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Recruiting
30.10.2018

Azubis mit Migrationshintergrund: Nutzen Sie die Chancen

An der Einstellung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund kommt kaum ein Ausbildungsbetrieb vorbei. Und warum auch? Oft zeigt sich im Vorstellungsgespräch eine gute Eignung. Natürlich kann ein ausländisch klingender Name darauf hindeuten, dass der Azubi sprachliche Probleme hat, aber ziemlich häufig stellt sich das als Irrtum heraus.

Der Fachkräftemangel weitet sich aus, und immer mehr Ausbildungsbetriebe besinnen sich auch auf Auszubildende mit ausländischen Wurzeln. Manche haben das schon immer getan und damit gute Erfahrungen gemacht. Manch andere haben früher weitgehend darauf verzichtet, gehen diese Bewerbergruppe aber jetzt gezielt an. Denn nur durch die Erschließung dieses Potenzials ist für viele Betriebe gewährleistet, die eigenen Ausbildungsplätze erfolgreich zu besetzen.

Nach einer Umfrage der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen wählten 32 % der Handwerksbetriebe, die beispielsweise in den Städten Hildesheim, Göttingen und Holzminden ansässig sind, Jugendliche aus, die selbst oder deren Vorfahren nach Deutschland eingewandert sind. Das ist eine Quote, die bemerkenswert hoch ist und in handwerklichen und technischen Berufen auch in anderen Regionen realisiert werden kann.

Auch der kaufmännische Ausbildungssektor ist für Bewerber mit Migrationshintergrund geeignet, wenn – wie bei allen anderen Bewerbern auch – die sprachlichen, mathematischen und individuellen Voraussetzungen stimmen. Es ist ratsam, dies im Rahmen von Einstellungstests und Vorstellungsgesprächen gezielt herauszufinden.

 

Darauf sollten Sie bei Auszubildenden mit Migrationshintergrund achten:

  • Macht der Bewerber den Eindruck, dass er sich kulturell anpassen kann – oder etwa schon hat? Wie wird die Geschlechterrolle interpretiert? Könnte es negative Auswirkungen auf das Betriebsklima oder auf den Umgang mit Kunden geben? Wie könnten Sie das verhindern?
  • Wie stark ist die Religion verankert? Können Sie als Ausbildungsbetrieb die Ausübung der Religionen gewährleisten? Wie sieht es mit körperlichen Herausforderungen aus, die gegebenenfalls auch bei Moslems während des Ramadans gegeben sein müssen, ohne dass die Arbeitssicherheit gefährdet ist?
  • Wie sieht es mit Urlaub im Herkunftsland aus? Gibt es hier spezielle Ansprüche? Können Sie diese mit der Ausbildung, den Unternehmensinteressen und den gesetzlichen Anforderungen in Einklang bringen?
Mein Tipp: Zur aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt kann festgestellt werden, dass die Chancen die Risiken bei Weitem übersteigen. Etablieren Sie diese Denkweise daher spätestens jetzt in Ihren Ausbildungsabteilungen und stellen Sie Ihre Ausbilder auf eine mögliche Zunahme von Auszubildenden mit Migrationshintergrund ein. Wenn Sie in diesem Jahr Probleme hatten, alle Ausbildungsplätze zu besetzen, dann nehmen Sie sich für 2016 eine erhöhte Quote an neuen ausländischen Azubis vor. Sprechen Sie diese gezielt in Ihren Ausschreibungen an. Sorgen Sie anschließend dafür, dass der Name des Bewerbers in den Bewerbungsunterlagen bewusst als Kriterium, z. B. für eine Einladung zum Eignungstest, ausgeblendet wird.

 

Autor: Martin Glania

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