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Recht
12.06.2018

Befristung mit oder ohne Sachgrund? Was ist besser?

Wenn Sie einen ehemaligen Auszubildenden direkt im Anschluss an die Ausbildung befristet beschäftigen wollen, haben Sie 2 Möglichkeiten: die Befristung mit und die Befristung ohne Sachgrund. Besonders interessant ist die Rechtsentwicklung bei der sachgrundlosen Befristung.

Eine Befristung mit Sachgrund ist im Anschluss an eine Berufsausbildung ohne Probleme möglich: Wer vor der befristeten Beschäftigung eine Ausbildung absolviert hat, liefert mit dieser Ausbildung den Sachgrund gleich mit. Insofern bietet es sich an, einen ehemaligen Azubi im Rahmen einer Befristung mit Sachgrund anzustellen.

Die Befristung ohne Sachgrund hat allerdings einen kleinen Vorteil: Bei ihr kann man das Arbeitsverhältnis innerhalb der maximalen Befristungsdauer von 2 Jahren 3-mal nahtlos verlängern. Wer also nicht langfristig planen kann oder will, hat die Möglichkeit, die 2 Jahre beispielsweise in 6-Monats-Abschnitte zu stückeln.

Vorangegangene Beschäftigung steht einer sachgrundlosen Befristung entgegen

Wenn Sie einen Auszubildenden im Anschluss an die Ausbildung lieber ohne Sachgrund beschäftigen wollen, dann müssen Sie Folgendes beachten:

  1. Wer einen Arbeitnehmer sachgrundlos befristen will, der darf ihn vorher nicht beschäftigt haben. Für Sie als Ausbildungsverantwortlichen ist wichtig: Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts sind Ausbildungsverhältnisse in diesem Sinne keine Arbeitsverhältnisse: Sie dürfen einen ehemaligen Azubi daher durchaus ohne Sachgrund befristet beschäftigen. Achten Sie allerdings darauf, dass dieser Auszubildende während oder vor der Ausbildung nicht bei Ihnen beschäftigt war – beispielsweise als Hilfskraft.
  2. Ist dies der Fall, dann ist eine sachgrundlose Befristung nicht möglich. Zwar hat es vor einigen Jahren ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts gegeben, das eine sachgrundmögliche Befristung legitimiert, wenn die Vorbeschäftigung länger als 3 Jahre zurückliegt. Dieses Urteil ist allerdings scharf kritisiert worden. Zwischenzeitlich haben Arbeitsgerichte und Landesarbeitsgerichte teilweise gegenteilig entschieden – wie beispielsweise das Landesarbeitsgericht (LAG) Baden-Württemberg (17 Sa 14/16 vom 16.11.2016).

Das bedeutet für Sie

  • Möchten Sie einen Azubi nach der Ausbildung befristet beschäftigen, sollten Sie dies mit Sachgrund tun, da die Rechtslage hier eindeutig und übersichtlich ist.
  • Kommt aber nur eine sachgrundlose Befristung infrage, weil Sie nicht so lange im Voraus planen wollen, ist auch das möglich. Denn das Verbot einer vorherigen Beschäftigung gilt nicht für Ausbildungsverhältnisse.
  • War der betroffene Arbeitnehmer schon außerhalb eines Ausbildungsverhältnisses bei Ihnen tätig, dann beschäftigen Sie ihn keinesfalls befristet ohne Sachgrund. Auch wenn das Beschäftigungsverhältnis bereits länger zurückliegt, tendieren Gerichte dazu, solche Arbeitsverhältnisse – mit allen finanziellen Folgen – zu entfristen.

Wie Sie rechtssicher verfahren, wenn eine Übernahme Ihres Azubis geplant (oder nicht geplant) ist, erfahren Sie hier…

Autor: Martin Glania

 

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