ist bei einer Ausbildung unverzichtbar. Das ist auch sinnvoll, denn Sie wollen den Azubi ja in einem völlig neuen Berufsfeld testen, in dem er sich erst einmal beweisen muss.

Auch wenn Sie der Meinung sind, dass die neuen Herausforderungen keine Probleme mit sich bringen werden, können Sie daher nicht auf eine Probezeit verzichten. Das gilt auch, wenn Sie sich mit dem Azubi auf einen Verzicht geeinigt haben. Vereinbaren Sie also auch mit dem Ihnen schon bekannten Azubi eine Probezeit. Sollte sich das neue Ausbildungsverhältnis als genauso unproblematisch herausstellen wie das alte (abgesehen von den gesundheitlichen Problemen), dann wird die Probezeit im Nachhinein nichts anderes sein als eine Formalie, die vom Berufsbildungsgesetz (BBiG) vorgeschrieben ist.

 

Mein Tipp: Sprechen Sie mit dem Azubi. Machen Sie deutlich, dass die Entscheidung über eine Verkürzung oder einen Verzicht auf die Probezeit im BBiG strikt geregelt ist. So lässt sich der Vertrauensverlust eindämmen oder sogar komplett verhindern.

Sie wollen Ihr Recruiting optimieren? So fängt ihr favorisierter Bewerber garantiert bei Ihnen an!

Autor: Günter Stein

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Betriebsverfassungsgesetz: Wie Sie Probleme von Beginn an vermeiden

Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) tangiert Sie als Ausbilder auf 2 Ebenen. Zum einen geht es dabei um die Aufgaben des Betriebsrats und die Mitbestimmung im Hinblick auf Fragen und Förderung der Berufsbildung. Zum anderen... Weiterlesen

23.10.2017
Was Ihre Azubis tun müssen und was nicht

Die meisten Auszubildenden kommen direkt von der Schule. Ihren Ausbildungsberuf kennen Sie oft nur aus Hochglanzbroschüren der Kammern oder Berufsverbände. Der betriebliche Alltag sieht oft anders aus: Auszubildende haben auch... Weiterlesen

23.10.2017
Reparieren statt Wegwerfen

Früher war es selbstverständlich, dass ein Techniker sämtliche Funktionen eines technischen Systems verstand. Von einem Fehler konnte der Techniker praktisch im „Rückwärtsgang“ bis zur Ursache gelangen. Doch moderne... Weiterlesen